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Tegla Loroupe an Start in Berlin interessiert

Kenianerin will unter 2:20 Stunden laufen

21.04.1999

LONDON. Was sie mit dem ganzen Geld machen wird, das war eine der ersten Fragen an Joyce Chepchumba. Mit 230.000 Dollar hatte die Kenianerin als Siegerin in London die höchste Prämie erlaufen, die jemals bei einem Marathonrennen ausgezahlt wurde. Zusammen mit dem Antrittsgeld dürfte eine gute halbe Million DM zusammenkommen. "Vielleicht kaufe ich mir ein Kleid", antwortete Joyce Chepchumba. "Weiter habe ich mich noch nicht entschieden. Auf jeden Fall wird meine Familie etwas erhalten."

Joyce Chepchumba stammt aus armen Verhältnisse, "daß ich jemals so viel Geld verdienen würde, hätte ich nie gedacht". Die Eltern der 28jährigen sind Farmer im Eldoret-Valley, wo so gut wie alle kenianischen Spitzenläufer herkommen. Dort zieht ihr Mann den Sohn auf, während sie mit ihrem Sport das Geld verdient. Oft sieht die Läuferin ihre Familie monatelang nicht, denn sie hat noch eine zweite Heimat: In der Nähe von Detmold lebt und trainiert sie mit anderen kenianischen Athleten bei ihrem Manager Volker Wagner. Der konnte nur rund eine Stunde nach dem Triumph von Joyce Chepchumba noch einen zweiten großen Sieg feiern. Denn das Aushängeschild der Gruppe, Tegla Loroupe, die vor einigen Jahren Joyce Chepchumba mit nach Detmold brachte, gewann zum zweiten Mal in Folge den Rotterdam-Marathon. Mit 2:22:50 Stunden verpaßte sie nach ihrer Weltbestleistung vom vergangenen Jahr (2:20:47) allerdings das Ziel, als erste Frau unter 2:20 zu laufen.

Gegeneinander werden Loroupe und Chepchumba über die Marathondistanz allerdings in diesem Jahr nicht laufen. "Das wird automatisch im nächsten Jahr bei den Olympischen Spielen passieren", sagte Volker Wagner. Für den Manager ist es zudem sicherlich finanziell attraktiver, die Läuferinnen in zwei verschiedenen Rennen starten zu lassen. Wenn im Herbst die nächsten großen City-Marathonläufe auf dem Programm stehen, dann wird Joyce Chepchumba als Vorjahressiegerin in Chicago laufen. Wo Tegla Loroupe startet, steht währenddessen noch nicht fest. "Da sie die erste Zeit unter 2:20 Stunden verpaßt hat, wird sie es noch einmal versuchen. Dazu braucht sie eine schnelle Strecke. Amsterdam oder Berlin stehen zur Diskussion", erklärte Volker Wagner. Loroupe hatte bereits mehrfach ihr Interesse an einem Start in Berlin kundgetan. Doch die finanzielle Seite spielt eine Rolle - und da steht der Alberto BERLIN-MARATHON nicht in der ersten Reihe.

Finanziell war der Marathon-Sonntag auch für Manager Volker Wagner ein wohl einmaliger Erfolg, denn er ist natürlich am Gewinn beteiligt. Daß bei einem derartigen Doppelsieg in Deutschland mancher Neider böse Gerüchte streut, damit muß der Detmolder leben. Das gibt es auch anderswo. Angesprochen auf den schon oft geäußerten Blutdoping-Verdacht gegenüber spanischen Läufern, sagte der britische Marathon-Hoffnungsträger Jon Brown, der in London als Vierter von 30.750 Läufern das Ziel erreichte: "Spekulation ist eine Krankheit, die außer Kontrolle gerät. Sie könnte auch mich plötzlich betreffen."


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