41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Wenn David Bedford zum Shopping den Alberto BERLIN-MARATHON besucht

Unterschiede zwischen den beiden größten Marathonläufen Europas

21.04.1999

LONDON. Die Ausgangslage am Anfang war ungefähr gleich: die Londoner tranken ihr Pint of Bitter Bier, die Berliner einen französischen Rotwein. Nach dem Motto, mit etwas Alkohol läuft manches besser. Die Läufer vom SC Charlottenburg beschlossen dabei vor 35 Jahren, den Crosslauf ins Leben zu rufen. Aus dieser ersten Laufbewegung entwickelte sich später auch der BERLIN-MARATHON. Die Athleten der Ranelagh Harriers erklärten vor 20 Jahren in einem Pub im Londoner Stadtteil Richmond, einen London-Marathon organisieren zu wollen, obwohl ihr Klub damals noch nicht einmal weibliche Mitglieder zuließ. Inzwischen sind die beiden Rennen längst die größten ihrer Art in Europa. Während in der Metropole an der Themse über 30.000 Starter rennen, rechnen die Berliner Organisatoren am 26. September mit rund 20.000.

Bier und Wein - das war der erste Unterschied zwischen dem London- und dem BERLIN-MARATHON. Heute trennen die beiden Veranstaltungen unter anderem auch fast vier Millionen Mark. Einen Rekordetat von rund 1,5 Millionen Pfund, also fast 4,5 Millionen DM, soll der ehemalige Weltklasseläufer David Bedford als Verantwortlicher für den Athletenbereich zur Verfügung gehabt haben, um beim mit Sponsoren bestens bestückten London-Marathon ein Elitefeld zusammenzustellen. In Berlin betrug dieser Etat im vergangenen Jahr etwa 750.000 DM. Das Geld, das Bedford für die Topathleten ausgibt, würde bei Cheforganisator Horst Milde problemlos für die gesamte Veranstaltung reichen.

Kein Wunder, daß in London ein großes Potential von Weltklasseläufern an den Start geht. Jon Brown, der britische Hoffnungsträger, steht mit seiner Meinung nicht alleine da, wenn er sagt: "Das Feld in Sydney im nächsten Jahr wird in der Spitze nicht besser besetzt sein." Und António Pinto, der Portugiese, der sowohl in London als auch in Berlin schon gewonnen hat, meint: "Es ist wie eine Art Mini-Olympia. Wenn man hier gewinnt, ist man die Nummer eins der Welt." In der Tat hat es David Bedford geschafft, die Besetzung von Jahr zu Jahr noch spektakulärer zu gestalten.

Nur eines haben die Londoner seit 1985 nicht mehr gesehen: Eine echte Weltbestzeit auf ihrer Strecke. Da halfen bislang selbst die größten finanziellen Anstrengungen und die Verpflichtung der prominentesten Namen des Marathonlaufes nichts. Verkehrte Welt möchte man meinen, denn: In Berlin lief der Sieger in den letzten fünf Jahren immer schneller als in London. Und als Krönung stellte der Brasilianer Ronaldo da Costa im vergangenen Jahr mit 2:06:05 Stunden sogar eine Weltbestzeit auf. Während die Engländer die Stars einkaufen, laufen Newcomer, aber auch Athleten, die ihre persönliche Bestzeit und damit auch ihren Marktwert steigern wollen, am liebsten in Berlin. Denn die Strecke ist extrem flach und daher sehr schnell, das Wetter meistens gut. Zwei Punkte, die für Berlin sprechen - und die sich herumgesprochen haben. Da verzichtet der eine oder andere, wenn er nicht gerade Olympiasieger oder Weltrekordler ist, auch einmal auf einige zehntausend Dollar Startgeld.

Die Londoner Organisatoren um Bedford und Race-Director Alan Storey kommen übrigens gerne nach Berlin. Und sie kaufen hier gut ein. Sieger Ronaldo da Costa und der zweitplazierte Josephat Kiprono (Kenia) schafften im vergangenen September den Durchbruch und verdienen nun in London ein mehrfaches. Catherina McKiernan (Irland) gewann 1997 den BERLIN-MARATHON und im nächsten Frühjahr in London. Es gibt noch weitere Beispiele. Der größte deutsche Marathon ist ein gutes Sprungbrett für die Athleten.

Doch nicht nur in punkto Klasse, auch bei der Masse sind die Engländer um Längen voraus. Der London-Marathon könnte mindestens doppelt so groß sein - derart riesig ist das Interesse in Großbritannien, bei diesem Ereignis dabei zu sein. Rund 90.000 Läufer meldeten sich an. Knapp die Hälfte von ihnen wurde nach einer Lotterie mit einer Startnummer bedient, der Rest geht leer aus. Die Polizei limitiert die Starterzahl, weil ansonsten ein noch größeres Verkehrschaos befürchtet wird. Die hohen Zahlen erklären sich mit einem größeren Interesse der Briten am Laufsport, aber auch mit einer größeren Tradition. Der London-Marathon wird zudem im ganzen Land akzeptiert als das Laufsportereignis schlechthin. Die Berliner haben dagegen als größter und bedeutendster deutscher Marathonlauf auch mit Neid und Mißgunst zu kämpfen.

Um möglicherweise sinkende Starterzahlen brauchen sich die Londoner nicht kümmern. Jedes Jahr lassen sie die Zahlen leicht steigen, so daß es am Ende als schönen Nebeneffekt meist einen neuen Rekord von Läufern im Ziel zu vermelden gibt. Ganz anders sieht das in Berlin aus. Daß beim 25. Alberto BERLIN-MARATHON im vergangenen Jahr inklusive Inline-Skater über 27.000 Starter gezählt wurden, hängt auch damit zusammen, daß über ein Jahr hinweg mit unglaublichem personellen Aufwand für das Jubiläum geworben wurde.

Bei Rennen in aller Welt verteilen die ehrenamtlich tätigen Berliner Informationsmaterial und den Meldezettel für ihren Marathon, der in den verschiedensten Sprachen zu haben ist, sogar auf Japanisch. Eine Veranstaltung wie der London- oder der New-York-Marathon hat auch für Horst Milde und Co. erstaunliche Dimensionen. In die britische Metropole reisten sie zu viert mit rund 200 Kilogramm Informationsmaterial im Gepäck. Auf einem eigens gemieteten Stand im Rahmen der Startnummernausgabe wurden etliche tausend Blätter dann an vier Tagen verteilt. Und Horst Milde, selbst in London vor Ort, stellt fest: "Das Interesse am Alberto BERLIN-MARATHON ist groß. Durch den Weltrekord ist unser Lauf noch mehr zu einem Begriff geworden." In einem anderen Punkt haben die Berliner, deren Organisationsstruktur aus finanziellen Gründen noch auf viel mehr ehrenamtliche Tätigkeit angewiesen ist als die in London, nach Jahren mit den Briten gleichgezogen: Auch Cheforganisator Horst Milde hat seit kurzem ein Handy.


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