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Tegla Loroupe

In Berlin jagt die Kenianerin die Traumzeit

26.07.1999

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n der deutschen Straßenlaufszene ist sie fast so bekannt wie die deutschen Stars. Tegla Loroupe, die beim Rotterdam-Marathon 1998 mit 2:20:47 Stunden eine neue Weltbestzeit aufstellte und nun beim Alberto BERLIN-MARATHON am 26. September als erste Frau unter 2:20 Stunden rennen möchte, hat eine enge Beziehung zu Deutschland. Nicht nur, daß die 26jährige Kenianerin im Laufe des Jahres bei diversen deutschen Rennen an den Start geht, sie lebt und trainiert auch den Großteil des Jahres hier. Die zweite Heimat der Tegla Loroupe liegt in der Nähe von Detmold, wo ihr Manager und Trainer Volker Wagner die Betreuung einer Reihe von Läufern als Hobby neben seinem Lehrberuf betreibt. Berlin wird allerdings der erste deutsche Marathon sein, bei dem Loroupe, die in diesem Jahr in Rotterdam zum dritten Mal in Folge gewann und dort die Jahresweltbestzeit von 2:22:48 Stunden aufstellte.

Ronaldo da Costa, Mark Milde, Tegla Loroupe

"Sie kam mit 18 Jahren aus Afrika, doch sie wußte ganz genau, was sie wollte. Sie wollte sich und ihrer Familie mit erstklassigen Leistungen die Grundlage für ein besseres Leben schaffen. Sie ist sehr zielstrebig ihren Weg gegangen und hat sich durchgesetzt, ohne dabei ihr freundliches, nettes Wesen zu verändern", erzählt Volker Wagner über den ungewöhnlichen Weg der Afrikanerin.

Früher arbeitete Loroupe bei der kenianischen Post als Buchhalterin. Dorthin war sie nach der Schule gekommen, weil die Post den heimischen Talenten genügend Freiräume für das zeitintensive Langstreckentraining und die Wettkampfreisen läßt. Als Talent galt sie schon in ihrer Jugend. Tegla Loroupe ist aufgewachsen auf einer kleinen Farm ihrer Eltern in 2000 Meter Höhe, und das Gebiet aus dem sie kommt gehört zum Rift Valley, woher so gut wie alle kenianischen Weltklasseläufer stammen. Sie hatte einen Schulweg von 10 Kilometern Länge. Das bedeutete eine tägliche Laufstrecke von 20 Kilometern und einen wöchentlichen Schnitt von 120 Kilometern. Diese Wege wurden zur Grundlage ihrer Leistungsentwicklung. Auffallend war in der Schule, daß sie bei Wettkämpfen immer wieder schneller war als eine Reihe von Jungen.

Bei den Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart schaffte Tegla Loroupe den ersten internationalen Achtungserfolg als Vierte über 10.000 m, 1994 gelang der 1,53 m großen und 40 Kilogramm leichten Kenianerin ein sensationelles Marathon-Debüt: Sie gewann als erste Afrikanerin den New-York-Marathon. Ein Jahr später wiederholte sie diesen Triumph, nachdem sie zuvor bei der WM über 10.000 m die Bronzemedaille gewonnen hatte. Ein zweiter Rang hinter Uta Pippig beim 100. Boston-Marathon und Platz sechs bei Olympia über 10.000 m folgten 1996, bevor sie 1997 in Rotterdam mit 2:22:07 Stunden bereits die schnellste Marathonzeit des Jahres gelaufen war.

"Weltrekorde zu laufen, das ist mein großes Ziel, denn mit solch einer Leistung hat man ein Stück Leichtathletik-Geschichte geschrieben", hat Tegla Loroupe einmal gesagt. Mit ihren Erfolgen verfolgt sie noch ein anderes Ziel: Tegla Loroupe möchte die Frauen Kenias zu mehr Selbstständigkeit motivieren. "Ich denke, meine Erfolge sind eine Motivation für die Mädchen, nach der Schule den Sport fortzusetzen. Ich habe ihnen gesagt, verlaßt nicht die Schule um zu heiraten und damit zu verschwinden."


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