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HICHAM EL GUERROUJ

Rekordzeiten mit Hilfe des Königs

15.09.1999

Beim ISTAF im Berliner Olympiastadion sorgte Hicham El Guerrouj mit seinem 2000-m-Weltrekord von 4:44,79 Minuten für den Höhepunkt des Golden-League-Finales. Dafür erhielt er eine Prämie von 50.000 Dollar. Anstatt 100.000 Dollar zu verdienen, hatte Hicham El Guerrouj noch bei den Weltmeisterschaften in Sevilla lieber ein paar Kusshändchen ins Publikum geworfen. Auf den letzten Metern eines großen 1500-m-Finales, als feststand, dass der Marokkaner seinen Titel verteidigen würde, wurde der 24-Jährige langsamer und freute sich, anstatt mit vollem Tempo durchzuziehen. So tickten die Sekunden am Weltrekord von 3:26,00 Minuten vorbei, und Hicham El Guerrouj lief mit 3:27,65 lediglich die fünftschnellste Zeit aller Zeiten. Dass er dadurch die 100.000-Dollar-Weltrekordprämie verschlenderte, ärgerte den Marokkaner jedoch nicht im Geringsten. "Ich wollte den Augenblick genießen und lieber meiner Familie, meinen Freunden und den Menschen in Marokko zuwinken. Es ging mir nicht um den Weltrekord - den habe ich ja schon", sagte Hicham El Guerrouj, der für seinen Sieg aber noch 60.000 Dollar erhielt.

"Geld spielt für ihn keine Rolle", erklärte sein Manager Aziz Daouda. "Seine Einkünfte werden direkt auf die Bank überwiesen und landen auf einem Konto, das verschlossen ist." Der schnellste 1500-m-Läufer der Welt besitzt demzufolge ein Sperrkonto, das erst zum Karriereende geöffnet werden soll. "Nein, wir gucken nicht nach und kennen keinen Kontostand", erklärt der Manager für den nicht Englisch sprechenden Hicham El Guerouj. "Umso größer wird am Ende die Überraschung sein." Bevor der marokkanische Nachfolger Said Aouitas abtritt, dürfte aber noch die eine oder andere Million Dollar verbucht werden. Denn ein Karriereende ist für den 24-Jährigen noch längst kein Thema. Hicham El Guerrouj hat noch große Pläne. Und Aziz Daouda traut seinem Athleten noch einiges zu: "Ich habe schon 1979 gesagt, dass über 1500 m eine Zeit unter 3:30 Minuten möglich ist und es über 5000 m Ergebnisse unter 13 Minuten geben wird. Damals wurde ich für verrückt erklärt. Doch Said Aouita lief dann als Erster diese Zeiten, und heute erreichen das viele. Heute sage ich, Hicham kann 3:24 und 12:10 Minuten laufen."

Dass der Mittelstreckenläufer auch mit längeren Distanzen kein Problem hat, das hatte Marokkos Nachfolger von Said Aouita erst vier Tage vor dem ISTAF bewiesen. Beim Golden-League-Meeting in Brüssel lief er das erste 3000-m-Rennen seines Lebens und hatte einen sensationellen Einstieg in die Langstrecke. Mit 7:23,09 Minuten verfehlte er den Weltrekord von Daniel Komen (Kenia) lediglich um zweieinhalb Sekunden. Es war auf Anhieb die zweitschnellste Zeit aller Zeiten. Selbst der Serien-Weltrekordler Haile Gebrselassie (Äthiopien) hat in verschiedenen Versuchen nie ein solches Ergebnis erreicht. "Es gab keine Enttäuschung, den Rekord verpasst zu haben, denn es war, verglichen zu anderen Athleten, ein großer Einstieg über 3000 Meter", sagte der Manager des Läufers, Aziz Daouda. Selbst im Training hatte Hicham El Guerrouj nach Auskunft seines Managers zuvor keinen Test über eine längere Distanz gestartet.

In Berlin brach er den letzten Weltrekord von Noureddine Morceli (Algerien). Morceli war übrigens der Ausgangspunkt für die schwärzeste Stunde in der Karriere des Hicham El Guerrouj. Ausgerechnet im olympischen 1500-m-Finale stolperte der Marokkaner 1996 in Atlanta unglücklich über das Bein des Algeriers, der schließlich gewann. Hicham El Guerrouj war am Boden - doch nur kurze Zeit. Ein Anruf des damaligen marokkanischen Königs Hassan II richtete den Läufer wieder auf. "Er erklärte ihm, er sei noch jung, und dies sei nicht der Weltuntergang. Alle Marokkaner würden ihn als Sieger ansehen", erzählte Aziz Daouda, und Hicham El Guerrouj sagte später: "Nach diesem Anruf des Königs war es, als wenn ein neuer El Guerrouj geboren worden ist." Und auch die Anerkennung auch des neuen Königs Mohammed VI ist Hicham El Guerrouj gewiss. Aziz Daouda sagt: "Wir haben in Marokko keine Sponsoren für die Leichtathletik, aber dafür haben wir den König."


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