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Kenias Läufer weniger erfolgreich als zuletzt

Probleme liegen nicht bei Athleten sondern beim Verband

15.09.1999

In vier Disziplinen führen kenianische Läufer die Jahresweltbestenlisten der Leichtathleten an. Damit haben sie einen Saison-Spitzenreiter mehr als der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV). Trotzdem sind die Kenianer nicht zufrieden. Denn selten haben sie eine derart "erfolglose" Saison erlebt. Bei den Weltmeisterschaften gewannen die erfolgsverwöhnten Läufer nur eine Goldmedaille - ein derart "enttäuschendes" Abschneiden hatten sie zuletzt 1983 bei diesen Titelkämpfen erlebt. Damals blieben sie ganz ohne Medaille, spielten allerdings international auch kaum eine Rolle.

Lediglich in ihrer Spezialdisziplin, dem 3000-m-Hindernislauf, in dem sie in diesem Jahrzehnt noch jedes große Meisterschaftsrennen gewonnen haben, stellten sie in Sevilla mit Christopher Koskei den Weltmeister. "Trotzdem, es ist eine Enttäuschung, dass wir nicht alle drei Medaillen über die Hindernisse gewonnen haben - dafür sind wir hier angetreten", hatte der zweitplatzierte Kenianer Wilson Boit Kipketer nach der WM gesagt. Der nächstbeste Kenianer war auf Rang fünf Bernard Barmasai. Es ist jener Barmasai, der einerseits den Golden-League-Jackpot verpasste, andererseits aber in München Gesamt-Grand-Prix-Sieger wurde und damit für eine kleine kenianische Genugtuung sorgte.

Haben die Kenianer, die bei den vier Weltmeisterschaften zwischen 1991 und '97 unter anderen jeweils viermal in Folge die 5000 m und das Hindernisrennen gewonnen hatten, ein Problem? "Es gibt kein Problem für die Athleten", sagt Kim McDonald, der Londoner Manager, der sich auf den Laufbereich spezialisiert hat und gut 70 Kenianer betreut. Darunter ist zum Beispiel der dreifache Hindernis-Weltmeister Moses Kiptanui oder der 3000-m-Weltrekordler Daniel Komen. "Es gibt genügend Talente in Kenia", sagt Kim McDonald, der drei seiner jungen Athleten nennt, die vielleicht schon im Olympiajahr 2000 ganz nach vorne laufen können: Benjamin Limo, der Vize-Weltmeister über 5000 m, Sammy Kipketer, der als 17-Jähriger in dieser Saison über 5000 m schon knapp unter 13:00 Minuten blieb, und Noah Ngeny. Der 20-Jährige ist der einzige Kenianer, der in dieser Saison bisher einen Weltrekord aufstellte. Er lief vor gut einer Woche in Rieti über 1000 m 2:11,96 Minuten und gewann in eindrucksvoller Manier in München über 1500 m. Sein Pech ist jedoch, dass er auf den längeren Mittelstrecken den souveränen Weltrekordler Hicham El Guerrouj (Marokko) vor sich hat. "Ich glaube aber, 2000 wird mein Jahr werden. Ich denke, ich kann El Guerrouj schlagen. Dieses Jahr hatte ich noch eine Menge Probleme mit ihm, aber nächstes Jahr wird er Probleme mit mir bekommen", sagte Noah Ngeny, und Kim McDonald kündigt an: "Sein Ziel ist die olympische Goldmedaille über 1500 Meter."

Kein Problem in punkto Talent, aber in anderer Hinsicht sieht Tegla Loroupe. "In gewisser Hinsicht war die WM tatsächlich eine Enttäuschung für Kenia. Wir waren es gewöhnt, über 5000 oder 10.000 m zu siegen. Aber beim Verband darf niemand enttäuscht sein, denn die Funktionäre geben guten Läufern keine Chance, indem sie sie für eine Meisterschaft gar nicht nominieren", klagt Tegla Loroupe. Und die Marathon-Weltbeste (2:20:47 Stunden), die in München über 3000 m startete und in knapp zwei Wochen in Berlin ihre Marathon-Bestzeit angreifen will, fragt kritisch: "Die Frauen machen gute Fortschritte. Aber warum wurde die 5000-m-Siegerin der kenianischen WM-Auscheidung nicht für Sevilla nominiert?"

Stärker als ihm vielleicht lieb ist, sieht der 10.000-m-Weltmeister und Weltrekordler Haile Gebrselassie (Äthipien) die Kenianer in der Zukunft. "Sie haben mit Sicherheit kein Problem. Da wird immer mal ein neuer Läufer kommen, der auch mich plötzlich einmal schlagen kann", prophezeite Haile Gebrselassie nach seinem 10.000-m-Sieg in Sevilla. Zehn Tage nach dieser Aussage gewann der Kenianer Charles Kamathi bei seinem ersten Rennen in Europa in Brüssel über 10.000 m in der Jahresweltbestzeit von 26:51,49 Minuten. Und diesen 21-jährigen Kamathi kannte bis dato noch nicht einmal der Kenia-Spezialist Kim McDonald.


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