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Chebet und Fernandez siegen

Beim New-York-Marathon mit über 30.000 Läufern wird Katrin Dörre-Heinig wieder Dritte

08.11.1999

John Kagwe verpasste den Hattrick und ein anderer Kenianer war froh, nicht zum dritten Mal in Folge Zweiter gewesen zu sein: Joseph Chebet (Kenia) gewann die 30. Auflage des New-York-Marathons, bei dem über 30.000 Teilnehmer an den Start gingen, in 2:09:14 Stunden knapp vor dem Portugiesen Domingos Castro (2:09:20). John Kagwe lief in dem Rennen, in dem sechs Athleten unter 2:10 Stunden blieben, auf Rang fünf (2:09:39). Bei dem spektakulärsten Marathonrennen weltweit können auf Grund der anspruchsvollen, welligen Strecke Weltspitzenzeiten nicht erwartet werden. Das wurde in New York einmal mehr deutlich, doch dafür ist der Sieg für das Prestige wertvoller als bei vielen anderen Rennen. Trotzdem gab es bei den Frauen eine erstklassige Zeit. Adriana Fernandez sorgte in 2:25:05 Stunden für den ersten Sieg einer mexikanischen Frau in New York. Zweite wurde die Kenianerin Catherine Ndereba in 2:27:34. Bei ihrem zweiten Start in der US-Metropole nach 1990 belegte Katrin Dörre-Heinig zum zweiten Mal den dritten Rang. Zwar verpasste die 38-Jährige in New York den 25. Sieg ihrer Karriere, doch mit 2:28:41 Stunden unterbot die für DHfK Leipzig startende Läuferin als dritte Deutsche die Olympianorm. Rang drei in New York kann sich sehen lassen. Während die Sieger jeweils 50.000 Dollar kassierten, erhielt Katrin Dörre-Heinig für die Platzierung 12.500 Dollar.

Die Männer liefen, geführt von Tempomachern, von Beginn an ein recht gleichmäßiges Tempo. Die ersten 5 km waren bei Temperaturen von etwa 8 Grad Celsius und einem leichten Wind nach 15:16 Minuten absolviert, der 10-km-Punkt wurde nach 30:26 erreicht. In der großen Gruppe liefen noch bei Kilometer 20 (1:01:16 Stunden) über 20 Läufer, deren Tempo bereits auf etwa 2:09 Stunden hinauslief. In dieser Phase des Rennens sorgte dann zum ersten Mal einer der großen Favoriten für eine Tempoverschärfung. John Kagwe, der in den USA bis zu 240 Kilometer pro Woche trainiert hatte, übernahm zeitweilig die Spitze. "Ich laufe mein Rennen. Wenn man anfängt über die Konkurrenten nachzudenken, hat man schon verloren", hatte der zweimalige Sieger aus Kenia vor dem Lauf erklärt. In dem hochklassigen Feld an der Spitze zählten neben Chebet unter anderen Castro, der Berlin-Sieger von 1997, Elijah Lagat (Kenia), der London-Sieger vom April, Abdelkader El Mouaziz (Marokko) oder auch der spanische Weltmeister von 1995, Martin Fiz, zu den Konkurrenten des zweimaligen Gewinners.

Langsam verkleinerte sich die Gruppe, weil Kagwe und auch Chebet das Tempo erhöhten, als Manhattan erreicht wurde. Neun Läufer waren es noch an der 20-Meilen-Marke (1:38:50), also bei gut 32 km. Darunter waren sieben Kenianer und zwei Europäer - Castro sowie der später viertplatzierte Italiener Giacomo Leone (2:09:36), der 1996 sensationell in New York triumphiert hatte. Als es kurz danach in den Central Park ging, hatte sich die Spitzengruppe weiter verkleinert. Und auf der in diesem Teil besonders welligen Strecke fiel die Vorentscheidung: John Kagwe verlor den Kontakt zu den beiden Führenden, Castro und Chebet. Der Rotterdam-Sieger von 1997 verlor dann bei Kilometer 40 die entscheidenden Meter gegen den 29-jährigen Chebet, der im April bereits den Boston-Marathon gewonnen hatte. Das Rennen blieb zwar spannend, aber Castro konnte den Abstand nicht mehr verkürzen. Jospeh Chebet, der zur Fila-Gruppe von Dr. Gabriele Rosa gehört und sich in Kenia im Höhentraining auf das Rennen in New York vorbereitet hatte, ist erst der dritte Läufer, der in einem Jahr die beiden US-Klassiker von Boston und New York gewann. "In New York zu gewinnen, bedeutet unheimlich viel", hatte vor dem Start kein geringerer gesagt als Cary Pinkowski, der Renndirektor des Chicago-Marathons, bei dem zwei Wochen zuvor der Marokkaner Khalid Khannouchi eine Weltbestzeit (2:05:42) aufgestellt hatte.

In der Breite der Spitze längst nicht so gut besetzt wie das Feld der Männer war das der Frauen. Sicher war das ein Grund dafür, dass die 28-jährige Adriana Fernandez mit einem Vorsprung von knapp zweieinhalb Minuten gewann, nachdem sie fast die gesamte zweite Hälfte des Rennens alleine gelaufen war. Die Mexikanerin hatte sich in der Anfangsphase als einzige Läuferin an die Fersen der italienischen Vorjahressiegerin Franca Fiacconi geheftet. Das Duo vergrößerte den Vorsprung auf die Verfolgergruppe zunehmend. Bei 10 km waren es rund 30 Sekunden, fünf Kilometer später bereits 50. In der zweiten Gruppe liefen neben Katrin Dörre-Heinig auch Anuta Catuna (Rumänien), die in New York 1996 gewonnen hatte, sowie Irina Timofejewa (Russland) und Alina Tecuta-Gherasim (Rumänien). Noch etwas weiter zurück rannte die kenianische Geheimfavoritin Catherina Ndereba, die in diesem Jahr 14 ihrer 19 Rennen gewonnen hatte und in Boston bei ihrer Marathon-Premiere Platz sechs belegt hatte (2:28:27). Die beiden Führenden hatten die Hälfte der Strecke nach 1:13:03 zurückgelegt, die zweite Gruppe folgte 1:11 Minuten später. Kurz darauf folgte der Einbruch von Franca Fiacconi, die im Sommer auf Grund eines Armbruches ausgefallen war. Während Fernandez nach zweiten Plätzen in New York 1998 (2:26:33) und London 1999 (2:24:06) ihrem ersten großen Triumph entgegenlief, holte Ndereba kräftig auf, und Fiacconi fiel noch auf Platz vier zurück (2:29:49). Etwa bei Kilometer 40 überholte Katrin Dörre-Heinig die Italienerin und sicherte sich damit Platz drei.


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