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Vom Tellerwäscher zum Millionär

Die amerikanische Traumkarriere des Marathon-Weltrekordlers Khalid Khannouchi

08.11.1999

Vom Tellerwäscher zum Millionär - Khalid Khannouchi hat sie gemacht, diese amerikanische Traumkarriere. Der in den USA lebende 27-jährige Läufer aus Marokko lief beim Chigago-Marathon als erster Athlet unter 2:06 Stunden und verbesserte die Weltbestzeit um 23 Sekunden auf 2:05:42 Stunden. Es war der zweite Sieg von Khannouchi in Chicago. 1997 hatte er dort einen Debüt-"Weltrekord" von 2:07:10 Stunden aufgestellt, im vergangenen Jahr übertrumpfte ihn ein anderer Debütant (Ondoro Osoro / Kenia) mit 2:06:54. Khannouchi lief vor Jahresfrist als Zweiter 2:07:19 und steigerte sich nun erheblich. In drei Marathonläufen drei derartige Zeiten - das ist bisher einmalig.

Mit einem Olympiastart ist jedoch nicht zu rechnen. Denn für sein Heimatland möchte Khalid Khannouchi nicht mehr starten. Statt dessen hat er noch kleine Hoffnungen, rechtzeitig die US-Staatsbürgerschaft zu erhalten. Nur für Amerika würde Khannouchi in Sydney laufen, obwohl sich Marokkos Verband seit seinem ersten Sieg in Chicago 1997 um den Marathonläufer bemüht. "Aber Khalid ist in die USA gezogen, weil er mit dem marokkanischen Verband nichts mehr zu tun haben wollte," erklärte seine Frau Sandra, die zugleich seine Trainerin und Managerin ist. In den Jahren vor seinem ersten großen Triumph hatten sich die Marokkaner offenbar nicht um ihr Lauftalent gekümmert, was ihnen Khalid Khannouchi übel nimmt. "Mein Vater möchte, dass ich für Marokko laufe. Aber als ich die Unterstützung des Verbandes brauchte, habe ich sie nicht bekommen. Die Leute hier in den USA haben mir wirklich geholfen - sie haben es verdient, mich als Amerikaner laufen zu sehen", erklärt Khalid Khannouchi. "Trotzdem bin ich stolz, ein Marokkaner zu sein. Millionen Landsleute werden sich über meine Leistungen freuen, aber mit den Verband will ich nichts mehr zu tun haben."

Khalid Khannouchi ist als eines von acht Kindern in Meknes in Zentralmarokko aufgewachsen. Sein Vater war Glaser und nebenbei Fußballtrainer. Deswegen kam Khalid Khannouchi frühzeitig zum Sport. Zunächst kickte er, doch sein Vater fand ihn zu klein für einen Fußballer und überredete ihn zum Laufen. Mit 15 Jahren lief Kahlid Khannouchi sein erstes Rennen, einen Cross, und gewann. Im Jugend- und Juniorenbereich gehörte dann unter anderen Salah Hissou zu seinen Rivalen. 1990 wurde Khannouchi Junioren-Crossmeister seines Landes, doch der Verband nominierte ihn nicht für die Junioren-Cross-WM. Das demotivierte den Athleten, obwohl er von Said Aouita als Trainer betreut wurde.

Als er 1993 bei der Universiade in Buffalo die 5000 m gewann, lernte er neue Freunde kennen. Zwei Monate später kam er zurück dorthin, doch als es ihm im November zu kalt wurde, zog er nach New York. Er lebte mit sechs anderen Marokkanern in einem Zwei-Zimmer-Appartment in Brooklyn, verdiente sich sein Geld unter anderem als Tellerwäscher und trainierte spät abends. "Dort in Brooklyn nachts um 23 oder 24 Uhr zu laufen, war verrückt, aber ich machte das", erzählt Khannouchi.

Als er im August 1994 ein Rennen in Connecticut vorzeitig beendete, lernte er seine Frau kennen. Die aus der Dominikanischen Republik stammende Marathonläuferin (Bestzeit: 2:46:46), die 1992 Neunte in Chicago war, hatte bei dem gleichen Lauf ebenfalls aufgegeben. Beide zusammen arbeiteten später viel erfolgreicher. Vor seinem Marathondebüt 1997 hatte Khalid Khannouchi in jener Saison fünf seiner sechs Rennen in den USA gewonnen. Doch den 42,195 km stand er skeptisch gegenüber. "Ich hatte Angst vor der Distanz. Ich wollte lieber wieder auf der Bahn laufen und mit dem Marathon noch warten." Doch seine Frau überredete ihn zum Start in Chicago und prognostizierte ihm eine Zeit von 2:07:25 Stunden. "Er dachte, ich bin verrückt", sagte Sandra Khannouchi. Ihr Mann war 15 Sekunden schneller.

Ein Jahr später war Khannouchi Zweiter in Chicago, obwohl er am Ende unter einem Fußproblem litt. In diesem Frühjahr musste er seinen Start beim London-Maratho auf Grund von Achillessehnenproblemen absagen. Doch im Sommer meldete er sich mit Siegen in Atlanta (Peachtree / 10 km - 27:43 Minuten) und Chicago (5 km - 13:38) zurück.

In Brooklyn braucht Khalid Khannouchi schon lange nicht mehr nachts zu trainieren. Inzwischen besitzt er ein Haus in Ossining außerhalb von New York. In einem großen Park kann er trainieren, und über seiner Eingangstür soll die US-amerikanische Fahne wehen.


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