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"Juri der Kenianer"

Der Russe Juri Borsakowski ist der Aufsteiger des Winters / Eine läuferische Bilanz der Hallensaison

16.03.2000

Die Entdeckung der Hallensaison im Olympiajahr heißt Juri Borsakowski. Wer den 18-jährigen russischen 800-m-Läufer beispielsweise in Dortmund oder bei den Hallen-Europameisterschaften in Gent gesehen hat, der weiß, dass es im Sommer ein hochinteressantes Duell geben wird: Weltrekordler Wilson Kipketer (Dänemark) muss sich etwas einfallen lassen, um in Sydney gegen den Youngster zu seinem ersten Olympiasieg zu laufen. In sensationeller Manier rannte Borsakowski beim Meeting in Dortmund zum Junioren-Weltrekord in 1:44,35 Minuten, einen Monat später ließ er bei der EM wiederum Nils Schumann (Großengottern) keine Chance. In beiden Rennen rollte der Russe jeweils das Feld von hinten auf. Und sein Spitzname sagt eigentlich schon alles: "Juri der Kenianer".

In einer sehr kurz gehaltenen Hallensaison hat auch der kenianische Däne Wilson Kipketer überzeugt. In Stuttgart verbesserte er den 1000-m-Hallenweltrekord auf 2:15,25 Minuten, in Birmingham steigerte er diese Marke zwei Wochen später sogar auf 2:14,96.

Noch ein zweiter Läufer verdiente sich beim Meeting in Mittelengland die Weltrekordprämie von 50.000 Dollar. Nachdem Haile Gebrselassie (Äthiopien) auf einen Start über die Zwei-Meilen-Distanz verletzungsbedingt verzichten musste, sprang ein Landsmann in die Bresche: Statt Haile lief Hailu Weltrekord. Hailu Mekonnen rannte 8:09,66 Minuten und hatte damit eine Uralt-Bestzeit unterboten. 1973 war der Belgier Emiel Puttemans in Berlin 8:13,2 gelaufen.

Dass mit ihr im Sommer stärker zu rechnen ist als zuletzt deutete Stephanie Graf an. Die Österreicherin lief in der Halle nicht nur die schnellste 800-m-Zeit des Jahres (1:57,80), sie gewann bei der EM in Gent zudem den Titel nach einem eindrucksvollen Alleingang (1:59,70). In einem sehr guten 3000-m-Finale untermauterte Gabriela Szbao (Rumänin) einmal mehr ihre Ausnahmestellung. Bei ihrem Sieg zeigte sich allerdings die Konkurrenz stärker als zuletzt. So liefen Lidia Chojecka (Polen/8:42,42), Marta Dominguez (Spanien/8:44,08) und Jelena Prokoptschuka (Lettland/8:44,66) jeweils Landesrekorde. Wie bei den Männern, verzichtete allerdings das Gros der Weltklasseläufer auf eine Hallensaison im Olympiajahr. So startete beispielsweise die Doppeleuropameisterin von Budapest 1998, Sonia O'Sullivan (Irland), nach ihrer Babypause bereits wieder in Australien. Über 10.000 m lief sie dabei schon beachtliche 31:43,07 Minuten. Krankheitsbedingt hatte kurzfristig auch der 3000-m-Hindernis-Europameister Damian Kallabis (SCC Berlin) auf Hallenstarts verzichtet. Zu neuen großen Hoffnungen in Richtung Sydney hat die Hallensaison bei den deutschen Läufern keinen Anlass gegeben, obwohl beim Meeting in Erfurt die beiden Wattenscheider Jan Fitschen (7:53,85) und Carsten Schütz (7:55,95) über 3000 m überrascht hatten. Doch Schumann und Kallabis werden bei Olympia die Hoffnungsträger sein. Bei den Frauen sieht es besser aus. Und hier gab es sogar in der Halle Anzeichen, die hoffen lassen - selbst wenn Sydney vielleicht noch ein wenig zu früh kommen wird.

Einen Durchbruch schaffte 800-m-Läuferin Ivonne Teichmann, die inzwischen bei Thomas Springstein trainiert und für den SC Magdeburg startet. Mit 2:01,14 Minuten setzte sie sich an die Spitze der deutschen Bestenliste und erreichte bei der EM immerhin das Finale, in dem sie als Fünfte dann aber nichts ausrichten konnte.

Einen Sprung machte auf der 1500-m-Strecke auch Kathleen Friedrich (LAC Chemnitz). Sie verbesserte sich auf 4:08,99 Minuten, hatte dann aber Pech, dass sie im EM-Finale nach einer Rangelei stürzte. Dass in Gent keine deutsche 3000-m-Läuferin am Start war, lag daran, dass Irina Mikitenko (Eintracht Frankfurt) auf Starts in der Halle komplett verzichtete und stattdessen Cross lief. Einen Cross-Start zum späteren Zeitpunkt plante Kristina da Fonseca-Wollheim (SV Halle).


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