41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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António Pinto sorgt für den "Big Bang" am Big Ben

Der Portugiese gewinnt in London mit Strecken- und Europarekord von 2:06:36 Stunden / Tegla Loroupe läuft in 2:24:33 souverän zum Sieg / Rekordzahl von 32.620 Startern beim größten europäischen Marathon

20.04.2000

Nach 2:20:43 Stunden war Tegla Loroupe kurz vor dem Big Ben und hatte noch über einen Kiometer zu laufen. Damit war klar, dass der von ihr avisierte "Big Bang" beim London-Marathon ausblieb. Denn mit jenen 2:20:43 Stunden hatte die Kenianerin, die in Detmold bei ihrem Manager Volker Wagner lebt und inzwischen für die LG Nike Berlin startet, im vergangenen September beim Berlin-Marathon eine Weltbestzeit aufgestellt. Der in London das Rennen beobachtende Berliner Cheforganisator Horst Milde konnte aufatmen, denn sein Lauf bleibt im Besitz der Bestzeit. Trotzdem zeigte die 26-jährige Tegla Loroupe einmal mehr eine Weltklasseleistung. Souverän gewann sie ein Rennen in erstklassigen 2:24:33 Stunden gegen eine Konkurrenz, die wohl nur bei den Olympischen Spielen noch etwas stärker sein dürfte. Einen Paukenschlag gab es jedoch beim Männerrennen. António Pinto gewann bei seinem sechsten Start in London bereits zum dritten Mal nach 1992 und '97. Und dabei stellte der Portugiese gestern die afrikanischen Weltklasseläufer in den Schatten und eine neue europäische Bestzeit auf. Der 34-Jährige siegte in 2:06:36 Stunden und verbesserte damit die 15 Jahre alte Marke seines Landsmannes Carlos Lopes, der in Rotterdam 2:07:12 gelaufen war. Für die fünftschnellste Zeit aller Zeiten erhielt der Berlin-Marathon-Sieger von 1994 eine Prämie von 130.000 Dollar.

Mit genau der Hälfte der Prämie von António Pinto musste sich Tegla Loroupe zufrieden geben, was Volker Wagner mächtig wurmte: "Sie hat rund 150.000 Dollar verschenkt", ärgerte sich der Manager im ersten Augenblick. Allerdings erklärte die zierliche Kenianerin, die nach New York, Rotterdam und Berlin einen weiteren Marathon-Klassiker gewann, warum sie ihre gute Form nicht in eine deutlich schnellere Zeit umsetzen konnte: "Ich hatte in den letzten Tagen ein leichtes Problem in der linken Hüfte, deswegen hatte ich Angst, dass während des Rennens etwas passieren könnte." Davon hatte Loroupe jedoch in London vorher niemandem etwas gesagt, nicht einmal ihrer Freundin Joyce Chepchumba, die auf Rang drei einlief. Rund zwei Millionen Dollar an Startgeldern haben die Londoner Organisatoren in ihr Weltklassefeld investiert - das ist mehr, als der gesamte Etat des Berlin-Marathons. "Der London-Marathon", sagt António Pinto, "ist wie eine Generalprobe für die Olympischen Spiele. Deswegen wollte ich hier starten und gewinnen."

Eine rund 25 Läufer starke Gruppe mit allen Favoriten hatte die ersten 10 km nach 30:13 Minuten absolviert. Zuvor hatte der Vorjahressieger Abdelkader El Mouaziz (Marokko) mit dem Pacemaker Andres Espinosa (Mexiko) gesprochen und ihn um ein höheres Tempo gebeten - jedoch ohne Erfolg. "Eine gute Zeit war mein Ziel", erklärte der schließlich persönliche Bestzeit laufende, zweitplatzierte El Mouaziz hinterher. Nach 63:52 Minuten war die erste Hälfte gelaufen und die Gruppe von 15 Läufern begann, sich auseinanderzuziehen. António Pinto, der einzige weiße Läufer in der Spitze, bestimmte fortan das Tempo. "Etwa bei Kilometer 28 spürte ich, dass ich weglaufen kann", erzählte der Portugiese später. Pinto machte Druck, die Gruppe wurde kleiner und bei Kilometer 30 (1:30:36 Stunden) konnte nur noch El Mouaziz mühsam dem Tempo folgen. Vier Sekunden zurück liefen William Kiplagat (Kenia) und Mathias Ntawulikura (Burundi), bereits sieben Sekunden Rückstand hatte Khalid Khannouchi (Marokko), der mit 2:05:42 Stunden die Weltbestzeit hält, und zehn Sekunden zurück rannte Olympiasieger Josiah Thugwane (Südafrika). "Nach 15 Meilen fühlte ich mich kalt und konnte dem Antritt Pintos nicht folgen. Aber das ist eben so im Marathon - man kann einen guten oder einen schlechten Tag haben", sagte Khalid Khannouchi, der letztlich aber zufrieden war mit seinem dritten Rang in 2:08:36. "Immerhin lag ich zwischenzeitlich sogar auf Position acht und bin dann noch auf Platz drei nach vorne gelaufen." Rund zehn Kilometer vor dem Ziel war zu sehen, dass António Pinto kaum noch zu schlagen war. Mit einer zweiten Hälfte von unter 63 Minuten stürmte der Portugiese zur europäischen Bestzeit.

Im Gegensatz zu den Männern liefen die Frauen ein sehr ungleichmäßiges Rennen. Dies lag vor allen Dingen daran, dass die große Gruppe der Favoritinnen das Tempo der Pacemaker nicht annahm. Manager Volker Wagner, der mit der Vorjahressiegerin Joyce Chepchumba und der Weltbesten Tegla Loroupe die beiden großen Favoritinnen stellte, hatte selbst zwei Tempomacherinnen mitgebracht: Pamela Kimaiyo (Kenia) und Nastja Wijnberg (Holland) sollten die erste Hälfte in 71 Minuten laufen. Entsprechend liefen sie los, doch niemand folgte dem Duo. Trotz der mäßigen Zwischenzeit von 34:52 Minuten war der Abstand zur Spitzengruppe an der 10-km-Marke beträchtlich. Erst 48 Sekunden später hatte die 18-köpfige Gruppe der Favoritinnen diesen Punkt erreicht. "Wir sind nicht den Tempomacherinnen gefolgt, weil es ein taktisches Rennen war. Ich habe mich nicht an ihnen orientiert sondern an meinen Konkurrentinnen", sagte Joyce Chepchumba später.

Erst kurz vor der Hälfte des Rennens - dieser Punkt war dann nach 1:14:19 Minuten erreicht - hatte die Hauptgruppe die beiden Tempomacherinnen eingeholt. Vor allen Dingen die am Ende fünftplatzierte Australierin Kerryn McCann bemühte sich in dieser Phase des Rennens um das Tempo und zog dadurch die Spitzengruppe auseinander. Lidia Simon (Rumänien) und Tegla Loroupe folgten McCann, mit ein paar Metern Abstand lief Joyce Chepchumba. Doch eine Entscheidung fiel zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Bei Kilometer 30 liefen auch noch die New-York-Marathon-Siegerin Adriana Fernandez (Mexiko), die 10.000-m-Olympiasiegerin von 1992, Derartu Tulu (Äthiopien), Maria Guida (Italien), Ljubow Morgunowa (Russland) und Manuela Machado (Portugal) in der Spitzengruppe. Ausgestiegen war kurz zuvor die Debütantin Fernanda Ribeiro (Portugal), die sich unwohl fühlte. Doch nun übernahm Tegla Loroupe die Initiative, und schnell fiel die Gruppe auseinander. Nur Lidia Simon konnte zunächst noch folgen, Joyce Chepchumba lag schnell einige Meter zurück. Später erklärte Tegla Loroupe, die nach New York, Rotterdam und Berlin einen weiteren Marathon-Klassiker gewann, dann mit dem Hüftproblem, warum sie ihre gute Form nicht durch einen früheren Antritt in eine deutlich schnellere Zeit umsetzte.

Doch der London-Marathon bietet nicht nur Weltklasseresultate, sondern ebenso wie das Rennen in Berlin das perfekte Zusammenspiel von Spitzen- und Breitensport. Von den 99.000 Läufern, die sich um eine Startnummer beworben hatte, waren schließlich 32.620 dabei. Die Rekordzahl von 31.342 Läufern wurde bis 17 Uhr im Ziel registriert. Trotz der enormen Nachfrage können die Organisatoren das Feld kaum vergrößern. "Das Problem ist der Zielbereich am Buckingham Palast", erklärte Cheforganisator Alan Storey. Die Verwalter des königlichen St. James's Park haben Angst um ihr Gelände. Und die einzelnen Londoner Bezirke fürchten ein noch größeres Verkehrschaos. Dennoch sorgt der größte europäische Marathonlauf für immer neue Rekorde. Die meisten der über 30.000 Läufer rennen für einen guten Zweck. Von Freunden und Kollegen lassen sie sich ihre persönliche Leistung mit Spenden honorieren. Die Organisatoren des London-Marathons, die als gemeinnützige Veranstalter sämtlichen Profit spenden, hoffen auf diese Weise erstmals die 20-Millionen-Pfund-Marke übertreffen zu können. Das entspricht rund 65 Millionen Mark. Doch das Millionenpublikum an der Strecke konnte auch noch für einen anderen Zweck Geld ausgeben, denn für die Zuschauer gab es ein besonderes "Laufangebot". Die Veranstalter schlugen ihnen einen Pub-Marathon entlang der Strecke vor: 76 Kneipen wurden auf den 42,195 Kilometern gezählt.

Ergebnisse:

Männer: 1. Pinto (Por) 2:06:36 (ER), 2. El Mouaziz (Mar) 2:07:33, 3. Khannouchi (Mar) 2:08:36, 4. Kiplagat (Ken) 2:09:06, 5. Ramaala (RSA) 2:09:43, 6. Baldini (Ita) 2:09:45, 7. Ntawulikura (Bur) 2:09:55, 8. Thugwane (RSA) 2:10:29, 9. Nazipow (Rus) 2:10:35, 10. Goffi (Ita) 2:10:54, 11. Steinle (Gbr) 2:11:18, 12. Thys (RSA) 2:11:32, 13. Kororia (Ken) 2:12:28, 14. Ndayisenga (Bur) 2:13:28, 15. Cullen (Gbr) 2:13:37, 16. Mutai (Ken) 2:14:55, 17. Lewis (Irl) 2:15:07, 18. Mark Hudspith (Gbr) 2:15:16, 19. Jimenez (Mex) 2:15:37, 20. Burns (Gbr) 2:15:42, 21. Alejandro Gomez (Esp) 2:15:48, 22. Creasdale (Gbr) 2:16:02, 23. Magala (RSA) 2:17:00, 24. Rhodri Jones (Gbr) 2:18:34, 25. Ian Hudspith (Gbr) 2:18:40, 26. Cullen (Gbr) 2:18:42, 27. Shepherd (Gbr) 2:19:29, 28. Thackery (Gbr) 2:19:57, 29. Claeys (Bel) 2:19:59, 30. O'Callaghan (Irl) 2:20:15, 31. Garcia (Uru) 2:20:16, 32. Fisher (Gbr) 2:20:26, 33. Pride (Gbr) 2:21:00, 34. Mason (Gbr) 2:21:10, 35. Reid (Gbr) 2:21:15.

Zwischenzeiten: 10 km - 30:13, 20 km - 1:00:28, Hälfte - 1:03:52, 30 km - 1:30:36, 40 km - 2:00:03.

Frauen: 1. Loroupe (Ken) 2:24:33, 2. Simon (Rom) 2:24:46, 3. Chepchumba (Ken) 2:24:57, 4. Fernandez (Mex) 2:25:42, 5. McCann (Aus) 2:25:59, 6. Tulu (Eth) 2:26:09, 7. Guida (Ita) 2:26:12, 8. Morgunowa (Rus) 2:26:33, 9. Machado (Por) 2:26:41, 10. Schakarowa (Rus) 2:28:11, 11. Semenowa (Rus) 2:28:46, 12. Pong Sil (Kor) 2:29:08, 13. Kiplagat (Ken) 2:30:30, 14. Burangulowa (Rus) 2:31:14, 15. Irineu (Bra) 2:35:11, 16. Trampuz (Aus) 2:36:32, 17. Chang Ok (Kor) 2:36:39, 18. Jardon (Mex) 2:37:05, 19. Duffy (Irl) 2:38:30, 20. Mcdougal (Gbr) 2:38:32, 21. Wyeth (Gbr) 2:39:01, 22. Thomson (Gbr) 2:40:39, 23. Lodge (Gbr) 2:40:51, 24. Jioner (Gbr) 2:44:07, 25. Newcombe (Gbr) 2:46:16.

Zwischenzeiten: 10 km - 34:52, 20 km - 1:10:24, Hälfte - 1:14:19, 30 km - 1:44:37, 40 km - 2:17:20.


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