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"Ich kann mir vorstellen, wieder in Berlin zu starten"

Die dreifache BERLIN-MARATHON-Siegerin Uta Pippig ist seit Ostersonntag wieder startberechtigt und hochmotiviert

25.04.2000

Uta Pippig ist seit Ostersonntag wieder startberechtigt. Das vom Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes gegen sie gesprochene Dopingurteil, ficht die 34-jährige Berliner Langstreckenläuferin dennoch vor dem Schiedsgericht des Deutschen Sport-Bundes (DSB) an. Die dreifache Siegerin des Boston- und des BERLIN-MARATHON lebt den Großteil des Jahres in Boulder (Colorado) und hat sich entschieden, künftig für die USA zu starten. An ihren privaten und sportlichen Verbindungen nach Berlin wird sie trotzdem nichts verändern.

Haben Sie am Ostersonntag Eier gesucht oder ein Rennen für den ersten Start?

Uta Pippig: Ostern ist für das Eiersuchen da. Dieses Mal können mir die Hasen ruhig weglaufen.

Wie ist das Gefühl, wieder laufen zu dürfen?

Uta Pippig: Na cool, wie sonst.

Das klingt ja sehr locker. Ihr letztes Rennen war schließlich im Sommer 1998.

Uta Pippig: Ja, aber ich war nie richtig weg von meinem Sport, sondern bin die ganze Zeit weiter gelaufen. Denn für mich bedeutet Laufen auch ein Stück Identität, und zudem ist es ein guter Stressabbau. Es ist schön, sich fit zu fühlen und sich ständig in der Natur bewegen zu können. An diesen Dingen wird sich für mich nie etwas ändern. Ich freue mich jetzt natürlich, wieder bei den anderen Läufern zu sein und bin sehr motiviert.

Wann werden Sie die ersten Rennen laufen, wie weit geht die Planung?

Uta Pippig: Am nächsten Sonntag (30. April) starte ich beim James-Joyce-Ramble. Das ist ein 10-km-Straßenlauf in Dedham in der Nähe von Boston. Allerdings ist das nur ein sogenannter Fun-Run, kein Eliterennen. In den nächsten Wochen geht es für mich zunächst darum, mich im Training weiter zu stabilisieren. Wenn ich in dieser Zeit irgendwo starte, sind das nur Testläufe. Im Sommer möchte ich dann bei größeren Straßenrennen meine Form testen. Und wenn dann alles klappt und ich gesund bleibe, könnte ich mir vorstellen, im Herbst einen Marathon zu laufen.

Sie waren sehr populär - gibt es eine gewisse Unsicherheit vor den ersten Starts dahingehend, wie Konkurrenten oder Zuschauer reagieren werden?

Uta Pippig: Natürlich habe ich darüber kurz nachgedacht, aber hier in den USA gibt es ausschließlich positive Reaktionen. Als ich vor kurzem als Co-Kommentatorin beim Boston-Marathon war, kamen viele Deutsche auf mich zu und haben mir viel Glück gewünscht. Sie waren sehr positiv gestimmt und haben sich gefreut, mich zu sehen. Und der Organisator des Rennens von Dedham hat jetzt ein Problem. Er hat mit meinem Start Publicity gemacht, und jetzt rennen die Läufer ihm die Bude ein, weil sie alle mitrennen möchten.

Können Sie sich vorstellen, in Deutschland, speziell in Berlin, wieder zu laufen?

Uta Pippig: Sicherlich kann ich mir das vorstellen, aber ich kann jetzt noch nicht sagen, wann. Die Rennen in Berlin haben mir immer Spaß gemacht, weil die Atmosphäre super ist.

Ihre Sperre läuft aus, Ihr Verfahren läuft weiter. Kämpfen Sie in Zukunft stärker gegen die Konkurrenz oder um Ihre Rehabilitierung?

Uta Pippig: Mir liegt natürlich daran, zu zeigen, dass bei meinem Dopingfall Fehler aufgetreten sind, die aufgeklärt werden müssen. Ich kämpfe auch deshalb weiter, um anderen zu zeigen, was in diesem Doping-Kontrollsystem passieren kann, wenn trotz dieser Fehler Entscheidungen getroffen werden. Ich möchte dazu beitragen, dass einige Dinge in diesem System in Zukunft korrekter behandelt werden. Natürlich konzentriere ich mich zurzeit auf den Sport, obwohl jeden Tag ein paar Minuten bleiben, in denen ich mir Gedanken über den Fortlauf des Verfahrens mache.

Mancher wird diese Situation schwer verstehen. Die Sperre ist abgelaufen, Sie kämpfen weiter. Wie ist der Stand des Verfahrens?

Uta Pippig: Ich hoffe, dass im Sommer eine Entscheidung in zweiter Instanz fallen wird, also vor dem Schiedsgericht des Deutschen Sport-Bundes. Es ist mir wichtig, die Fehler aufzuzeigen, denn das kann auch anderen Athleten passieren.

Die Fortsetzung des juristischen Weges bedeutet ja auch einen erheblichen finanziellen Kraftakt. Sie werden lange Zeit keine Einnahmen gehabt haben, gibt es Aussichten auf neue Sponsoren?

Uta Pippig: Natürlich ist das ein finanzieller Kraftakt. Das Verfahren hat mich bisher eine sechsstellige Summe gekostet. Und ich hatte natürlich für einige Jahre so gut wie keine Einnahmen, so dass die Situation schwierig ist. Wie es mit neuen Sponsoren aussieht, steht noch in den Sternen.

Wann werden Sie wieder mal in Berlin sein?

Uta Pippig: Ich habe mir fest vorgenommen, im Sommer in Berlin zu sein, um meine Familie und Freunde zu besuchen - und, um meine Trainingsstrecken im Grunewald wieder laufen zu können.


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