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Wer rastet, rostet.

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

10.05.2000

Diese Metapher aus der Physik läßt sich nur bedingt auf den Laufsport anwenden. Was jedoch
Organisationsfragen in Sachen Laufsport angeht wohl eher.

Der neue Laufboom wirft auch zugleich viele Fragen auf. Sind die Vereine in der Lage die mitzureiten?
Was machen Trendsportarten wie das Skaten? Zumindest beim SCC Berlin scheint man in der Lage zu
sein "am Ball" zu bleiben. Ständig neue Aktionen, wie neuerdings der Laufservice für Hotelgäste,
fand in den Medien erstaunliche Beachtung. Für alle Aktivitäten ist jedoch viel Manpower vonnöten
und organisatorisches Know-how. Ideen sind immer gefragt, aber noch mehr Leute, die diese umsetzen
ohne gleich die berühmte Hand aufzuhalten.

Der neue Staffellauf des SCC (5 x 5 km am 24.Juni) im Tiergarten ist ein weiteres Beispiel für
Innovationsgeist. Inspiriert vom dänischen Beispiel, wo in Kopenhagen 27.000 Teilnehmer jährlich
an den Start gehen, soll nun im Tiergarten gelaufen werden. Der arme Tiergarten! Bei der Anfrage
wurde schon beim Bezirksamt mit der Behördenbekannten Verweigerungsmentalität anfangs mit dem
Kopf geschüttelt. Was soll der arme Park noch alles aushalten? Die Love-Parade läßt grüßen.
Nach zwei Treffen jedoch lenkte man ein und kam zu der einzig richtigen Erkenntnis, dass der
Park für solche Events zur Verfügung gestellt werden soll, zu der er gedacht ist, nämlich zur
Erholung.

Bei der Klausurtagung des Berliner Leichtathletik-Verbandes in Sachen Breitensport wurde einmal
mehr deutlich, welche Schlüsselposition das Laufen (Volkslauf) in der Leichtathletik einnimmt.
Auch die nicht vereinsgebundenen Sportler spielten bei der Abhandlung der verschiedenen
interessanten Themen ein Rolle. Der akademische Referent stellte die Frage, ob Vereine
"anachronistisch" seien. Die Fitness-Welle wurde nicht von den Vereinen zuerst erfaßt, sondern
von den Fitness-Studios.

Dennoch soll man nicht allzu pessimistisch in die Zukunft blicken. Nach wie vor ist der
Mensch ein Geselligkeitstier und der Kontaktfaktor kann sehr wohl von den Vereinen geleistet
werden. Man braucht dafür jedoch die richtigen Leute und eine funktionierende Vereins-
organisation, die von allen getragen wird und sich möglichst nicht in Eifersüchteleien
und Neid selbst lahmlegt.

John Kunkeler


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