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Nastja Ryshich die Angst vor dem Laufen genommen

Die verschiedenen Erfolge des 17. AVON-Frauenlaufes / Kathrin Weßel feiert Comeback mit einem Sieg

28.05.2000

Das Ziel wäre eigentlich kein Hindernis gewesen für Nastja Ryshich. Genauer gesagt das Zielgerüst. Der Aufbau war etwa vier Meter hoch, die Bestmarke von Nastja Ryshich steht bei 4,50 m. Mit dieser Höhe wurde die 22-Jährige im vergangenen Jahr Hallen-Weltmeisterin im Stabhochsprung. Vor dem 17. AVON-Frauenlauf im Tiergarten hatte die Weltklasseathletin des LAZ Zweibrücken ein ganz anderes Problem. Denn das Ziel zu erreichen, hatte sie sich ursprünglich nicht zugetraut. Fünf Kilometer waren beim größten deutschen Frauenlauf des SCC, an dem sich die Rekordzahl von 5093 Starterinnen aus 17 Nationen beteiligte, im Fun-Run zu absolvieren. Doch laufen gehört eigentlich nicht zum Trainingsprogramm von Nastja Ryshich.

"Laufen bedeutete früher für mich den Tod. Wenn ich einmal zehn Minuten gejoggt bin, dann brauchte ich danach mindestens zehn Minuten, um mich davon zu erholen", erzählt die Europameisterschafts-Vierte von 1998. "Vor meinem Training laufe ich manchmal zwei bis drei Runden im Stadion - aber auf dem Rasen!" So hatte Frank Lebert keinen leichten Job. Der Promotion-Manager ihres Sportartikelsponsors Nike, der auch den AVON-Frauenlauf in Berlin unterstützt, überredete sie mühsam zum Start im Tiergarten. "Zuerst habe ich gesagt, oh nein. Aber dann meinte er, ich hätte ja eine Stunde Zeit, um das Ziel zu erreichen, und irgendwie würde ich das schon schaffen", erzählt Nastja Ryshich, die zuletzt während ihres Trainingslagers in Schweden begann, etwas für das Ausdauervermögen zu tun. Dies hatte gleich zweierlei positive Effekte: erstens schaffte sie die 5-km-Strecke im Tiergarten ohne Probleme in 27:50 Minuten, zweitens dürfte sie von dem Training bei ihrem Sportstudium profitieren. "Jetzt habe ich vor der Laufprüfung keine Angst mehr", sagt Nastja Ryshich, die noch eine gute halbe Stunde vor dem Start hoffte, um den 5-km-Lauf doch herumzukommen. "Da hat es geregnet, und ich dachte, dann muss ich ja nicht mehr rennen!"

Während Nastja Ryshich sich nun langfristig auf die Olympischen Spiele vorbereiten möchte, kann Sydney in den Planungen von Kathrin Weßel keine Rolle spielen - obwohl die Läuferin des Veranstalterklubs SCC im Tiergarten das 10-km-Rennen gewann und damit ein perfektes Comeback feierte. Vor einem Jahr startete die zehnfache nationale 10.000-m-Meisterin ihr letztes Rennen vor einer Babypause im Tiergarten. Am gleichen Ort verschlief am Sonnabend ihre sechs Monate alte Tochter Nele den Sieg der Mutter in 35:09 Minuten. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich schon wieder 35 Minuten laufen kann", sagte eine sehr zufriedene Kathrin Weßel, die erzählte: "Es ist nicht leicht, zweimal am Tag zu trainieren. Hilfe bekomme ich dabei auch vom Olympiastützpunkt." Dort absolviert die 32-Jährige die wichtigsten Trainingseinheiten zurzeit auf dem Laufband, während ihre Tochter meistens daneben schläft. Im Sommer und Herbst will Kathrin Weßel bei weiteren Straßenläufen starten, darunter auch bei der City-Nacht auf dem Kurfürstendamm am 5. August. Spätestens im nächsten Frühjahr soll dann ein Marathon auf dem Programm stehen. "Über diese Distanz sehe ich meine Perspektive."


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