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"Mit der WM 2005 den Nachwuchs begeistern"

Interview mit David Hemery, dem Präsidenten des britischen Leichtathletik-Verbandes

09.06.2000

David Hemery wurde im November 1998 zum ersten Präsidenten von UK Athletics, dem britischen Leichtathletik-Verband, gewählt, nachdem der vorige Verband in Konkurs gegangen war. Hemery gewann 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko die Goldmedaille über 400 m Hürden in der Weltrekordzeit von 48,12 Sekunden. Der 55-Jährige arbeitet heute unter anderem im Bereich Management-Consulting. Sein Sohn Adrian zählt zu Großbritanniens Hoffnungen im Zehnkampf.

Wie wichtig war es für UK Athletics, die WM für London 2005 zu bekommen?

Hemery: Das war ein wichtiges Ziel sowohl für UK Athletics als auch die britische Regierung. Wir hatten keine Freiluftveranstaltung mit einer derart weltweiten Bedeutung seit den Olympischen Spielen 1948. Und durch den Zuschlag für die WM 2005 ist es uns möglich, ein reines Leichtathletikstadion zu bauen. Außerdem haben unsere Athleten die Möglichkeit, vor heimischer Kulisse anzutreten. Mit diesem Effekt hoffen wir, den Nachwuchs für die Leichtathletik begeistern zu können.

Es gab Fragezeichen um das Stadion in London.

Hemery: Mit Hilfe der britischen Sportministerin Kate Hoey haben wir einen Standort im Nordosten Londons, in Lee Valley, gefunden. Dort gibt es genug Platz, eine Infrastruktur ist bereits vorhanden und wir bekommen dort finanzielle Unterstützung durch die Region und die Regierung. Es ist das Ziel, dass das Stadion im Jahr 2004 gebaut ist. Und die Regierung zieht in Erwägung, sich mit diesem Stadion entweder für die Olympischen Spiele 2012 oder 2016 zu bewerben. Die Zuschauerkapazität soll deswegen variabel sein. Das heißt, für eine WM könnte das Stadion 50.000 Plätze haben, für ein Grand-Prix-Meeting etwa 25.000 und für Olympische Spiele bis zu 100.000.

London ist auch für die Golden League im Gespräch.

Hemery: Die Golden League prüft noch, ob London integriert werden könnte. Aber es gibt Bedenken bezüglich der zunehmenden Anforderungen an die Athleten und auch der zur Verfügung stehenden TV-Übertragungszeiten. Wenn die besten Athleten jede Woche auf Rekordjagd gehen, wie lange bleibt dann der Reiz erhalten? Unser Sport ist am spannendsten, wenn die Besten gelegentlich aufeinandertreffen. Das Duell steht dann im Vordergrund, nicht nur der Kampf gegen die Uhr.

Wie stark wird die britische Leichtathletik im Olympiajahr sein?

Hemery: Wie in jeder olympischen Saison gibt es einige Medaillenkandidaten. Aber wie immer, werden auch einige verletzt sein, nicht ganz ihre Bestform erreichen oder noch etwas zu jung sein.

Großbritannien hat eine große Tradition im Laufbereich. Doch im letzten Jahrzehnt basierte der Erfolg hauptsächlich auf Sprintern. Wie erklären Sie sich diese Veränderung?

Hemery: Es ist immer so, dass in einigen Jahren dieser und in anderen Jahren jener Wettbewerb stärker besetzt ist. Was die Entwicklung des Sprintbereichs in Großbritannien angeht, so war es zu meiner aktiven Zeit so, dass sehr wenige Familien, die aus Commonwealth- oder karibischen Ländern kamen, sich in der Leichtathletik engagierten. Doch viele Kinder oder Enkel früherer Einwanderer haben jetzt die britische Staatsangehörigkeit und treiben hier Sport. Wir haben Glück, dass einige von ihnen in verschiedenen Sportarten sehr talentiert sind.

Wie oft sehen Sie sich den London-Marathon an?

Hemery: Ich fahre meist nach London, um mir das Rennen anzusehen. Falls es mir nicht möglich ist, sehe ich mir die sehr gute Fernsehübertragung an. Der London-Marathon ist eine großartige Veranstaltung mit exzellenter Besetzung in der Spitze, einem großen Feld und einem wichtigen karitativen Aspekt.


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