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Groß genug für Olympia

Unter Stéphane Franke macht der 5000-m-Läufer Jirka Arndt entscheidende Fortschritte und schafft die Qualifikation für die Olympischen Spiele

31.07.2000

Seit einigen Jahren gehört Jirka Arndt zur erweiterten deutschen Spitze über 5000 m. Dies konnte für ihn allerdings alles andere als ein Qualitätssiegel sein, denn diese Spitze ist abgesehen von Dieter Baumann international bestenfalls drittklassig. Doch in dieser Saison hat sich Jirka Arndt deutlich verbessert. Mit einer Steigerung auf 13:21,47 Minuten, gelaufen beim Golden-League-Meeting in Rom, erfüllte der Läufer des SC Charlottenburg die Olympianorm. Und mit einem zweiten Platz bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig machte er seinen Sydney-Start perfekt. Hinter Dieter Baumann (Bayer Leverkusen/13:39,17) lief Jirka Arndt 13:45,66 Minuten.

Die erfolgreiche Entwicklung des Jirka Arndt hängt mit vorder- und hintergründigen Dingen zusammen. Zwar arbeitet er nach wie vor mit seinem alten Trainer Axel Pohlmann zusammen, doch primär kümmert sich seit 1999 Stéphane Franke um den 26-jährigen Läufer. Die im Laufe des vergangenen Jahres immer stärkere Einbindung in die Potsdamer Trainingsgruppe, zu der neben Franke vor allen der 3000-m-Hindernis-Europameister Damian Kallabis gehört, ist der offensichtliche Grund für die besseren Ergebnisse. "Wenn man im eigenen Saft schmort, kommt man nicht weit - die Kenianer trainieren auch erfolgreich in Gruppen. Und Fehler, die ich früher gemacht habe, müssen die anderen ja nicht noch mal machen", sagt Stéphane Franke, der sich nach einem Achillessehnenanriss nun in der Olympiasaison auf die Betreuung seiner Athleten konzentriert. Entscheidend für die Entwicklung von Jirka Arndt war jedoch, dass sich in der neuen Trainingsgruppe seine gesamte Einstellung grundlegend verändert hat. Diese Veränderung hat auch Damian Kallabis beobachtet: "Seine Einstellung ist professioneller geworden, er konzentriert sich viel mehr auf den Sport. Manche, die ihn früher kannten, hätten das nicht für möglich gehalten", erzählt Damian Kallabis, dem Stéphane Franke selbst viel in punkto Professionalität vermittelt hat. Dazu gehört zum Beispiel eine gesunde Ernährung oder auch ein dem Sport angepasster Tagesablauf. Bei Jirka Arndt haperte es offenbar besonders an letzterem.

"Ich war nicht konsequent genug und bin vor allem in den Jahren 1995 bis '97 zweigleisig gefahren", erzählt der aus Wolgast bei Usedom stammende Läufer, der in Potsdam parallel sein Architekturstudium vorantrieb und sich zudem viel mit Computergrafik beschäftigte. "Es gab manche durchgearbeitete Nacht - und so bin ich dann in Wettkämpfe gegangen. Das hat mich zurückgeworfen", erzählt Jirka Arndt, der glaubt, dass sich viele Athleten in einer ähnlichen Situation befinden. "Sie trainieren auch hart, haben aber Ablenkungen im täglichen Leben. Wenn sie dann einiges in den Sport investiert haben und sehen, dass die Spitze immer noch ein gutes Stück weg ist, dann ist das eine schwierige Situation." Eine gewisse Resignation macht sich breit. So war es auch bei ihm selbst. Obwohl der Deutsche 5000-m-Juniorenmeister von 1993 durchaus das eine oder andere Erfolgserlebnis hatte. 1996 startete er beim Europacup, zwei Jahre später wurde er dreimal Dritter bei nationalen Titelkämpfen: über 3000 m in der Halle, 5000 und 10.000 m. "Aber es war vor allen mein Trainer Axel Pohlmann, der mich motiviert hat, weiterzumachen." So kann sich Jirka Arndt nun seinen Jugendtraum erfüllen: einen Start bei Olympischen Spielen. "Mit diesem Ziel habe ich einst angefangen mit dem Sport."

Auch der Anfang gelang damals im DDR-Sportsystem übrigens nicht auf Anhieb. Bei einer Sichtung in Potsdam wurde Jirka Arndt zwar als talentiert eingestuft, galt aber als zu klein. Ein Jahr später, 1987, kam er wieder, war elf Zentimeter gewachsen und durfte in der Sportschule bleiben. Heute misst er 1,79 m - groß genug für Olympia.


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