41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Laufend neue Rekorde

Der hochkarätigste Marathon der 90er Jahre verzeichnet zum ersten Mal über 30.000 Teilnehmer

05.09.2000

An der Kantstraße passierte etwas ungewöhnliches. Als dort vor zwei Jahren im Mai die Läufer der traditionellen 25 km von Berlin vorbeirannten, drehten einige von ihnen wieder um und liefen ein Stück zurück. Sie hatten erst nach dem Vorbeilaufen registriert, dass an dem dortigen Erfrischungspunkt nach 5 Kilometern Horst Milde stand. Der Chef des BERLIN-MARATHON half bei der vermeintlichen Konkurrenzveranstaltung, die Läufer zu versorgen. So machten ein paar die Kehrtwende, um Milde zu begrüßen und sich danach auf den restlichen, 20 Kilometer langen Weg zu machen. Diese Episode sagt viel über den Stellenwert des real,- BERLIN-MARATHON, den Horst Milde wie kein zweiter repräsentiert.

Doch nicht nur bei den Läufern steht der real,- BERLIN-MARATHON so hoch im Kurs wie nie zuvor. Auch die anderen großen Rennen über die klassische Distanz von 42,195 Kilometern haben in den 90er Jahren ein ums andere Mal erfahren, dass sie diesen real,- BERLIN-MARATHON sehr viel stärker beachten müssen als dies noch in den 80er Jahren der Fall war. Wenn nun am nächsten Sonntag die 27. Auflage des mit Abstand größten, spektakulärsten und vor allen Dingen hochklassigsten deutschen Straßenlaufes gestartet wird, dann werden die Veranstalter der Marathonläufe von New York, London, Boston, Rotterdam oder Tokio sehr genau beobachten, was in Berlin passiert. Denn der real,- BERLIN-MARATHON wurde zuletzt mehr und mehr zu einem Maßstab - es ist im letzten Jahrzehnt das hochklassigste Rennen dieser Art weltweit gewesen.

Höhepunkte waren dabei die Jahre 1995, '98 und '99. Zunächst war es 1995 der Kenianer Sammy Lelei, der mit 2:07:02 Stunden so schnell lief wie vor ihm nur der damalige Weltbeste Belayneh Dinsamo (Äthiopien). Dessen 2:06:50 Stunden datierten jedoch noch aus dem Jahr 1988. Drei Jahre später fiel beim 25. Berlin-Marathon mit der Rekordzahl von 27.621 Meldungen die inzwischen schon 10 Jahre alte Männer-Weltbestzeit. Der Brasilianer Ronaldo da Costa krönte das Jubiläum mit seiner unglaublichen Zeit von 2:06:05 Stunden. 1999 fiel wieder eine Weltbestzeit in Berlin. Dieses Mal bei den Frauen. Die Kenianerin Tegla Loroupe verbesserte ihre eigene Bestzeit um vier Sekunden auf 2:20:43 Stunden. Doch der Berlin-Marathon bot vor einem Jahr noch mehr. Es war der erste Lauf, bei dem zwei Männer unter 2:07 Stunden blieben: Josephat Kiprono (Kenia) siegte in 2:06:44 vor dem Asienrekord laufenden Japaner Takayuki Inubushi (2:06:57). Und noch einen anderen "Weltrekord" registrierte der Berlin-Marathon: Nie zuvor waren in einem Marathon die Frauen- und die Männer-Siegzeit zusammengerechnet derart hochklassig - 4:27:27 Stunden sind bis heute unerreicht. Zudem war der Berlin-Marathon erst der Zweite überhaupt, bei dem beide Streckenrekorde auch Weltbestzeiten waren. Nur die Veranstalter von Rotterdam hatten dies vorher geschafft.

Inzwischen sind die Berliner eine Weltbestzeit wieder los: In Chicago lief im Oktober 1999 der Marokkaner Khalid Khannouchi 2:05:42 Stunden. Umso gespannter werden die Chicagoer Veranstalter am Sonntag die Ergebnisse des real,- BERLIN-MARATHON erwarten. Doch es wäre vermessen, davon auszugehen, dass die Bestzeit auf der flachen und deswegen für beste Zeiten besonders gut geeigneten Berliner Strecke erneut fällt. Zumal nur zwei beziehungsweise drei Wochen später die olympischen Marathonrennen der Frauen und Männer in Sydney gestartet werden. Viele Topathleten konzentrieren sich auf Olympia und verzichten daher auf einen City-Marathon im Herbst. Es bleiben zwar auf Grund der in den letzten Jahren enorm verdichteten Weltspitze genügend erstklassige Läufer übrig, doch hat der real,- BERLIN-MARATHON in punkto Finanzen nach wie vor längst nicht die Mittel zur Verfügung wie andere Veranstalter. Die Organisatoren der Herbst-Rennen von beispielsweise Chicago oder New York verfügen über ganz andere Athletenbudgets als die Berliner. So lassen sich viele Eliteläufer schlichtweg nicht bezahlen.

Doch während der Berlin-Marathon seinen Konkurrenten trotzdem bei den Siegzeiten immer wieder voraus war, hat der größte deutsche Lauf in den letzten zwei Jahren in anderer Hinsicht enorm aufgeholt. Zum ersten Mal werden am Sonntag über 30.000 Teilnehmer starten. Sowohl bei den Läufern als auch bei den Inline-Skatern werden die Starterlimits erstmals seit 1990 erreicht werden. Damals, als die Skater beim ersten Marathon durch Ost und West noch nicht dabei waren, lag das Limit bei 25.000 Läufern. In diesem Jahr wurden die Höchstwerte auf 6.500 Skater und 27.000 Läufer festgelegt. Das sind Zahlen, die bei Marathonrennen zurzeit nur von den Veranstaltungen in New York und London übertroffen werden. In Chicago sollen im Oktober allerdings auch bis zu 35.000 am Start sein. Bei diesen drei Rennen handelt es sich allerdings ausschließlich um Läufer. Den "Weltrekord" in dieser Hinsicht hält der traditionsreiche Boston-Marathon, der bei seiner 100. Auflage 1996 genau 36.264 Starter zählte, von denen 35.868 Läufer das Ziel erreichten.

Diese reinen Läuferzahlen sind beim real,- BERLIN-MARATHON zurzeit noch außer Reichweite. Doch dass am Marathontag insgesamt vielleicht sogar fast 40.000 Starter gezählt werden, dafür sorgt der real,- MINI-MARATHON. Über 5500 Schüler beteiligten sich zuletzt am größten Rennen dieser Art in Deutschland. Die Kinder und Jugendlichen laufen die letzten 4,2195 km der Originalstrecke. Wenn schon die deutschen Athleten keine große Rolle spielen, so zeigt dieser Schülerlauf zumindest, dass es eigentlich keine Nachwuchssorgen geben kann. So ist die Gesamt-Veranstaltung real,- BERLIN-MARATHON ein riesiges Volksfest über 42,195 Kilometer quer durch die Stadt mit bis zu einer Million Zuschauer.


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