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Doppelsieg für Irina Mikitenko - Wachablösung bei den Männern steht bevo

Deutsche Cross-Meisterschaften in Wetter/ Ruhr

04.12.2000

Der Doppelsieg der Irina Mikitenko und die eindrucksvolle Wachablösung im Langstreckenrennen der Männer mit einem überlegenen Sebastian Hallmann an der Spitze waren die sportlichen Highlights am ersten Tag der deutschen Crossmeisterschaften auf dem Hartkortberg in Wetter an der Ruhr, die nun bereits nach 1976 und 1995 innerhalb von 24 Jahren zum dritten Male nahe Dortmund ausgetragen wurden. Die Heerschau des laufenden Nachwuchses sowie der Senioren brachten am zweiten Tag nicht nur mit gewissen Einschränkungen die großen Startfelder, sondern auch zumeist spannenden Auseinandersetzungen um die Medaillenränge und - hartes Gerangel um die begehrten Plätze im DLV-Aufgebot für die Cross-Europameisterschaften am 10. Dezember in Malmö. Die beiden Meisterschaftstage brachten aber auch so manche Diskussion um die gewiß selektive, aber wenig crosswürdige und zuschauerfreundliche Strecke und die dringend notwendige Korrekturen am Modus dieser Meisterschaften, auf die wir an anderer Stelle ausführlich eingehen werden.

Zur überragenden Athletin der Cross-Titelkämpfe wurde Irina Mikitenko im Trikot der LG Eintracht Frankfurt. Die 28jährige Olympiafünfte ließ zunächst auf der 3 800 m langen Mittelstrecke der auch gewiß Weltklasseansprüche anmeldenden Luminita Zaituc keine Chance und lief überlegen zur ihrer ersten Crossmeisterschaft, der sie eine Stunde später noch eine weitere über der 7 200 m langen Langstrecke folgen ließ. Hier mußte die Marathonspezialistin und führende Läuferin im Deutschen Cross-Cup Sonja Oberem die Überlegenheit der gebürtigen Kasachin neidlos anerkennen. Mit diesem Doppelschlag zog Irina Mikitenko mit der Darmstädterin Petra Wassiluk gleich, die vor drei Jahren auf der Halbinsel Usedom überraschend zum Doppelsieg laufen konnte. Dennoch wird Irina Mikitenko dem Cross in diesem Winter weitgehend fern bleiben, denn sie möchte nicht zuletzt nach ihren leidvollen Erfahrungen im Finale des olympischen 5000 m-Wettbewerbs verstärkt der Halle den Vorzug geben, um ihre Sprintfähigkeit zu verbessern. "Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß Irina im März in einer guten Mannschaft doch noch bei der Cross-WM in Dublin starten wird" wies Bundestrainerin Isabelle Baumann jedoch auf eine kleine Hintertür in der Winterplanung hin.

"Ich hatte Angst vor einer Verletzung" bekannte Irina Mikitenko nach ihrem Doppelschlag innerhalb von sechzig Minuten, "deswegen wollte ich zunächst nur die Mittelstrecke laufen". Noch im Ziel des überlegen geführten Rennens ließ sie es zunächst noch offen, ob sie überhaupt ein weiteres Mal an den Start gehen solle. Als Ehemann Alexander mit einem "Versuche es" die Entscheidung durchsetzte, war damit praktisch schon der Doppelerfolg sicher. "Eigentlich ging es leichter, als ich gedacht hatte" zeigte sie sich überrascht nach den beiden intensiven Belastungen auf dem Harkortberg. "Vor allem hat mich überrascht, daß Luminita keine Anstalten machte, mit mir mitzugehen" wunderte sie sich über das zögerliche Auftreten von Luminita Zaituc, die sich erst kurz vor dem Stadioneingang von der couragierten Melanie Klein-Arndt lösen konnte und letztlich ungefährdet Zweite wurde - mit 26 Sekunden Rückstand. Dreißig Sekunden waren es kurze Zeit später im Duell mit Sonja Oberem. Trotz des Klassenunterschieds befand die Marathonfrau: "Ich denke, ich habe mich gegen Irina gut gehalten!" Schon früh aus diesem Zweikampf ausgeschieden war hingegen Michaela Möller, die ziemlich kraftlos in einem ausgedünnten Frauenfeld zu Bronze marschierte. Interessant wäre es allenfalls im Kampf um die Plätze hinter Irina Mikitenko geworden, wenn die starken Juniorinnen Susanne Ritter ("ich freue mich riesig über den dritten Titel in Folge!") und Sabrina Mockenhaupt im Frauenfeld gestartet wären. Sie waren es ausschreibungsgemäß jedoch nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Bei den Männern vollzog sich die bereits vor zwei Wochen beim Darmstadt-Cross ankündigende Wachablösung: In überragender Form stürmte Sebastian Hallmann dem erfreulich tatkräftigen wie jungen Verfolgerfeld auf und davon und ließ Dieter Baumann vergessen, der vor fünf Jahren an gleicher Stelle eine ähnliche Solovorstellung gegeben hatte. Vor vorschnellen Erwartungen warnt jedoch der Titelverteidiger Rainer Wachenbrunner, der als Fünfzehnter (!) dem Umbruch tatenlos zusehen mußte. "Auf der Langstrecke hat alleine von denen Sebastian Hallmann Format, wir sind vor fünf Jahren allesamt auf diesem Kurs schneller gelaufen". Was die Hallmann und Co. in der Tat zu leisten vermögen, das wird sich bereits am kommenden Wochenende bei der Cross-EM zeigen, wenn neben Sebastian Hallmann die auf den Plätzen folgenden Michael Wolf, Oliver Mintzlaff, Carsten Schütz und Martin Beckmann sowie der überlegene Juniorensieger Mario Kröckert in Malmö gegen die besten Europäer antreten werden.

Dabei wird in Malmö aber auch der 19jährige Saison-Abräumer Wolfram Müller sein, jedoch im Juniorenrennen. Der Himmelsstürmer aus Pirna konnte zwar den starken Auftritt des erfolgreichen Titelverteidigers Jan Fitschen nicht verhindern, verspricht aber der durchweg älteren (Männer-)Konkurrenz hierzulande für die Bahnsaison einen heißen Tanz: "Dafür werde ich auf der Bahn gewinnen!" Daß Wolfram Müller in Wetter den vermeindlich schwersten Weg, sprich Wettbewerb, gewählt hatte, das ehrt ihn außerordentlich und stimmt ihn zudem zufrieden - trotz Rang zwei. "Schließlich hätte ich auch die Jugend- oder Juniorenklasse laufen können!"

Wilfried Raatz


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