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Wider die Bequemlichkeit: Winterzeit ist Cross-Zeit!

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

27.12.2000

Winterzeit ist - auch oder in erster Linie Cross-Zeit. Auch in Deutschland. "Cross als integrativer Teil des Wintertrainings" nannte es einmal die für den Laufbereich unter anderem verantwortliche Bundestrainerin Isabelle Baumann und möchte die Teilnahme am Crosslauf in den Wintermonaten als eine wichtige Vorbereitung auf eine möglichst erfolgreiche Sommersaison verstanden wissen. Ehemann Dieter Baumann und Irina Mikitenko haben dies in der Vergangenheit stets so verstanden und sich auch der Konkurrenz auf internationalem Querfeldeinterrain gestellt, wenngleich mit bescheidenen Erfolgen. Aber - an den exzellenten Leistungen im Stadionoval jedenfalls ließ sich das hartnäckige Bemühen in Platzierungen, Minuten und Sekunden bemessen.

Dies alleine sollte schon Richtungsweiser für den Deutschen Leichtathletik-Verband sein, vor allem, wenn die Bemühungen ernsthaften Charakters sein sollen, der Laufszene einen ordentlichen Schub zu verpassen. So lange ein Nils Schumann auch ohne Cross die Medaillen holt, so lange die Springer und Werfer den Medaillenspiegel bei internationalen Anlässen hervorragend gestalten, so lange gibt es scheinbar keine Nöte, die gewiß einmal geäußerten Vorsätze auch mit Nachdruck in die Tat umzusetzen. Es bleibt somit bei den einsamen Rufern, den Alleingängen Weniger.

Natürlich ist Leichtathletik Springen und Werfen. Vorrangig aber Laufen. Ein Blick in die Mitgliederlisten der Vereine und Verbände zeigt dies deutlich auf. Nichts gegen einen Volks-Zehnkampf, aber das Gros der Leichtathleten sind die Teilnehmer an den unzähligen Laufveranstaltungen. Ob bei Alt oder Jung, Laufen ist im Trend. Und hier scheint der Deutsche Leichtathletik-Verband seiner Fürsorgepflicht, sprich Nachwuchspflege, nur zum Teil nachzukommen. Was hilft das Wehklagen über die rückläufige Präsenz der Jugend bei den Leichtathletikereignissen. Wenn nicht andernseits Zeichen gesetzt werden, der in die Jahre gekommenen Dame Leichtathletik auf die Sprünge zu helfen. Eine Expertenkommission hat sich beispielsweise um den Crosslauf hierzulande Gedanken gemacht, ein attraktives Programm mit dem vorrangig von den Veranstaltervereinen getragenen Deutschen Cross-Cup und runderneuerten nationalen Crossmeisterschaften auf die Beine zu stellen. Fazit? Die Papiere sind in irgendwelchen Schubladen gelandet, aus dem Deutschen Cross-Cup hat sich der DLV gänzlich herausgezogen, die deutschen Meisterschaften werden gemäß der jahrzentelangen Praxis weiterhin mit der gleichen Wettbewerbsfolge, dem gleichen Zeitplan und dem gleichen Zwei-Tage-Modus durchgeführt. Es fehlt jeglicher Pepp und Schwung. Die Leichtathletik-Schaltzentrale in Darmstadt ist bestverwaltet, doch an die Umsetzung diverser Strukturveränderungen wagt man sich scheinbar aus Bequemlichkeit nicht heran. Es könnte ja Mühe machen, aus eingefahrenen Gleisen heraus neue Wege bestreiten zu wollen. Vielleicht, weil auch die vorgegebenen Entscheidungswege (sprich Verbandsstrukturen) zu langwierig sind. Und wer hat schon heute noch den langen Atem für den Weg durch die Institutionen.

Mit Blick auf die Wirtschaftspartner sollte man beim Deutschen Leichtathletik-Verband rasch erkennen, daß gerade die Laufbewegung attraktive Veranstaltungen hervorgebracht hat, die es besonders zu umgarnen gilt. Schließlich sind gerade einige aus dem Verbandsverbund nach den Olympischen Spielen ausgeschert. Es kann freilich nicht daran liegen, daß die Leichtathletik eine aussterbende Sportart ist. Sie ist nur anpassungs- und erneuerungsbedürftig. Nicht alleine die Straßenlaufszene boomt, interessante Veranstaltungen auf der Bahn und im Gelände ließen sich gewiß auch den Sponsorpartnern näher bringen. Knebelverträge (bzw. alte Seilschaften) machen gutgemeinte Ansätze kaputt, sodaß Interessenten die Lust verlieren, sich neu in der Leichtathletik zu orientieren. Wenn nun auch der Deutsche Cross-Cup beispielsweise kurz vor dem Aus steht, dann hat der Deutsche Leichtathletik-Verband ein gerüttetes Maß Mitschuld daran. Es kann gewiß nicht den Vereinen SCC Berlin, TuS Köln rrh., TSV Bayer Lerverkusen, ASC Darmstadt und der Neusser Veranstaltergemeinschaft alleinig überlassen bleiben, eine attraktive Wettkampffolge in den Wintermonaten auf Erfolgskurs zu halten. Es kann gewiß nicht daran liegen, daß die ganze Läufernation im Winter auf den modernen Hallenovals zum Rundendrehen antritt, daß Hundertschaften dem widrigen Winterwetter in sonnige Gefilde ausweicht, es liegt eher an der Bequemlichkeit gewisser Funktionsträger. Eine späte Einsicht ist immer noch besser als keine. Deshalb wird es höchste Zeit, die Ärmel richtig hochzukrämpeln. Vielleicht gerade jetzt ein wichtiger Vorsatz. In einem Jahr läßt sich vielleicht auch hierüber eine Bilanz ziehen!

Wilfried Raatz


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