42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Marathonläufer durch Walker beim Berlin-Marathon geschockt!

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

10.01.2001

Ein Interview:

I: Herr Läufer, Sie haben zum 2. Mal am Berlin-Marathon teilgenommen. Wie waren Sie zufrieden?

L: Na ja, ganz gut. Die Atmosphäre ist ja so toll, da vergisst man die kleinen negativen Seiten.

I: Welche negativen Seiten?

L: 3.30 h wollte ich laufen. Ich hatte ja mit meinen Bekannten gewettet. Ging gut los.
Nach 7 Km habe ich die ersten schon auf der Strecke gehen gesehen. Ich dacht so etwas blödes. Nichts drauf und jetzt schon gehen. Sollen die sich doch in die letzte Startreihe stellen und nicht in die Erste. Dann haben die auch noch geschwatzt. Die hatten überhaupt keinen Sinn für Wettkampf. Ich bin dann volle Kanne vorbeigerannt. Sie wissen ja, ich hatte mit meinem Bekannten gewettet.

I: Wie ging es dann mit Ihnen weiter?

L: Sie meinen wohl wie lief es dann weiter? Bei 10 Kilometer war ich voll in der Zeit, ja sogar 3 Minuten schneller. Da dachte ich, Mensch wenn Du so weiterläufst schaffst Du die Zeit von Paule. Sie müssen wissen Paule ist unser Bester. Der ist im vergangenen Jahr 3.18 h gelaufen. Hätte ich bloß mit meinem Bekannte nicht nur um einen Kasten Bier gewettet.

I: Wenn das so gut lief, dann Gratulation.

L: Mensch bei 20 Km, ich hatte 7 Minuten Zeit gut dann ist es passiert.

I: Was meinen Sie denn?

L: Die Frieda, die meine Frau ist, stand auf der falschen Straßenseite. Im vorigen Jahr stand die rechts. Diesmal links. War ja ne leichte Rechtskurve. Sie wissen ja wegen der Zeit. Klar hab ich die Frieda gesehen. Ich hab ja extra so ein großes Schild gebastelt. So 1, 50m x 1,0m. Genau bei 20 km sollte Sie mir mein Taubensüppchen geben. Das ist mein Geheimtipp. Ist auch gar nicht so schwer die Dinger in der Stadt zu besorgen. Zuerst habe ich gedacht, laufe doch rüber, aber dann war mir klar, ich würde doch Zeit verlieren, also weiter. Mensch war ich sauer auf Frieda. Ich war schon 7 Minuten schneller als Paule. Dann habe ich die ganze Zeit an mein Taubensüppchen gedacht. Einen Kilometer später ging es dann los. Genau zur Hälfte. Kein Süppchen - keine Kraft. Bei 23 km habe ich mich dann erst mal hingestellt und hab Atemübungen gemacht. Seitenstechen hatte ich ja auch schon seit Kilometer 16. Trotzdem war ich schneller als Paule. Genau da lief Paule an mir vorbei. Hinter her hat er zu mir gesagt, ich hätte bei meinen Atemübungen ausgesehen wie ein Karpfen der nach Luft schnappen würde.

I: Aber Sie haben sich ja dann sicherlich durch Ihre Atemübungen erholt und sind weitergelaufen?

L: Klar, nach 5 Minuten war ich wieder fit und bin losgerannt. Mensch, ich hatte ja gewettet.
Paul habe ich ja auch noch vor mir gesehen. Frieda sollte ja bei Kilometer 26 stehen, da hätte ich dann ja die Täubchensuppe und meine schwarzen Kaffee trinken können. Die ist aber mit ihrem Schild und dem großen Rucksack nicht in die S-Bahn gekommen, wie Sie gesagt hatte. Die hat da einer abgedrängelt, der war wohl total verschwitzt und hatte sein Marathon T-Shirt noch verkehrt rum an.

I: Nun hatte Sie zum zweiten Mal nicht Ihr Spezialgetränk bekommen? Sind Sie dann an den offiziellen Verpflegungsstand gegangen, Entschuldigung - gelaufen?

L: Nee, da laufen doch alle hin. Ich brauch schon meine eigenen Getränke. Sonst hätte ich doch auch nicht gewettet. Mir war klar nun ist alles futsch. Paul war weg, die Beine hatten mir schon lange weh getan und meine Wette hatte ich auch verloren. Aber aufgeben wollte ich nicht. Ich bin dann immer 500 m gelaufen, stehen geblieben und wenn ich weniger Krämpfe in den Beinen hatte dann wieder 500 m gelaufen. War ganz schön hart. Die Massage in dem Zelt hatte auch nicht geholfen. Die im Zelt haben mir auch noch den Rest gegeben, die haben etwas von Spaß, Freude an der Bewegung zu mir gesagt und das bei den weichen Knien. Ich hab vielleicht auf die Frieda geflucht. Die hatte das mit der falschen Seite bestimmt mit Absicht getan. Im letzten halben Jahr hat Sie schon öfter zu nörgeln begonnen. Hat mich sogar einen Egoisten genannt. Dabei hat Sie doch Ihre Arbeit, Ihren Haushalt, die Kinder und unseren Garten. Sogar die Sonntage haben Ihr nicht mehr gefallen. Dabei waren das die schönsten Tage. Zum Frühstück mein Taubensüppchen, dann die lange Strecke mit Paule, Ihr tolles Mittagessen mit einem schönen Bier und der wunderschöne Mittagsschlaf....
Na ja, jedenfalls kam dann der absolute Hammer. Wie ich gerade wieder meine 500 m laufe sind doch welche an mir vorbei gegangen. Zuerst habe ich das nicht mitbekommen. Mich hatte nur aufgeregt, dass es da noch welche gibt die sich bei der Schinderei noch unterhalten können. Dann hat mich doch noch einer von denen angequatscht - ob ich nicht mit walken möchte. Es würde ja besser aussehen als ich laufen würde. Wenn ich noch Kraft gehabt hätte, hätte ich dem aber eine Antwort gegeben. Als Läufer sollte ich walken. Es ist ja auch ein Marathonlauf und kein Marathonwalking. Ich bin dann erst mal stehengeblieben. Nicht lange. Aber dann kann einer auf mich zu und sagte ich sollte in den Bus einsteigen. Es wäre der Besenwagen. Auf dem Bürgersteig weiter zu machen wollte ich nicht. Mensch, wie hätten da die anderen gelacht.

I: Vielen Dank für das Interview Herr Läufer, vielleicht noch eine abschließende Frage? Wie sieht es nach Ihren Erlebnissen mit einem Start für den nächsten Berlin-Marathon aus?

L: Na, auf jeden Fall, schon allein wegen Frieda. Zuerst wollte Sie sich ja scheiden lassen. Nicht wegen meinem Marathonergebnis. Das mit der Taubensüppchenkraft habe ich ja auch eingesehen, daß das Süppchen nicht Schuld an dem Besenwagen war. Paule kennt sich ja aus mit Ernährung und der hat gesagt Stadttauben sind auch nicht mehr das was sie mal früher waren. Ich muss ja zugeben, ein bisschen hat Frieda ja recht von wegen Egoist und so.
Na ja, ich habe Ihr dann alles so erzählt wie es war. Da hat Sie dann gesagt das mit dem Walking würde Sie auch interessieren. Jetzt trainiert Sie. Sie walkt, wenn ich laufe. Sie hat auch schon eine kleine Gruppe gebildet. Pauls Frau ist auch mit dabei. Seit Frieda Walking macht ist sie eine ganz andere geworden. Sie ist hübscher, schlanker und hat so mehr Selbstbewusstsein.
Neulich hat sie zu mir gesagt: "Wollen wir wetten, ich komme beim Berlin-Marathon in das Ziel"! Klar,ich habe dagegengehalten. Bei meinem Erlebnis. Na ja, ich habe jetzt schon zweimal heimlich Walking trainiert. Man kann ja nie wissen.

----------------------------Walking ist keine Mode!-----------------------

Walking ist keine Mode, sondern eine echte Chance. Für mehr als 50% der erwachsenen Deutschen beträgt die tägliche Gehstrecke weniger als 2 km. Mit Walking, dem forschen Gehen, kann jeder dieser Tendenz entgegenwirken. Als sanfte Ausdauersportart eignet es sich für alle Alters- und Leistungsgruppen, also für Neu- und Wiedereinsteiger, Untergewichtige, Übergewichtige, jüngere und ältere Menschen. Arm- und Schritttechnik sind leicht zu erlernen.

Wenn man sich mit dem rechen Bein abdrückt, schwingt der linke Arm in Gehrichtung nach vorn, und umgekehrt. Die Arme sollten wie Pendel neben, nicht vor dem Körper geführt werden. Typisch ist auch die Abrollbewegung der Füße von den Fersen aus. Der Brustkorb wird angehoben, damit genügend Platz zum Atmen bleibt, die Arme schwingen, die Schultern kann man locker hängen lassen. Walking soll Stress verhindern, nicht erzeugen. Deshalb sollte es beim Walking auch keine Wettkämpfe mit Platzierungen und Zeitvergleichen geben. Jeder ist der Gewinner und messen tun wir uns lediglich an uns selber. Walking steigert das Selbstwertgefühl und reduziert bei regelmäßiger Durchführung das Körpergewicht durch Fettabbau. Darüber regt es den Stoffwechsel an, schont jedoch die Gelenke und Bänder, fördert die Durchblutung und Elastizität der Muskeln. Fast alle 206 Knochen und 660 Muskeln des Menschen werden bei dieser Ganzkörperbelastung eingesetzt. Regelmäßiges Walking kann den Prozess der Osteoporose, des Knochenschwundes, der besonders bei Frauen auftritt, verlangsamen und die Knochen stärken. Außerdem werden die Herzmuskulatur und das gesamte Herzkreislaufsystem gestärkt. Das Herz pumpt mit einem Schlag mehr Blut durch die Gefäße, es schlägt kräftiger und wirksamer. Die Lunge kann mehr Gas aufnehmen, der Körper wird besser mit dem zur Energieumwandlung so wichtigen Sauerstoff versorgt.

Am meisten Spaß macht Walking in Gesellschaft. Walking ist eine einfach geniale Sportart, das man sich voller Freude bei so einem grandiosen Ereignis wie den Berlin-Marathon gönnen sollte.

Hartwig Gauder
Olympiasieger im Gehen


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