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"Wir können nicht zaubern - wir können nur vorbeugen"

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

07.02.2001

Das BERLIN-MARATHON Med Team stellt sich vor:

Dieser Werbeslogan, wir nennen in diesem Zusammenhang nicht die Firma, ist derzeit im Fernsehen zu sehen und lässt schmunzeln. Natürlich haben wir "billig" mit "Vorbeugen" ersetzt.

Headlines in Zeitungen, wie vor Jahren: "Der Tod läuft mit"- haben wir trotz des plakativen Stils Ernst genommen. Der BERLIN-MARATHON in " Emergency-room" oder "Ärzte" im Einsatz? Nein- die Medizin des BERLIN-MARATHON sieht sich nicht als Retter im Einsatz. 2x wöchentlich hätte man in den letzten Jahren eine Serie verfilmen können- dennoch der Tod ist etwas Natürliches- er kann uns überall begegnen- auch beim Marathonlauf- nur mit der Chance, dort mehr als irgendwo üblich so viele Ärzte, Sanitäter und Hilfskräfte vorzufinden. Das ist ein Teil der Arbeit, die geplant und bis zur Perfektion gewährt sein muß. DRK, Ärzte und der BERLIN - MARATHON setzen sich hierfür bereits 9 Monate vor dem großen Lauf zusammen. Alles nur Mögliche und Planbare im Vorfeld besprechen, Einsatzpläne beschreiben etc.

Kaum jemand kennt bisher die Arbeit die im Hintergrund stattfindet. Mit Walki-Talki, Handy oder Festanschluß ausgestattet, sitzend, fahrend oder laufend, sind in verschiedenen Teilen Berlins die Fachleute beim MARATHON unterwegs. Alle miteinander verbunden in der Hoffnung, daß sich "Alle genügend gut" vorbereitet haben. Das ist unsere größte Sorge. Geändert hat sich die Zahl der "Vernünftigen" in den letzten Jahren allemal- wir können und werden damit aber noch nicht zufrieden sein.

So beginnt der Tag des großen Laufs mit der Hoffnung, daß die Statistik der prozentualen Todesfälle versagt und wir lediglich Bagatellverletzungen behandeln müssen. Hoffnung ist jedoch verbunden mit nicht planen können. Das ist auch der Punkt, wo lediglich schnelle und fachliche Hilfe, also unsere tägliche Arbeit in Form von Notfallmedizin einsetzt.

Unser Ansprüche sind jedoch höher. Wir "predigen" seit Jahren den Begriff der Vorbeugung- und dafür tun wir in Berlin sehr viel. Ein Kompliment dem BERLIN-MARATHON, der damit weltweit eine Sonderstellung einnimmt. Unser Konzept besteht darin, Information und Service, also Dienstleistung, anzubieten. Wir können in dieser Zusammensetzung nur anbieten und appellieren an die Vernunft der Läufer oder derer, die es werden wollen, diesen Service wahrzunehmen.

Ob dies die Läuferforen sind, die neue Erkenntnisse aus Medizin und Sport das ganze Jahr mit namhaften Referenten anbieten, der Körper check-up, die Ermittlung der realistischen Leistungsfähigkeit oder die sportspezifische Behandlung bei Beschwerden- all dies bieten wir an. Jahr für Jahr sind wir erstaunt, wenn sich auf der Sport- und Gesundheitsmesse Läufer am Stand der Sportmedizin einfinden und über Probleme, Wehwehchen aber auch schwerwiegende Verletzungen und Ängste berichten und schnelle Hilfe fordern. Das ist unser Job- dennoch: meist sind es Beschwerden, die bereits monatelang manifestiert sind. Hier verweisen wir auch wieder auf die Überschrift der heutigen Kolumne. `Wir können nicht zaubern- wir können nur vorbeugen´.

Was wollen wir wollen ist ganz einfach. Sie sollen die kalkulierbare Gewißheit haben und damit spielen wir vorrangig auf Ihr Herz-Kreislaufsystem an, gesund an den Start zu gehen. Das bedeutet Eigenverantwortung, nicht das Vorlegen eines restriktiven Gesundheitszeugnisses. Leistung sagt nichts über den Gesundheitszustand aus. Meist sind es die Minutenfeilscher, die erstmalig unter 3 h 30 min laufen wollen und dabei Mängel in der körperlichen Verfassung nicht mehr wahrnehmen oder gar ignorieren. Das sind unsere "Sorgenkinder".

Ein Beispiel sollten sich all diejenigen nehmen, die aus gesundheitlichen Gründen mit dem Laufen beginnen und sukzessive das Ziel BERLIN-MARATHON angehen. Risiko und Alter hängen nicht zusammen. Bereits 27 jährige sind heute nach neuesten Erkenntnissen nicht mehr von Herzinfarkt, Bluthochdruck und pathologischer Stresszirkulation verschont.

Laufanfängern bieten wir aus diesem Grund ein MarathonCamp an, in dem sie medizinisch abgesichert das Trainingsjahr durchlaufen. Individualisten oder Laufgruppenteilnehmern raten wir, sich einmal im Jahr sportmedizinisch beraten zu lassen. Das gibt Sicherheit- auch für uns als Verantwortliche. Die Zentren in Berlin können das leisten. 1 Tag vor dem Marathon ist das leider auch logistisch nicht mehr möglich.

Zum Schluß:
Oftmals können wir kurzfristig helfen, dann sind wir die Götter in Weiß oder Zauberer. In den meisten Fällen können wir nur präventiv und mahnend vorgehen, wie z.B. beim Herz-Kreislaufsystem, dann sind wir die Pessimisten- wir verstehen uns jedoch als Realisten.

Dr. Willi Heepe
Medical Director
BERLIN-MARATHON


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