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Gabriela Szabo hat kein Problem mit Platz zwei

Maria Mutola ist die einzige Lauf-Olympiasiegerin die auch bei der Hallen-WM in Lissabon gewinnt

15.03.2001

„Warum sitzen Sie nicht in der Mitte“, fragt ein Journalist Gabriela Szabo nach dem 3000-m-Rennen. „Ich kann doch nicht jedes Mal gewinnen“, entgegnet die rumänische 5000-m-Olympiasiegerin von Sydney. Die erst 25-Jährige hat in den vergangenen Jahren so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: unter anderem bei Olympia, bei der WM, der Hallen-EM, in der Golden League und im Grand Prix. Viermal war die Rumänin Hallen-Weltmeisterin, jetzt hat sie zum ersten Mal eine Silbermedaille bei diesen Titelkämpfen gewonnen – oder doch eher Gold verloren? „Ich bin ehrlich weder überrascht noch enttäuscht von diesem Resultat“, sagt Gabriela Szabo, deren 8:39,65 Minuten im Finale der Hallen-WM dieses Mal nur zum zweiten Rang reichten, denn die Landesrekord laufende Russin Olga Jegorowa (8:37,48) hatte dieses Mal den besseren Spurt.

„Ich wollte eine Medaille, aber mir war es egal, ob ich Zweite oder Dritte werde“, erklärt Jegorowa und Szabo unterbricht sie, um zu vermelden: „Aber sie hat gewonnen.“ Dann spricht Jegorowa weiter: „Ich dachte, Szabo gewinnt, denn sie ist besser ...“ Wieder unterbricht Szabo: „Aber nicht heute!“ Und dann sagt die Rumänin auch noch: „Manchmal ist es schön zu verlieren. Ich habe wieder etwas gelernt, und ich weiß, was ich im Trainingslager machen muss, um im Sommer wieder zu gewinnen.“

Noch ein anderer Lauf-Olympiasieger ging in Lissabon an den Start und gewann nicht: Kenias neuer Held Noah Ngeny trug mit seinem dritten Platz über 1500 m (3:51,63 Minuten) immerhin dazu bei, dass die Gastgeber ein Volksfest feiern durften. Denn der Portugiese Rui Silva gewann das taktische Rennen in 3:51,06 Minuten vor dem Spanier Reyes Estevez (3:51,25). „Die engen Hallenrunden liegen mir nicht. Ich brauche das Gefühl der Freiheit beim Laufen, das man draußen hat. Die WM in Edmonton im August ist mein großes Ziel“, erklärte Noah Ngeny.

Weil ihn Noah Ngeny im Olympiafinale über 1500 m geschlagen hatte, war für Hicham El Guerrouj (Marokko) eine Welt zusammengebrochen. Doch in Lissabon meldete er sich zurück und gewann souverän seine erste Goldmedaille über 3000 m. In 7:37,74 Minuten siegte er vor seinem früheren Landsmann Mohammed Mourhit (Belgien/7:38,94). Über 800-m-wurde Juri Borsakowski ein Jahr nach seinem Sieg bei der Hallen-EM nun auch Weltmeister. Der Russe degradierte die Konkurrenz in 1:44,49 Minuten zu Statisten und hatte fast zwei Sekunden Vorsprung vor Johan Bota (Südafrika). Olympiasieger Nils Schumann (LG Nike Berlin) hatte auf die komplette Hallensaison verzichtet.

„Ich sehe sie regelmäßig im Training, sie hat eine große Zukunft“, sagt Hicham El Guerrouj üner seine Landsfrau Hasna Benhassi. Zm ersten Mal startete die Marokkanerin bei einer großen Meisterschaft über 1500 m und gewann prompt in 4:10,83 Minuten vor der Rumänin Violeta Szekely (4:11,17). Die einzige Läuferin, die ihre Strecke sowohl in Sydney als auch in Lissabon gewann, istz Maria Mutola (Mosambique). Die 800-m-Läuferin setzte sich in der Halle hauchdünn in 1:59,74 Minuten vor Stephanie Graf (Österreich/1:59,78) durch. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte nur eine Läuferin am Start. Yvonne Teichmann (SC Magdeburg) blieb im 800-m-Halbfinale hängen.

Der 3000-m-Läufer Jan Fitschen (TV Wattenscheid) war zwar nominiert, doch wenige Stunden vor seinem Vorlauf bestätigte der Weltverband IAAF die Sperre gegen Fitschen. Der Wattenscheider war bei den Deutschen Meisterschaften in Dortmund zwei Wochen zuvor gegen den national freigesprochenen, aber international gesperrten Dieter Baumann (Tübingen) angetreten. Die IAAF hatte hart durchgegriffen und alle Baumann-Gegner gesperrt. Erst nach der Hallen-WM wurde die Sperre aufgehoben. Dagegen ist Dieter Baumann nunmehr regelkonform gut ein Jahr länger gesperrt, bis zum 25. Februar 2003. Bei einem Start während der Dopingsperre beginnt die Sperrzeit von neuem.


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