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„Es ist unfair, einfach nur zu spekulieren“

Der zweifache Olympiasieger Edwin Moses über seine Verbindungen nach Berlin, seine heutige Beziehung zum Sport und über Doping

21.03.2001

Edwin Moses ist einer der größten Leichtathleten aller Zeiten. Der US-Amerikaner wurde jeweils zweimal Olympiasieger (1976 und ’84) sowie Weltmeister (1983 und ’87) über 400 m Hürden. Der inzwischen 45-Jährige, der früher mit einer Berlinerin verheiratet war, teilweise in den 80er Jahren auch in West-Berlin lebte und beim ISTAF im Olympiastadion Stammgast und Publikumsliebling war, hält heute noch die längste Siegserie eines Sprinters beziehungsweise Läufers. Zwischen 1977, als er beim ISTAF gegen Harald Schmid verlor, und 1987, als er in Madrid Danny Harris unterlag, gewann Moses alle seine 122 Rennen. Insgesamt siegte er zwischen 1975 und ’88 in 178 seiner 187 Läufen. Edwin Moses ist heute Vorsitzender jenes Gremiums ehemaliger Stars, das jährlich den „Laureus World Sport Award“ vergibt. In dieser Funktion war Edwin Moses jetzt für einige Tage in Berlin.

Was machen Ihre Verbindungen nach Berlin?

Edwin Moses: Letzten Sommer war ich ein paar Tage hier, aber davor lange Zeit nicht. Ich arbeite heute als Geschäftsmann und bin hauptsächlich in meiner Heimat in Kalifornien und in Atlanta. In den 80er Jahren habe ich viel Zeit in Berlin verbracht. Aber inzwischen hat sich die Stadt natürlich enorm verändert. Ich nehme an, dass die Familie meiner früheren Frau noch hier wohnt.

Wie sehen Sie ihre Karriere im Nachhinein?

Edwin Moses: Es gab natürlich auch bei mir viele Veränderungen, und ich habe nicht mehr viel mit dem Sport zu tun. Mein Leben war ohnehin nie ausschließlich auf den Sport fokussiert. Wenn ich mir heute meine Leistungen von damals ansehe, dann ist das für mich selbst schwer zu glauben, was ich damals gelaufen bin. Mich verbindet mit den anderen Mitgliedern des „Laureus World Sport Award“-Gremiums, dass unsere Sportkarrieren sehr glücklich verlaufen sind. Deswegen engagiere ich mich auch für diese Sache, um auf diesem Wege dem Sport etwas zurück zu geben.

Es geht dabei nicht nur im die Wahl von Weltsportlern.

Edwin Moses: Nein, es geht uns auch darum, einen positiven Einfluss auf den Sport weltweit zu haben. Der „Laureus World Sport Award” ist in der finanziellen Lage, Sportprojekte für Kinder und Jugendliche unterstützen zu können. In Berlin unterstützen wir zum Beispiel das Projekt „kick“, in Virginia gibt es ein Basketball-Projekt. Hier wurde statistisch nachgewiesen, dass jedes Jahr 50 Menschenleben gerettet werden, weil wir Jugendliche davon abhalten können, kriminell zu werden. In Arabien versuchen wir, Kinder aus unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die auch unterschiedliche Sportarten haben, zusammen zu bringen. Und im April werde ich für ein Projekt nach Kenia reisen.

Sie gehörten früher auch zur Athletenkommission des IOC und waren Mitglied der Anti-Doping-Kommission des NOK der USA – warum sind Sie hier nicht mehr engagiert?

Edwin Moses: Seit 1996 bin ich nicht mehr in der IOC-Kommission. Das Prozedere hatte sich geändert, ich wurde nicht gewählt. In der Anti-Doping-Kommission haben wir sehr gut gearbeitet und Projekte entwickelt. Doch 1994 habe ich diesen Posten niedergelegt, weil ich mein Leben beruflich weiterentwickeln wollte. Es war auch schwierig, weil alle von mir immer nur etwas über das Dopingproblem wissen wollten. Das aber passte nicht mehr zu meinen beruflichen Kunden, die dies gar nicht interessiert.

Sie haben aber noch einen anderen Posten im NOK der USA.

Edwin Moses: Ja, ich bin Mitglied der Olympic Foundation. Wir suchen Finanzierungsmöglichkeiten für den Sport und verteilen die Gelder.

Denken Sie manchmal auch an Doping, wenn Sie aus der Vorschlagsliste für den „Laureus World Sport Award” Athleten auswählen?

Edwin Moses: Nein. Ich finde es sehr unfair, einfach nur so zu spekulieren. Wenn man Fakten hat, ist das etwas anderes. Aber gute Leistungen von vornherein anzuzweifeln, das ist nicht in Ordnung.


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