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Deutsche Meisterschaften Halbmarathon

Überraschung durch Petra Wassiluk - Carsten Eich holt vierten Halbmarathontitel

26.03.2001

"Das ist ein außergewöhnlich gutes Meisterschaftsergebnis" staunte Bundestrainer Wolfgang Heinig über den Auftritt der Frauen bei den deutschen Straßenlaufmeisterschaften in Arnstadt. Den größten Anteil daran hatte zweifellos Petra Wassiluk, die in einer spannenden Auseinandersetzung mit Sonja Oberem und Luminita Zaituc nicht nur in der zweiten Streckenhälfte für das Renntempo verantwortlich zeichnete, sondern auch dadurch maßgeblichen Anteil für die bislang größte Dichte auf den Medaillenrängen bei deutschen Halbmarathonmeisterschaften hatte. "Für mich Lohn einer engagierten Tempoarbeit" ergänzte der Bundestrainer, der sich vor allem über den "überragenden Auftritt" von Petra Wassiluk erstaunte. Die Art und Weise, wie die 32jährige Darmstädterin nach dreijähriger Halbmarathonabstinenz für die 21,095 km-Distanz zurückkehrte, das imponierte. Als nach 10 km und einer Durchgangszeit von 33:27 Minuten das Tempo zu verschleppen drohte, da übernahm die erst am Dienstag aus dem US-Trainingscamp in San Diego zurückgekehrte zweifache Olympiastarterin das Tempodiktat - und gab dies bis ins Ziel im Schloßpark in Arnstadt nicht mehr ab.

"Jetzt habe ich die Titelsammlung fast komplett", freute sich die Darmstädterin im Trikot der LG Eintracht Frankfurt mit Blick auf die Meisterpalette von Cross über 5000 m und 10 000 m bis hin zur Halbmarathonstrecke. "Jetzt fehlt alleine nur noch Marathon!" weist Petra Wassiluk mit Blick auf ihr frühes Saisonziel den Weg in die nächste Zukunft. Beim Hansaplast-Marathon in Hamburg möchte Petra Wassiluk ihr Marathondebüt geben - und in einer Art deutschen Meisterschaft auf Sonja Oberem, Luminita Zaituc, der in Arnstadt vorzeitig ausgestiegenen Claudia Dreher, aber auch voraussichtlich auf Katrin Dörre-Heinig sowie Kathrin Weßel, die am Sonntag in Berlin als eine der Favoritinnen ins Rennen gehen wird, treffen.

Mit 1:10:36 Stunden lief Petra Wassiluk auf dem Drei-Runden-Kurs durch das kleine Thüringer Städtchen nicht nur Meisterschaftsbestzeit, sondern auch persönliche Bestzeit, wenn man die wegen zu starkem Gefälle erzielten 1:08:13 in Las Vegas (1997) außer acht läßt. Aber nicht nur die Siegerin zeigte sich im Thüringischen zufrieden, sondern auch Sonja Oberem mit ihren 1:11:13, ihrer zweitschnellsten Zeit überhaupt. "Ich habe in der Vorwoche noch 240 km gelaufen, deshalb war ich mit dem Tempo zufrieden. Immerhin war ich eine Minute schneller als in Freiburg im Vorjahr...." und läßt den Gedanken freien Lauf. Schließlich soll in Hamburg eine schnelle Marathonzeit folgen! Trotz Debüt in 1:11:26 wollte sich bei Luminita Zaituc die Zufriedenheit nicht recht einstellen, schließlich plagten Seitenstiche die Cross-Doppelmeisterin. "Wenn diese fünf Kilometer lang sind, dann ist dies kein Spaß mehr!" Wie sehr das Debüt der Braunschweigerin die Konkurrentinnen beschäftigte, das verdeutlichte Petra Wassiluk: "Ich hatte weniger Angst vor Sonja, sondern vielmehr vor der spurtstarken Luminita. Deshalb mußte ich unterwegs aufs Tempo drücken!" Diese Maßnahme jedenfalls sollte der Darmstädterin recht geben.

Während Petra Wassiluk die an sich recht winklige Strecke lobte ("Sie läßt sich dennoch gut laufen"), klagte Männersieger Carsten Eich nach seinen im Alleingang erzielten 1:03:50 Stunden über die permanenten Rhythmuswechsel, die ihm die angestrebte schnelle Siegerzeit vermasselte. "Dennoch bin ich mit meiner Vorbereitung auf Hamburg zufrieden...". Im Kampf um Rang zwei setzte sich der wiedererstarkte Stephan Freigang mit allerdings fünfzig Sekunden Rückstand durch. "Vizemeister ist doch auch schon wieder etwas. Ich weiß aber, daß ich noch einige Defizite habe, die ich bis Leipzig aufholen muß!" Vor einer glänzenden Saison steht Cross-Überraschungsmeister Jens Borrmann, der sich im dichten Zieleinlauf knapp vor dem anstürmenden Sebastian Bürklein die Bronzemedaille sicherte. Dagegen klagte der letztjährige Vizemeister Michael Fietz über einen unerwarteten "Systemausfall" nach einer Magen-Darm-Infektion zwei Tage zuvor, die kaum mehr als einen Trainingslauf zuließen. Eines jedenfalls hat sich in Arnstadt in den Endzeiten klar ausgedrückt: Die deutschen Frauen sind derzeit international alleinig konkurrenzfähig, bei den Männern dürfte alleinig nach der souveränen Vorstellung der Fürther Carsten Eich internationales Format besitzen. Nur sollte er dieses auch bei nächster Gelegenheit in die entsprechende Endzeit umsetzen. Wer wie die Freigang, Fietz, Bürklein und Co. mehr zaudernd als forcierend dem davoneilenden Eich nachblickt, der sollte seine internationalen Ansprüche schnellstmöglich vergessen.

Gut in Form waren die Helfer des ESV Lok Arnstadt, die trotz umfangreicher Arbeiten und stattlicher Kosten für Absperrmaßnahmen eine atmosphärische Straßenlaufmeisterschaft auf die Beine zu stellen wußten. Mit der Resonanz unzufrieden jedoch Veranstaltungsleiter Reingert Richter: "Das gilt natürlich nicht für die Spitze, sondern alleine für die Breite. Das hat in erster Linie aber mit dem Austragungsort Arnstadt zu tun, denn anders als in Freiburg ist in Thüringen keine Laufszene, die hier hätte mobilisiert werden können!" Unüberhörbar aber wie schon in Freiburg kritische Worte, weil einmal mehr Leistung (sprich 45 Mark Meldegeld) und Gegenleistung (Auswertung) nicht in Einklang stand. "Es kann doch nicht sein, daß unsere Siegerehrung fast zwei Stunden nach Zieleinlauf erst stattfindet. Außer den Beteiligten ist da doch keiner mehr vor Ort!" Und Altmeister Günter Mielke sprach vielen Läufern aus dem Herzen: "Wann führt endlich der DLV bei derartigen Meisterschaften die Chip-Zeitmessung ein. Da könnten sich viele Probleme von alleine erledigen!"

Nachwuchs bereitet Freude und Kopfzerbrechen

Werner Grommisch, mitverantwortlich beim DLV für den Laufnachwuchs, blickt wenig hoffnungsvoll in die Zukunft. "Es wird leider immer weniger" und meint die nationale Spitze im Jugendbereich, denn die Breite ist schon längst abgebrochen. Trotz aller bedenklicher Minen gab es in Arnstadt aber auch Erfreuliches. So wußte Antje Hoffmann drei Wochen nach dem überzeugenden Auftritt bei den Crossmeisterschaften in Regensburg auch in Arnstadt auf ihre Klasseform hinzuweisen, auch wenn sie einmal mehr nicht gefordert wurde. "Mir macht aber Cross mehr Spaß" stellt die 19jährige die Gewichtung zwischen Cross und Straße her, wenngleich sie die beiden Titel in ihrem Stellenwert gleich hoch angesiedelt haben möchte. Trennten in Regensburg Katharina Walther noch Längen von der Konkurrenz, mußte sich der 16jährige Neuzugang beim SV Creaton Großengottern über 7,5 km auf der Straße gegen Steffi Günther mächtig strecken, um zum zweiten Einzeltitel zu kommen.

Mangelnde Spannung jedenfalls durfte DLV-Nachwuchstrainer Grommisch zumindest bei den Jungen nicht beklagen. Vor allem das packende Duell zwischen dem fast ausschließlich das Tempo bestimmende Jan Förster und seinem "Schatten" André Pollmächer, der sich mit einem scharfen Antritt schon fast wie der neue Titelträger fühlen durfte, aber auf den letzten Metern bei Zeitgleichheit von 47:58 Minuten doch noch wieder vom Berliner zurückgedrängt werden konnte. Unter den Fittichen des früheren Langstreckenmeisters Helmut Schu wächst in Saarbrücken neben dem Juniorenvizemeister Florian Neuschwander mit dem B-Jugendsieger Johannes Schmitt ein weiteres Talent heran, das auch die DLV-Vertreter vor Ort beeindruckt hatte.

Wilfried Raatz


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