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Die heißeste Marathonphase des Jahres

Binnen einer Woche werden die hochkarätigen Rennen in Boston, London und Rotterdam sowie Deutschlands größtes Frühjahrsrennen in Hamburg gestartet

13.04.2001

Fast 75.000 Läufer werden in der Marathonwoche des Jahres an den Start gehen. Am Ostermontag wird der Boston-Marathon mit rund 14.000 Läufern den Anfang machen, dann folgen am kommenden Sonntag Rotterdam mit etwa 10.000 Startern und das weltweit zurzeit größte Marathonrennen von London. In der britischen Metropole werden etwa 32.000 Läufer erwartet. Neben diesen drei Klassikern findet am Sonntag zudem das größte deutsche Frühjahrsrennen über die 42,195 km statt. In Hamburg gehen etwa 17.000 Läufer an den Start.

Zählt man noch jene 29.000 Teilnehmer des Paris-Marathons, den am vergangenen Sonntag der real,- BERLIN-MARATHON-Sieger des vergangenen Jahres, Simon Biwott (Kenia), in 2:09:40 Stunden gewann, hinzu, sind es alleine bei diesen fünf Rennen über 100.000 Marathonläufer. Schnellste Frau war in Paris Florence Barsosio, die in 2:27:53 Stunden den kenianischen Doppelsieg perfekt machte. Kenia bestimmte ohnehin das Geschehen in Paris. Die ersten drei Männer und die ersten beiden Frauen kamen aus der Laufnation Nummer eins. Der April bleibt damit ganz klar der Marathon-Monat des Jahres, zumal es eine Reihe von weiteren Veranstaltungen mit mehreren tausend Läufern gibt. In Deutschland gab es in den letzten drei Jahren bereits eine enorme Entwicklung bei den Teilnehmerzahlen, die sich vor allen Dingen bei den großen Rennen über die klassischen 42,195 km in Berlin, Hamburg und Köln bemerkbar machte. Aber auch die Rückkehr des München-Marathons im vergangenen Herbst war mit rund 5000 Läufern durchaus beachtlich. Während der Hamburg-Marathon bei seiner 16. Auflage am 22. April wiederum deutlich zulegen wird, bleibt der real,- BERLIN-MARATHON, der in diesem Jahr am 30. September stattfindet, mit Abstand die deutsche Nummer eins. Auch die Organisatoren in der Hauptstadt registrieren bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ein deutlich größeres Interesse als zur gleichen Zeit vor einem Jahr. „Wir deutsche Veranstalter profitieren zurzeit auch von der Gunst der Stunde. Es gibt bei uns eine Art Rückbesinnung auf das Laufen. Dieser gesunde Sport wird immer populärer. Das macht sich bei allen großen Läufen bemerkbar. Die Veranstalter müssen ihre Starterfelder limitieren und können irgendwann keine Nachmeldungen mehr annehmen, weil sie sonst unter dem Ansturm zusammenbrechen“, erklärt der Chef des real,- BERLIN-MARATHON, Horst Milde.

Während Marathonrennen wie die in Paris oder Chicago ebenfalls enorme Zuwachsraten verzeichnen, gibt es bei den Klassikern von New York und London kaum Veränderungen. Doch angesichts des Potenzials dieser beiden Läufe müsste man es wohl eher so sehen: Allmählich verkürzen die Deutschen und einige andere den Abstand. Im vergangenen Jahr war der London-Marathon mit 31.648 Läufern im Ziel das einzige Rennen dieser Art weltweit, das über 30.000 Athleten im Ziel registrierte. In früheren Jahren war meist der New-York-Marathon etwas größer. Doch noch viel höher sind die Zahlen der Läufer, die sich um einen Startplatz für die limitierten Rennen bewerben. In London waren es beispielsweise in den letzten beiden Jahren jeweils zwischen 90.000 und 100.000. Jeweils im Herbst werden dann die Startnummern für das nächste Jahr verlost. Das große Interesse ist seit vielen Jahren fast gleichbleibend. In London bewarben sich schon für das Rennen 1982 über 90.000 Läufer. Damals registrierte der BERLIN-MARATHON 4686 Meldungen.

Aus mehreren Gründen wird der London-Marathon am 22. April in Europa besonders im Blickpunkt stehen. So ist das „Running for charity“ dort derart populär, dass die Läufer im vergangenen Jahr Spenden in Höhe von 24 Millionen Pfund (rund 72 Millionen DM) sammelten. Auch in anderer finanzieller Hinsicht sind die Londoner weit voraus. Alleine der Etat für die Eliteläufer soll dort zuletzt rund zwei Millionen Dollar betragen haben – das ist in etwa so viel wie der Gesamtetat des Berlin-Marathons in diesem Jahr und mehr als das komplette Hamburger Rekordbudget von dieses Mal knapp drei Millionen Mark.

Große Hoffnungen sind in London an das Debüt von Paul Tergat (Kenia) geknüpft. Dem Dauer-Kontrahenten von Haile Gebrselassie traut man mittelfristig zu, die Marathon-Weltbestzeit von derzeit 2:05:42 Stunden sogar recht deutlich zu unterbieten. Gleiches galt natürlich auch für den Äthiopier, doch Gebrselassie hat sein Marathondebüt auf unbestimmte Zeit verschoben. Spannend wird nun in London, wie sich Paul Tergat gegen erfahrene Marathonläufer wie den Vorjahressieger António Pinto (Portugal) behaupten kann. Hochklassig besetzt ist auch das Frauenrennen, in dem Tegla Loroupe (Kenia) unter anderen auf ihre Trainingskameradin Joyce Chepchumba (Kenia) und Lidia Simon (Rumänien) trifft, die Bronze und Silber bei Olympia gewonnen hatten.

Nicht viel nach steht der 105. Boston-Marathon am 16. April, der aufgrund von anspruchsvollen Qualifikationszeiten und einem Starterlimit von 15.000 Läufern kein größeres Feld hat. Hier kommt es nach dem Chicago-Marathon zum zweiten Mal zum Duell zwischen der im Oktober siegreichen Catherine Ndereba und Lornah Kiplagat (beide Kenia). Bei den Männern trifft Moses Tanui (Kenia) auf den Olympiasieger Gezahegne Abera (Äthiopien). Der Rotterdam-Marathon am 22. April ist wie meist in der Breite der Spitze nicht ganz so gut besetzt wie London und Boston. Doch die flache Strecke und ein an der Spitze gut organisiertes Hasenrennen sorgten in der Vergangenheit schon öfter dafür, dass die Holländer am Ende die besten Siegzeiten hatten. Mit dem Sieger des BERLINER HALBMARATHON, Fabián Roncero (Spanien), und der Kenianerin Susen Chepkemei, die kürzlich in Lissabon mit 65:44 Minuten die schnellste je gelaufene Halbmarathon-Zeit erreichte, sind zwei sehr vielversprechende Athleten im Rennen. Von den deutschen Läufen kann in punkto Weltklasseergebnisse nur der real,- BERLIN-MARATHON richtig mitmischen, obwohl der BERLINER HALBMARATHON allerdings einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. An dieser Situation dürfte sich auch in diesem Jahr nichts ändern.

Boston-Marathon (16. April) Vorauss. Starterzahl: 14.000 TV: Live in Eurosport Siegprämie: 80.000 Dollar Weltrekordprämie: 50.000 Dollar Favoriten: Moses Tanui (Kenia/2:06:16), Gezahegne Abera (Äthiopien/2:07:54), Bong-Ju Lee (Korea/2:07:20), Elijah Lagat (Kenia/2:07:41), Peter Githuka (Kenia/2:08:02), Shem Kororia (Kenia/2:09:32), David Morris (USA/2:09:32), Silvio Guerra (Equador/2:09:49). Favoritinnen: Catherine Ndereba (Kenia/2:21:33), Lornah Kiplagat (Kenia/2:22:36), Fatuma Roba (Äthiopien/2:23:21), Ludmila Petrowa (Russland/2:25:45), Nicole Carroll (Australien/2:25:52), Ljubow Morgunowa (Russland/2:26:33), Wei Yanan (China/2:26:34), Malgorzata Sobanska (Polen/2:27:30).

London-Marathon (22. April) Vorauss. Starterzahl: 32.000 TV: Aufzeichnung in Eurosport Siegprämie: 55.000 Dollar Weltrekordprämie: 175.000 Dollar Favoriten: Paul Tergat (Kenia/Debüt), António Pinto (Portugal/2:06:36), Gert Thys (Südafrika/2:06:33), Tesfaye Jifar (Äthiopien/2:06:49), Takayuki Inubushi (Japan/2:06:57), Tesfaye Tola (Äthiopien/2:06:57), Japhet Kosgei (Kenia/2:07:09), Abdelkhader El Mouaziz (Marokko/2:07:33), Abel Antón (Spanien/2:07:57), John Kagwe (Kenia/2:08:12), Joseph Mereng (Kenia/2:09:36), Hendrick Ramaala (Südafrika/2:09:43), Jon Brown (Großbritannien/2:09:44). Favoritinnen: Tegla Loroupe (Kenia/2:20:43), Lidia Simon (Rumänien/2:22:54), Harumi Hiroyama (Japan/2:22:56), Joyce Chepchumba (Kenia/2:23:22), Marleen Renders (2:23:43), Adriana Fernandez (Mexiko/2:24:06), Madina Biktagirowa (Russland/2:24:46), Elfenesh Alemu (Äthiopien/2:24:47), Nicole Carroll (Australien/2:25:52), Derartu Tulu (Äthiopien/2:26:09).

Rotterdam-Marathon (22. April) Vorauss. Starterzahl: 10.000 TV: Evt. Aufzeichnung in Eurosport Siegprämie: abhängig von Siegzeit Weltrekordprämie: 250.000 Euro Favoriten: Josephat Kiprono (Kenia/2:06:44), William Kiplagat (Kenia/2:06:50), Fabián Roncero (Spanien/2:07:23), Alejandro Gomez (Spanien/2:07:54), Alberto Juzdado (Spanien/2:08:01), Kenneth Cheruiyot (Kenia/2:08:22), Joseph Ngolepus (Kenia/2:08:49), Abdeselam Serrokh (Marokko/2:08:59), Abdellah Behar (Frankreich/2:09:09). Favoritinnen: Susan Chepkemei (Kenia/2:26:39), Nadja Wijenberg (Holland/2:28:45), Berhane Adere (Äthiopien/Debüt).

Hamburg-Marathon (22. April) Vorauss. Starterzahl: 17.000 Siegprämie: 25.000 DM Weltrekordprämie: ---- Favoriten: bis auf Tendai Chimusasa (Simbabwe/2:10:57) und Carsten Eich (Leipzig/2:10:22) noch nicht bekannt. Favoritinnen: Claudia Dreher (Riesa/2:27:55), Sonja Oberem (Leverkusen/2:27:25), Kathrin Weßel (Berlin/2:30:05), Katrin Dörre-Heinig (Leipzig/2:24:35).


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