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Paul Tergat bricht doch einen Rekord in London

Kenianer erhält das höchste Startgeld bei einem Marathon und will auch zukünftig über die klassische Distanz laufen / Tegla Loroupe hat wieder Pech

29.04.2001

Zumindest einen Rekord hat Paul Tergat beim London-Marathon gebrochen. Vom Debüt-„Weltrekord“ seines Landsmannes Ondoro Osoro, der 1998 den Chicago-Marathon in 2:06:54 Stunden gewonnen hatte, war er freilich weit entfernt. Aber dieses Marathondebüt des Kenianers haben sich die Organisatoren des London-Marathons etwas kosten lassen. Die Rede ist von einem Startgeld von 300.000 Dollar. Auch wenn es etwas weniger ist: Paul Tergat dürfte das höchste Startgeld bekommen haben, das jemals bei einem Lauf gezahlt worden ist.

Es war dann jedoch nicht der ganz große Tag der Kenianer beim London-Marathon. Sicherlich lief Paul Tergat mit 2:08:15 Stunden als Zweiter ein vorzügliches Debüt über die 42,195 km und ließ dabei eine ganze Reihe von Weltklasseläufern hinter sich. Doch insgeheim dürfte sich so mancher noch mehr erhofft haben. „Ich habe keine Ahnung, was ich laufen kann – 2:10, 2:08 oder 2:06 Stunden“, hatte Paul Tergat vor dem London-Marathon gesagt und hinzugefügt: „Es ist besser auf die Konkurrenz zu achten als auf die Uhr.“ Am Ende traf er ziemlich genau die Mitte der drei genannten Zeiten und war damit sehr zufrieden. „Es war ein großer Tag für mich und eine tolle Erfahrung“, sagte der 31-jährige Kenianer. „Ich bin schon jetzt vom Marathon fasziniert.“ Somit dürfte der weltbeste Läufer über die Halbmarathondistanz (59:06 Minuten) künftig zweimal im Jahr bei einem der Klassiker starten. „Der WM-Marathon in Edmonton wird aber auf keinen Fall ein Thema für mich sein“, sagte Paul Tergat.

Gefragt nach den Erfahrungen, die er in London gesammelt hat, erklärte Paul Tergat: „Es war ein sehr gutes Feld, und vorher wusste ich nicht, wie es ist, einen Marathon zu laufen. Es gab sehr viele Tempowechsel, schnell, langsam, schnell – das macht einen ziemlich fertig.“ Am Ende kam auch noch ein taktischer Fehler hinzu. „Als El Mouaziz weglief, habe ich auf António Pinto gewartet. Denn ich dachte, er wird wie im vergangenen Jahr noch eine Aufholjagd starten. An ihm wollte ich mich dann orientieren.“ Doch während Tergat umsonst auf den portugiesischen Vorjahressieger gewartet hatte, erlief sich El Mouaziz einen deutlichen Vorsprung. Der Marokkaner sah allerdings am Ende ohnehin frischer aus als Paul Tergat. Die Entscheidung war genau auf jenen letzten Kilometern gefallen, vor denen der Kenianer mangels Erfahrung Respekt hatte. An seiner Vorbereitung für einen zweiten Marathon will Paul Tergat jedoch nichts ändern. „Das Training war richtig. Ich fühlte mich gut, bis auf die letzten Kilometer.“

Die Konkurrenz erwartet jedenfalls noch große Leistungen von Paul Tergat auf der Marathonstrecke. „Paul hat die Fähigkeit, ohne irgendwelche Probleme Weltrekord zu laufen“, sagt Abel Antón, der zweifache Marathon-Weltmeister aus Spanien, der nach einem achten Rang in London seine Karriere voraussichtlich beenden wird. Nicht anders sieht das der Athletenmanager Luis-Felipe Posso, der unter anderen António Pinto betreut: „Wenn es irgendjemanden gibt, der den Marathon in 2:04 Stunden laufen kann, dann ist es Paul.“ Die Weltbestzeit hält zurzeit Khalid Khannouchi (USA/2:05:42).

Während Joyce Chepchumba wie schon in Sydney Dritte wurde, hatte Tegla Loroupe, die nach wie vor mit 2:20:43 Stunden die Weltbestzeit hält, wiederum Pech. Bei Olympia machte ihr eine Lebensmittelvergiftung einen Strich durch die Rechnung, im Vorfeld von London hatte sie eine Erkältung. Und dann kamen alte Muskelprobleme hinzu. „Ich bekam gleich zu Anfang einen Krampf. Und bei 10 km wollte ich schon aufhören, denn meine Beine wollten nicht mehr“, sagte Tegla Loroupe, die selbst überrascht war, dass sie mit einem enormen Kraftakt später noch einmal die Spitzengruppe erreichte. „Es war sehr schwer, die ganze Zeit alleine zu laufen. Ich hatte gut trainiert, aber so etwas kann passieren – das gehört zum Sport.“


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