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Berliner Schulsporttrends

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

02.05.2001

Der Schulsport ist neuerdings vielfach Gegenstand zahlloser Publikationen. Glaubt man der aktuellen medialen Berichterstattung, dann wimmelt es auf den Straßen und Schulhöfen nur so von körperlichen Wracks und motorisch unterentwickelten Kindern. Ob man eine Fachzeitschrift oder eine Tageszeitung aufschlägt, überall liest man von motorischen Defiziten, die Kinder heute aufgrund mangelnder Bewegungserfahrungen haben.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen sehen im Wandel der kindlichen Lebens- und Bewegungswelt eine Hauptursache für diese Negativentwicklung. Dabei wird immer wieder darauf hingewiesen, dass ein Mangel an Bewegungsreizen (durch vermehrten Medienkonsum und verringerten Bewegungs- und Spielraum) nicht nur zur Einschränkung der körperlichen und motorischen Entwicklung führen kann, sondern unter Umständen auch Auswirkungen auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung hat.

Moderner Schulsport soll diesem negativen Trend entgegenwirken. Diese Forderung von Pädagogen, Eltern, Journalisten und Politikern hört sich gut an, aber leider sind die Bedingungen für den Schulsport vielerorts in Deutschland so, dass Schulsport auf die motorische Entwicklung der Schüler kaum einwirken kann. Kürzungen der Sportstunden in der Stundentafel (in Berlin durch gemeinsame Anstrengungen von Politik und Sport seit Jahren verhindert), mangelhafte materielle Voraussetzung für die Förderung des Kinder- und Jugendsports, eine überalterte Sportlehrerschaft und der immer mehr anzutreffende Einsatz von nicht ausgebildeten Lehrern für das Fach Sport in der Grundschule lassen die Hoffnungen auf eine Trendwende in weite Ferne rücken. Dazu kommt die unendliche Diskussion um den modernen Sportunterricht unter den Sportpädagogen. Wie soll eigentlich ein moderner Sportunterricht aussehen, der die Schülerinnen und Schüler motiviert, auch in ihrer Freizeit sich sportlich zu bewegen?

Die Aufnahme von Trendsportarten ist das oft angebotene "Zaubermittel" für den Sportlehrer. Dabei vergisst man aber, dass ein abwechslungsreicher, freudvoller, die Schüler einbeziehendender und fördernder Sportunterricht in Verbindung mit außerschulischen Sportaktivitäten für die Kinder und Jugendliche durchaus auch attraktiv sein kann und sie zum Sporttreiben motiviert.

Was ist heute Trend? Viele vermuten, Ausdauerlauf sei bei vielen Schüler, besonders in der Oberschule negativ besetzt, weil langweilig, anstrengend und leistungsorientiert.

Sollte man nicht die Lehrerinnen und Lehrer zu diesem Problem befragen, die jährlich in Berlin mehr als 5.000 Schülerinnen und Schüler auf den traditionellen MINI-MARATHON im Rahmen der BERLIN-MARATHON Läufe vorbereiten. Hier ist ein ganz anderer Trend zu sehen. Nahmen vor 13 Jahren 850 Mädchen und Jungen am 1. MINI-MARATHON der Berliner Schulen teil, so erwarten die Veranstalter in diesem Jahr zum real,- MINI-MARATHON fast 6.000 Kinder und Jugendliche. Die Schülerinnen und Schüler werden auf diese, durch den SCC und das Landesschulamt gemeinsam mit Schülern/innen organisierte Schulsportveranstaltung, von ihren Sportlehrern/innen, aber auch von Eltern oder in Kooperation mit Übungsleitern aus den Vereinen zielgerichtet vorbereitet. Dabei geht es nicht nur um Bestleistungen, sondern um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die außerdem noch gesund ist.

Diese durch die Organisatoren des real,- BERLIN-MARATHON geförderte Entwicklung zeigt, dass es nicht nur Trendsportarten sind, die Kinder und Jugendliche begeistern können. Wenn, wie beim SCC, alle anderen Laufveranstalter auch ein Herz für Kinder und Jugendliche haben, so könnte sich der Laufsport auch bei Schülerinnen und Schülern mehr als zu einem Trend entwickeln, der ihrem Gesundheitsverhalten gut tut.

Dr. Thomas Poller (Landesschulamt Berlin)


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