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Graue Eminenzen im Windschatten der Supergirls - Skaten bleibt Funsport!

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

20.06.2001

Hanspeter Detmer schreibt über die Trennung von Frauen und Männer beim Start von Inline-Rennen. Beim Hansaplast Marathon Hamburg wurden die ersten Skaterinnen disqualifiziert, weil sie im Startblock mit den stärksten Männern standen und von deren Windschatten profitierten.

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Es soll doch Leute geben, die noch immer nicht kapiert haben, dass Speed Skaten längst kein Funsport mehr ist. Das können nur Zeitgenossen sein, die die fatale Wirkung von Asphaltrillen, Rollsplitt oder Nässe noch nie erleben durften.

Wer also die wahre Härte des Speed Skatens noch nicht am eigenen Leibe verspürt hat und immer noch glaubt, einem Spaßsport zu frönen, dem dürfte jedoch spätestens seit den Frühjahrs-Marathonrennen in Hamburg und Hannover der Spaß an der Freud vergangen sein. War es doch einst üblich, dass es Weiblein und Männlein bei den Inline-Marathons gemeinsam trieben, so wird seit Beginn dieses Jahres von Oberschiedsgerichten mit aller Härte die Geschlechtertrennung durchgesetzt. Vorbei ist es mit dem flotten Zweier, Dreier, Vierer, Fünfer, usw. War aber auch nicht fair, was sich da einige Mädels so erlaubten. Sonst so auf Emanzipation pochen! Aber dann, wenn es um Siegprämien, World-Cup-Punkte oder sonstigen Klimbim geht, ließen sie sich vom Sog der Männer zur Sonne ziehen. So gehts nicht, meine Damen! Bleibt fair: Denn welche Chance hat eigentlich diejenige, die keinen abbekommt?

Nun überlegt man auch beim Berlin-Inline-Marathon am 30. September zu reagieren. Zum Beispiel: Die Mädels starten An der Urania links, die Herren rechts (soll nur für diejenigen gelten, die die 42-Marathon-km in weniger als 1:30 Stunden zurücklegen). Dazwischen breites, grünes Niemandsland. Auf den ersten Blick scheint diese Berliner Hüben-oder-Drüben-Startaufstellung allerdings keineswegs so reizvoll ist wie Praxis der Geschlechtertrennung bei der Altersklassen-Europameisterschaft im Mai in Hannover. Da hieß es rigoros: Frauen nach hinten! Wollten sich die Machos in ihren bunten Ganzkörperkondomen womöglich nicht die Show stehlen lassen?

Den flotten Damen blieben somit nur noch die Windschatten der vor ihnen auf die Reise geschickten Gentlemen mit den grauen Schläfen. Zwar ist deren Erfahrung beim Rollenspiel nicht hoch genug zu bewerten. Aber einige noch so große Herren-Spoiler übten dann doch nicht die ausreichende Sogwirkung auf die windschnittigen Mädels aus. Statt dessen verloren die Damen bei ihren Überholvorgängen aufgrund der Umwege noch wertvolle Zeit.

Was der einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall. Auf den Moment, dass die Damen von hinten kommen, hatten die grauen Eminenzen schon immer gewartet. Welch eine Wonne, im Windschatten einer Gazelle, besser noch eines ganzen Rudels, zu skaten! Hatten sie früher doch allenfalls mal am Start einen heißen Blick auf diese Superfiguren der Supergirls werfen dürfen. Nun bot sich die Chance, gleiche mehrere Kilometer lang den jungen Mädchen hinterherzulaufen. Vergessen wurde der einst bange regelmäßige Blick auf den Pulsfrequenzmesser. Die Herzen der Herren schlugen Kapriolen. Und die persönlichen Rekordgrenzen wurden serienweise gesprengt.

Merke: Wenn es zum Zwecke der Einhaltung eines strengen sportlichen Regelwerks beim Speed Skaten ernst wird, kann Skaten doch wieder ein Fun-Sport werden.

Hanspeter Detmer

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Copyright Hanspeter Detmer, Köln Jede Veröffentlichung dieses Artikels in jedweder Form ist honorarpflichtig und bedarf der vorherigen Absprache mit dem Autor. Kontaktaufnahme über e-mail: hp.detmer@gmx.de oder per Fax: 0221-766406

Diese Glosse finden sie auch im neuen Fachmagazin für Inline Skater "Skate-IN-Magazin" (info@skate-in-magazin.de). Die zweite Ausgabe des Magazins erscheint im Verlag Kleine Fluchten, 79199 Kirchzarten und ist in diesen Tagen am Zeitungskiosk erhältlich.


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