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Lauf-Veranstaltungen mit und ohne Tombola

DIE KOLUMNE ZUM MITTWOCH

25.07.2001

Es soll ja hier und da Laufveranstaltungen geben, bei denen die Siegerehrung solan-ge dauert, wie der langsamste Teilnehmer die 10-km-Laufstrecke zurücklegt. Eine Siegerehrung geht dann schon mal über ein gutes Stündchen! Ob eine solche lang-atmige Auszeichnung nun begrüßenswert ist oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Aber wir alle, sofern wir hin und wieder mal bei Wettkämpfen starten, kennen solche und solche Siegerehrungen. Mal ärgern wir uns über den Stil, mal warten wir gespannt und geduldig, weil ... genau darauf will ich in dieser Kolumne hinaus: Meine Beobachtungen bei diversen Volksläufen in letzter Zeit veranlassen mich zu der An-nahme, daß immer mehr Veranstalter - sicher aus guten Gründen - versuchen, ihre Klientel zu binden, und zwar durch ganz besondere "Streicheleinheiten", die meist im Rahmen der Siegerehrung stattfinden. Ganz konkret:

Es häufen sich beispielsweise Laufereignisse, bei denen schon vorher in der ge-druckten Ausschreibung mit einer großen Tombola und attraktiven Preisen "gedroht" wird. In der Tat: Wer wünscht sich nicht, mal eben so nebenbei bei einem Lauf ein Handy oder eine Armbanduhr oder eine Perlenkette oder ein Handtuch oder dieses oder jenes abzusahnen! Neulich war ich zu einem (kleineren) Lauf im Berliner Um-land unterwegs, bei dem vor dem Start schon angekündigt wurde, alle Läuferinnen und Läufer, die das Ziel erreichten, sollten gleich da und da hinkommen, um sich ei-nen Preis abzuholen: "Jede Startnummer ist eine Losnummer und jede Nummer ge-winnt!" Wie schön, ein Kaffeebecher ist es bei mir gewesen ...

Nun gut: Wenn das so weitergeht mit dieser Produktpalette, dann werden wir sehr bald einen Volkslaufkalender benötigen, in dem die Läufe mit und ohne Tombola aufgelistet werden. Ob das jedoch so wünschenswert ist, will ich gern bezweifeln. Bei aller Freude über Preise bei einer Tombola, sollten wir uns immer wieder daran erin-nern, warum wir eigentlich an Laufwettkämpfen teilnehmen. Wer sich dann nur noch dort zu einem Lauf anmeldet, wo er sicher sein kann, auf jeden Fall bei der Tombola nicht leer auszugehen, dem sollte man vielleicht doch besser empfehlen, mit dem Startgeld gleich in ein Kaufhaus zu gehen und sich etwas "schönes" zu gönnen ...

Dr. Detlef Kuhlmann


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