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WM-Marathon der Männer: Abera gewinnt Herzschlagfinale gegen real,- BERLIN-MARATHON-Sieger

Der spannendste Marathon in der WM-Geschichte stellt selbst die olympischen Entscheidungen über die klassische Distanz noch in den Schatten

04.08.2001

Der bisher stärkst besetzte Marathon bei einer Weltmeisterschaft endete gleich in zweierlei Hinsicht mit einem Novum: Mit Gezahegne Abera wurde zum ersten Mal ein Olympiasieger auch Weltmeister im Marathon, und zudem gab es ein bei internationalen Meisterschaften einmaliges Sprint-Finish. Der Äthiopier gewann in 2:12:42 Stunden und hatte schließlich nur eine Sekunde Vorsprung vor dem real,- BERLIN-MARATHON-Sieger des vergangenen Jahres, Simon Biwott (Kenia). So war dieser Marathon vielleicht Gold wert. Nicht nur für den Sieger, der sich die erste 60.000-Dollar-Prämie der Titelkämpfe sicherte, sondern für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften insgesamt. Genau das hatten die Titelkämpfe nämlich zum Auftakt gebraucht, um die kanadischen Zuschauer zu begeistern und von der Spannung der Leichtathletik zu überzeugen. Da das Rennen über die klassischen 42,195 km zudem zum ersten Mal in eine WM-Eröffnungsfeier eingebunden worden war, war das Stadion mit 40.000 Zuschauern ausverkauft.

Das bisher engste Finish bei einem WM-Marathon hatte es bei den Frauen vor zwei Jahren in Sevilla gegeben. Damals hatte die Nordkoreanerin Jong Song-ok in 2:26:59 Stunden drei Sekunden Vorsprung vor Ari Ichihashi (Japan). Bei den Männern betrug der kürzeste Abstand fünf Sekunden. In Athen gewann 1997 Abel Antón in 2:13:16 vor seinem spanischen Teamkollegen Martin Fiz. Nicht einmal die mit Tragödien, Triumphen und Kuriosa reich bestückte Geschichte des olympischen Marathonlaufes hat ein derartiges Finish wie das in Edmonton zu bieten.

Im Stile von 800-m-Läufern rannten der Olympiasieger Abera und der Berlin-Marathon-Sieger des vergangenen Jahres, Simon Biwott, ins voll besetzte Commonwealth-Stadion. Der Äthiopier und der Kenianer, die die beiden stärksten Langstrecken-Nationen der Welt präsentierten, lieferten sich einen unglaublichen Sprintkampf auf den letzten 350 Metern. Biwott lief einen Schritt vor Abera in die Arena, auf der Gegengerade schob sich der Äthiopier heran, aber noch nicht vorbei. Das gelang ihm erst in der letzten Kurve, obwohl Biwott innen lief. 100 Meter vor dem Ziel sprach alles für Abera, er hatte einige Meter Vorsprung. Doch 50 Meter vor dem Ziel sah es so aus als könnte sich Simon Biwott plötzlich in Paul Tergat bei einem 10.000-m-Rennen verwandeln. Aberas Vorsprung von wenigen Metern verringerte sich plötzlich wieder. Und hätte der Äthiopier nicht nochmals etwas zulegen können, dann wäre der Kenianer vielleicht noch einmal vorbei gekommen. Aber schließlich reichte es nicht mehr für Simon Biwott. Abera gewann mit einer Sekunde Vorsprung.

„Ich habe alles versucht, aber er war so stark, dass ich ihm nichts mehr entgegensetzen konnte“, erzählte Simon Biwott später. „Als ich ins Stadion einlief, wollte ich Gold gewinnen – aber ich war dann auch sehr glücklich über die Silbermedaille.“ Der erst 23-jährige Gezahegne Abera war sich seiner Sache dagegen sicher. „Als ich ins Stadion kam, wusste ich, dass ich gewinnen würde, denn ich habe einen sehr starken Sprint. Das war ein wirklich schönes Rennen für mich“, sagte der Äthiopier, der in diesem Jahr beim Boston-Marathon lediglich den 16. Platz belegt hatte.

„Wir respektieren uns, wir sind Nachbarn. Und wenn wir uns treffen, gibt es immer einen großen Wettkampf“, sagte Simon Biwott auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen den Kenianern und den Äthiopien. Für ihn war eine Sprintentscheidung im Prinzip nichts neues. „Ich habe auch meine letzten beiden Marathonläufe in Berlin und Paris mit einem langen Spurt gewonnen, aber dies hier war das härteste Rennen meines Lebens“, sagte Biwott. Fünf Sekunden Vorsprung hatte er beim real,- BERLIN-MARATHON im vergangenen September, und in Paris im April war sein Landsmann David Kirui sogar zeitgleich Zweiter. Bei den großen City-Marathonläufen hat es schon manches Mal so knappe Entscheidungen wie jetzt in Edmonton gegeben. Die Kenianerin Joyce Chepchumba gewann beispielsweise 1997 den London-Marathon mit einer Sekunde Vorsprung vor der Britin Liz McColgan.

Bei Temperaturen von 28 Grad waren auf der welligen Strecke durch Edmonton 96 der 103 Läufer an den Start gegangen. Darunter waren sechs Athleten mit Bestzeiten von unter 2:07 Stunden und 14 weitere, die zwischen 2:07 und 2:08 gelaufen waren. Nachdem der Spanier Antonio Pena die große Gruppe der Favoriten über die Halbmarathonmarke geführt hatte (1:06:00 Minuten), gab es den ersten ernst zu nehmenden Vorstoß gab es erst kurz hinter dem 25-km-Punkt (1:19:14). Der New-York- und London-Marathon-Sieger Abdelkader El Mouaziz löste sich und versuchte es wie bei seinen großen Siegen im Alleingang. Aber der Marokkaner konnte sich nicht weit genug absetzen, als zwischen Kilometer 27 und 29 die größte Steigung der Strecke überlaufen wurde. Der Höhenunterschied betrug hier gut 40 Meter. Verfolgt wurde er von einer Fünfergruppe: Abera, Tesfaye Tola (Äthiopien), Biwott, Shigeru Aburaya (Japan) und Stefano Baldini (Italien). Abera war es dann, der bei etwa Kilometer 30 (1:34:51) Druck machte, die Verfolgergruppe auseinander zog und die Lücke schloss. Wenig später liefen alle sechs an der Spitze. Es folgte ein Ausscheidungsrennen.

Weiter hinten im Feld hatten zu diesem Zeitpunkt schon eine Reihe von prominenten Läufern das Rennen beendet. Auch Khalid Khannouchi, der in Chicago 1999 mit 2:05:42 Stunden die Weltbestzeit aufgestellt hatte, kam nicht ins Ziel. Bei seinem ersten Start für die USA stieg der gebürtige Marokkaner, der im Vorfeld an einem Rückenproblem laborierte, nach gut 25 km aus. Josephat Kiprono (Kenia), Gert Thys (Südafrika) und Bong-Ju Lee (Korea) sind weitere bekannte Namen, die ebenfalls ausstiegen.

Mit seinem kurzzeitigen Alleingang hatte sich El Mouaziz dieses Mal übernommen, er fiel als erster aus der Spitzengruppe zurück, etwa nach 35 km (1:50:46). Vier Kilometer vor dem Ziel verlor auch der Japaner Aburaya, der schon einmal zuvor einen kleinen Rückstand wieder aufgeholt hatte, den Kontakt. Biwott war es dann, der mit seinem Antritt kurz danach die Spitzengruppe teilte. Nur Abera konnte folgen. Während der Kampf um Platz drei zwischen Tola und Baldini schnell zu Gunsten des Italieners entschieden war, ging vorne zunächst der Äthiopier am Kenianer vorbei. Doch Biwott holte mehrere Meter Rückstand wieder auf und ging bei Kilometer 40 (2:06:10) selbst am Olympiasieger vorbei. Abera schien hier eine kleine Schwächephase zu haben. Doch er kam etwa 500 Meter später ebenfalls wieder heran, aber nicht mehr vorbei an Biwott. Das schaffte er erst auf den letzten 200 Metern.

Eine gute halbe Stunde nach dem Sprintduell von Gezahegne Abera und Simon Biwott, schien es noch einmal um Medaillen zu gehen, so laut wurde es im Stadion. Doch die Zuschauer feierten lediglich die beiden letzten Läufer dieses denkwürdigen Marathons: es waren zwei Kanadier.

Dieser Marathon war im Gegensatz zu manchem anderen WM-Rennen in früheren Jahren hervorragend besetzt und bot deswegen ein echtes Highlight. Möglicherweise zahlt sich das veränderte Prämiensystem der IAAF aus. Doch es liegt auch daran, dass die Breite in der Spitze im Marathon in den letzten fünf Jahren enorm zugenommen hat. Es gab nie auch nur annähernd so viele Läufer mit Bestzeiten von unter 2:08 Stunden. Eine Zeit unter 2:10 ist heutzutage nur noch zweitklassig. Die besten deutschen Läufer sind in diesem Jahr leider nicht einmal mehr drittklassig und folgerichtig auch nicht dabei gewesen.

Ergebnisse:

Platz Name Nation Zeit
1 Abera Gezahegne ETH 2:12:42
2 Biwott Simon KEN 2:12:43
3 Baldini Stefano ITA 2:13:18
4 Tola Tesfaye ETH 2:13:58
5 Aburaya Shigeru JPN 2:14:07
6 El Mouaziz Abdelkader MAR 2:15:41
7 Jifar Tesfaye ETH 2:16:52
8 Morishita Yoshiteru JPN 2:17:05
9 Nishida Takayuki JPN 2:17:24
10 Alemayehu Simretu ETH 2:17:35
11 Leone Giacomo ITA 2:17:54
12 Fujita Atsushi JPN 2:18:23
13 Zwierzchlewski Benoit FRA 2:18:29
14 Syster Ian RSA 2:19:38
15 Fernández Oscar ESP 2:19:45
16 Bagy Abdelhakim FRA 2:20:43
17 Di Cecco Alberico ITA 2:20:44
18 Kuzin Oleksandr UKR 2:21:26
19 Paredes Benjamín MEX 2:22:07
20 Bimro Asaf ISR 2:22:36
21 Espinosa Andrés MEX 2:23:06
22 Lim Jin-Soo KOR 2:23:16
23 Harrison Nicholas AUS 2:23:24
24 Peña Antonio ESP 2:23:29
25 Ballantyne Pamenos VIN 2:24:36
26 Takahashi Ken-ichi JPN 2:24:41
27 Tenorio Franklin ECU 2:25:15
28 Swartbooi Luketz NAM 2:25:40
29 Ziani Kamal ESP 2:25:43
30 Moqhali Thabiso Paul LES 2:25:44
31 Rudyk Mykola UKR 2:26:04
32 Colorado Diego COL 2:26:13
33 Saleh Ahmed Adam QAT 2:26:32
34 Zeroual Larbi FRA 2:26:45
35 Cox Josh USA 2:26:52
36 de Highden Roderic AUS 2:27:42
37 Rey Julio ESP 2:27:59
38 Hellebuyck Eddy USA 2:28:01
39 Szalkai Anders SWE 2:28:33
40 Michelsson Magnus AUS 2:28:36
41 Cortés Francisco Javier ESP 2:28:48
42 Bohan Steve CAN 2:29:22
43 Ndjissipou Ernest CAF 2:29:25
44 Berhe Tesfit ERI 2:29:50
45 Bautista Francisco MEX 2:29:56
46 Deacon Bruce CAN 2:30:22
47 Medvedev Vasiliy UZB 2:30:28
48 Dudley Michael USA 2:30:45
49 Zabélis Vasílios GRE 2:31:34
50 Naumov Andriy UKR 2:31:42

Quelle: www.IAAF.org


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