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Leichtathletik-WM-Aktuell: Nils Schumann wird Fünfter, Paula Radcliffe verpasst wieder die Medaille

Äthiopischer Triumph über 10.000 m, Gabriela Szabo gewinnt die 1500 m

08.08.2001

Bei den ersten Bahnlauf-Entscheidungen der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton, war nur ein einziger Deutscher im Finale. Doch Olympiasieger Nils Schumann (LG Nike Berlin) hatte Pech, es war nicht sein Rennen. Auf Platz fünf kam er ins Ziel und war zunächst derart enttäuscht, dass er an sämtlichen Mikrofonen vorbeilief.

Erst nachdem der 23-Jährige im Zelt hinter dem Stadion seine Sachen gepackt hatte, sagte er etwas: "Das war Mist!" Damit meinte Nils Schumann den Verlauf des Rennens, bei dem wahrscheinlich schon nach 180 Metern eine Vorentscheidung gegen ihn gefallen war. Zu diesem Zeitpunkt war der Erfurter in der Innenbahn eingeklemmt und lag an siebenter Stelle. Vorne machte währenddessen der Kenianer Wilfred Bungei Tempo und zog den großen Favoriten André Bucher hinter sich her. "Ich war die ganze Zeit eingeklemmt, und das Tempo war die ganze Zeit hoch. Ich kam da nicht raus. Und mit einem Schritt zur Seite herausgehen und dann außen vorbeilaufen, das geht bei diesem Tempo nicht", erklärte Nils Schumann. "Vorne ging die Post ab, das habe ich gemerkt. Ich habe versucht zu kämpfen, aber ich konnte nichts machen."

Ausgangs der Zielkurve lag Nils Schumann sogar an letzter Stelle. Dann erst taten sich vor ihm Lücken auf, und der Olympiasieger stürmte immerhin noch auf Rang fünf in 1:45,00 Minuten. Der neue Weltmeister war nach 1:43,70 im Ziel gewesen: Der Schweizer André Bucher, der bei den Europameisterschaften 1998 sowie bei den Olympischen Spielen 2000 von Nils Schumann im Spurt geschlagen worden war und insgesamt bei internationalen Meisterschaften von fünf Silbermedaillen gesammelt hatte, hatte zum ersten Mal einen großen Titel gewonnen. "Das ist für mich hier keine Revanche für die Olympischen Spiele gewesen - dort hat damals der beste gewonnen. Aber das hier war ein anderes Rennen. Und ich denke, Nils Schumann hat mit seinem fünften Platz seine Stärke bewiesen", erklärte André Bucher, der einen Titel längst verdient hatte. Auch im Vorfeld von Olympia war er sehr stark gelaufen, dann jedoch in Sydney ohne Medaille geblieben.

Dem Schweizer kam das zu Gute, was Schumann in dieser Saison fehlt: Er hat einige harte Rennen in den Beinen, und er hatte sie alle gewonnen. Nach einem guten Saisonauftakt in Hengelo hatte Schumann dagegen bis zum WM-Vorlauf kein einziges Rennen mehr laufen können. Und seine Muskelverletzung im Oberschenkel ließ auch die wichtigen Tempo-Trainingseinheiten lange Zeit nicht zu. Dass sich seine Hoffnung auf ein etwas langsameres, taktisches Rennen nicht erfüllte, lag in erster Linie am Vize-Weltmeister Wilfred Bungei aus Kenia. "Bungei lief das perfekte Rennen für mich. Wir wollten beide ein schnelles Tempo - und am Ende können wir beide froh sein", sagte André Bucher. Nun war es Schumanns Pech, dass Bungei ausgerechnet bei der WM ausprobierte, ein Rennen von der Spitze zu laufen. "Das habe ich vorher nie gemacht, aber hier klappte es wunderbar", freute sich Wilfred Bungei.

Jos Hermens nahm den fünften Platz von Schumann gelassen. "Für die Planung ist das nicht schlecht - so glaubt er nicht, dass er schon alles erreicht hat", sagte Schumanns Manager Hermens. Der Holländer denkt schon weiter in die Zukunft: "Das ist gut für die Weltmeisterschaften 2007 in Berlin!"

Wiederum eine Medaille verpasst hat die Britin Paula Radcliffe, die bereits bei Olympia lange Zeit das 10.000-m-Rennen dominiert hatte. In Sydney wie auch jetzt in Edmonton wurde sie Vierte. Dieses Mal wählte Radcliffe allerdings eine andere Taktik, um ihre afrikanischen Gegnerinnen zu schlagen. Nach einer verhaltenen 5-km-Durchgangszeit von 16:29,89 Minuten, wurde das Rennen langsam schneller. Doch Radcliffe hielt sich zurück, um dann erst 1400 Meter vor dem Ziel anzutreten. Doch sie wurde dieses Mal gleich drei Äthiopierinnen nicht los. In einem dramatischen Finish siegte Derartu Tulu in 31:48,81 Minuten vor ihrer Landsfrau Berhane Adere (31:48,85). Im Kampf um Platz drei gelang es Radcliffe, etwa 250 Meter vor dem Ziel an Gete Wami vorbeizuziehen. Doch die Äthiopierin konterte und überholte die Britin auf der Zielgeraden noch ganz knapp. In 31:49,98 Minuten hatte Wami schließlich acht Hundertstelsekunden Vorsprung vor Paula Radcliffe, die im nächsten Jahr in London ihr Marathondebüt laufen wird. "Da das Tempo lange langsam war, konnten wir alle drei die Medaillen unter uns ausmachen. Ich habe mich über Paulas Taktik gewundert. Ich glaube es war nicht gut für sie, erst so spät das Tempo zu forcieren", sagte Derartu Tulu, die im April den London-Marathon gewonnen hatte.

Über 1500 m siegte Gabriela Szabo (Rumänien) in einem langen Spurt in 4:00,57 Minuten gegen ihre Erzrivalin und Landsfrau Violeta Szekely (4:01,70). "Dies ist meine erste Goldmedaille über 1500 Meter, darüber bin ich natürlich froh. Ob ich auch noch die 5000 Meter laufe, entscheide ich erst später", sagte Gabriela Szabo. Kathleen Friedrich (Chemnitz) war im Halbfinale unglücklich gestolpert und hatte deswegen keine Chance auf einen Endlaufplatz.


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