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LEICHTATHLETIK-WM AKTUELL

Olga Jegorowas Schatten auf dem Gold

12.08.2001

Olga Jegorowa wurde im Ziel mit einer Mischung aus Pfiffen, Buhrufen und Beifall empfangen. Im Vorfeld der WM war die Russin positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden war. Aufgrund eines Fehlers im Labor in Paris sah sich der Leichtathletik-Weltverband IAAF jedoch gezwungen, die Russin laufen zu lassen. Nun wurde sie über 5000 m in 15:03,39 Minuten Weltmeisterin vor der Spanierin Marta Dominguez (15:06,59), die Spurt gegen die Russin am Ende keine Chance mehr hatte. Irina Mikitenko (Eintracht Frankfurt) zeigte einmal mehr eine starke Leistung, verpasste aber auch einmal mehr eine Medaille. Als Fünfte lief sie 15:13,93 Minuten.

Während der ersten 2000 Meter war Irina Mikitenko mehrfach an der Spitze aufgetaucht. Danach aber ließ sie sich an das Ende der rund zehnköpfigen Spitzengruppe zurückfallen. Drei Runden vor Schluss kam sie langsam wieder etwas weiter nach vorne. Doch als die Chinesin Yanmei Dong an der 4000-m-Marke (12:21,68 Minuten) begann, das zuvor wechselnde Tempo zu forcieren, verpasste Irina Mikitenko den Anschluss. Sie ging zwar schnell an der müde wirkenden Titelverteidigerin Gabriela Szabo vorbei, doch zur fünfköpfigen Spitzengruppe mit Dong, Jelena Zadoroschnaja (Russland), Jegorowa, Dominguez und der späteren Bronzemedaillengewinnerin Ayelech Worku (Äthiopien) war der Abstand zu groß. Am Ende überholte sie nur noch Zadoroschnaja. Vorne hatte Jegorowa 250 Meter vor dem Ziel den entscheidenden Spurt begonnen. "Immer wenn das Tempo verschärft wurde, kamen die Schmerzen im Knie wieder", erklärte Irina Mikitenko, warum sie sich schwer tat, bei 4000 Metern zu beschleunigen. Sie konnte zwar in den letzten zwei Monaten trainieren, "aber nicht so wie ich wollte." Das sei so ärgerlich, meinte Mikitenko, "denn ich war davor in wirklich guter Form und bin auch Bestzeit über 1500 Meter gelaufen". Nun wird sie in Deutschland nochmals genau das Knie untersuchen lassen. "Ich bin immer Vierte oder Fünfte - aber dieses Mal ist es kein Wunder mit dem Knie."

"Ich bin froh, dass ich gewonnen habe - das harte Training hat sich ausgezahlt", sagte Olga Jegorowa, die aber fast nur Fragen bezüglich der positiven Epo-Probe beantworten musste: "Das konnte nur ein Fehler sein. Ich fühle mich nicht schuldig. Man kann einem nicht etwas vorwerfen, was man nicht gemacht hat." Deutliche Worte musste sie sich jedoch von der auf Rang acht einlaufenden Gabriela Szabo gefallen lassen: "Jegorowa ist für mich hier nicht die Weltmeisterin, das ist Marta Dominguez."

"Ich verstehe nicht, wie das geht, dass sie hier starten kann. Das ist doch eine WM und keine Kreismeisterschaft", sagte Irina Mikitenko. "Dass Jegorowa laufen durfte, ist ein ganz schlechtes Beispiel für die Jugend." Mikitenko, die aus Kasachstan nach Deutschland kam und seit 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, meinte zudem auch noch: "Ich glaube, der russische Verband macht überhaupt keine Dopingkontrollen." Mindestens alle zwei bis drei Monate, meinte Olga Jegorowa jedoch, sei sie innerhalb des letzten Jahres im Training kontrolliert worden. Was das für Kontrollen waren, wurde jedoch nicht gesagt.

Noch schärfer als Irina Mikitenko hatten zwei andere Athletinnen protestiert. Als am Donnerstag Abend die Vorläufe stattfanden, rollte die britische Cross-Weltmeisterin Paula Radcliffe mit ihrer Teamgefährtin, der 1500-m-Läuferin Hayley Tullett, auf der Tribüne ein Plakat aus: "Epo Cheats Out" - Epo-Betrüger raus. Der Schriftzug galt natürlich Olga Jegorowa, deren Urin bei der A-Probe positiv auf Epo untersucht worden war. Doch die Mitarbeiter des Labors in Paris hatten einen schwerwiegenden Fehler gemacht. Die Wissenschaftler hatten auf die vorgeschriebene Untersuchung des Blutes verzichtet und nur den Urin analysiert. Somit sah die IAAF keine rechtliche Grundlage mehr für eine Sperre. Bei einer erneuten Kontrolle Jegorowas in Edmonton hatte es ein negatives Ergebnis gegeben.

Gabriela Szabos Manager Jos Hermens glaubt, dass Olga Jegorowa auch im Finale von früheren Epo-Spritzen profitiert hat, obwohl ein in Edmonton vorgenommener keine Auffälligkeit mehr gezeigt hatte. "Das wirkt noch", meinte Hermens und fügte hinzu: "Aber Jegorowa muss jetzt bei den Meetings in Zürich, Brüssel und Berlin sowie bei den Goodwill Games getestet werden." Der Holländer fordert drastische Maßnahmen: "Ohne vorherige Wettkämpfe sollte ein Athlet zukünftig bei der WM nicht mehr starten dürfen. Bei diesen Wettkämpfen muss es dann entsprechende Dopingproben geben. Aber sicher kann man nur sein, wenn alle Athleten alle zwei Wochen getestet werden." Das sind zurzeit aber leider nur Zukunftsträume.


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