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Bilanz der Leichtathletik-WM: Kenianer waren die Lauf-Sieger

Deutsches Team erfüllt mit sieben Medaillen die Erwartungen

15.08.2001

Anstelle von Weltrekorden gab es Überraschungssieger. Die achten   Leichtathletik-Weltmeisterschaften von Edmonton sind die ersten, die ohne neue Weltbestmarken zu Ende gehen. Dafür allerdings hießen zum Beispiel die Sieger über 100 und 10.000 m Shanna Pintusewitsch-Block (Ukraine) und Charles Kamathi (Kenia). Marion Jones, die trotzdem mit zwei Siegen und einer Silbermedaille die erfolgreichste Athletin war, und Haile Gebrselassie sind die prominentesten Verlierer, zu denen sich um ein Haar auch noch 100-m-Weltrekordler Maurice Greene (USA) gesellt hätte. Die Kenianer waren die Sieger bei den Läufen in Edmonton. Sie gewannen dreimal Gold - neben den 10.000 m auch über 5000 m und über ihre Spezialstrecke, die 3000 m Hindernis. Damit waren sie erfolgreicher als die Äthiopier, die zweimal gewannen (Marathon der Männer und 10.000 m der Frauen).

Aber auch zwei deutsche Athleten sorgten für dicke Überraschungen: Ingo Schultz, der neue Vizeweltmeister über 400 m, war international ein Nobody, als er nach Edmonton kam. Das galt für Martin Buß zwar nicht, doch dass der Berliner im Hochsprung Gold gewinnen könnte, hatte sicher niemand erwartet. Andererseits gab es auch Enttäuschungen im deutschen Lager: Grit Breuer blieb über 400 m ohne Medaille, Heike Drechsler verletzte sich bei der Weitsprung-Qualifikation. Das Malheur der Heike Drechsler passierte am Sonntag, als Deutschland noch ohne Medaille dastand. "Es wird hier auch noch positive Überraschungen deutscher Athleten geben", kündigte Heike Drechsler an. Sie sollte recht behalten. Und noch etwas sagte die Olympiasiegerin: "Mir ist für die Zukunft nicht bange um die deutsche Leichtathletik. Wir haben gute Athleten." Ähnlich äußerte sich auch Frank Hensel, der Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV): "Jahrelang wurde spekuliert, dass die Lücke nicht zu schließen sein wird, wenn die erfolgeichen alten Athleten einmal abtreten. Doch wir haben gesehen, dass wir inzwischen auch junge, erfolgreiche  Athleten haben."

Sieben Medaillen haben die DLV-Athleten in Edmonton gewonnen, darunter zwei goldene. Damit liegen sie im Medaillenspiegel auf dem fünften Rang hinter den USA, Russland, Kenia und Kuba. Aussagekräftiger für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit ist jedoch jene Tabelle, in der die Platzierungen von Rang eins bis acht mit entsprechenden Punkten bewertet werden. Hier waren die Deutschen in Sevilla noch Zweiter, jetzt sind sie hinter den USA und den wieder erstarkten Russen, Dritter. Mit etwas mehr Glück wären für die DLV-Athleten auch gute zehn Medaillen möglich gewesen. "Aber eine WM, bei der es wirklich optimal läuft, die wird es wohl nie geben", sagte DLV-Leistungssportwart Rüdiger Nickel, der ebenso wie Frank Hensel  zufrieden sein durfte mit den Resultaten und von einem "Wechselbad der Gefühle" während der zehn Tage von Edmonton sprach. "Wenn es hier bei der WM richtig gut läuft, haben wir über zehn Medaillen. Und dann wird  man natürlich auch im nächsten Jahr daran gemessen - damit müssen die Leichtathleten leben", sagte Helmut Digel, der neue Vizepräsident des Welt-Verbandes IAAF.

Großes und verdientes Lob gab es von der IAAF für die kanadischen Organisatoren. "Das Organisationskomitee hat wirklich hervorragende Bedingungen geschaffen. Die WM war extrem gut organisiert", sagte IAAF-Präsident Lamine Diack. Und während Generalsekretär Istvan Gyulai meinte, dies  "war die bisher am besten organisierte WM", sagte Helmut Digel: "TV-Service, Helfer, Transportsystem, Versorgung und Werbung waren fantastisch. Nur der Zeitplan wurde kritisiert." Das Stadion ohne Dach barg sicher ein Risiko, doch es regnete nicht. So blieb als negativer Höhepunkt, dass im Anti-Doping-Kampf ein dicker Fisch durch das Netz ging. Die russische 5000-m-Weltmeisterin Olga Jegorowa konnte nach einer positiven Probe nicht gesperrt werden, weil das Pariser Dopinglabor einen schwerwiegenden Fehler gemacht hatte. Auch die Zuschauerresonanz ließ zu wünschen übrig, doch sie war auch in Sevilla und Athen zuletzt nicht besser.

Weil Kanada kein Leichtathletikland ist, übte der neue DLV-Präsident Clemens Prokop gegenüber dpa starke Kritik an der IAAF: "Diese WM hätte nie nach Edmonton vergeben werden dürfen. Die Idee der IAAF, mit der WM Nordamerika als Leichtathletik-Entwicklungsland zu fördern, halte ich für Unsinn." Man muss aber annehmen, dass Clemens Prokop die für eine Leichtathletik-WM sehr vielversprechenden Fernsehquoten aus den USA noch nicht kennt. Sechs Millionen US-Amerikaner hatten zum Beispiel die Wettbewerbe am ersten Sonntag mit dem 100-m-Finale von Marion Jones gesehen. Helmut Digel sprach in einem Interview von einer "Wiedergeburt der Leichtathletik im US-Fernsehen". Damit hätte die IAAF in Edmonton in der Tat ein ganz wichtiges Ziel erreicht.


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