42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Naoko Takahsahi durchbricht die Marathon-Barriere

Die Japanerin läuft als erste Frau unter 2:20 Stunden und gewinnt in 2:19:46, Kenias Tempomacher Joseph Ngolepus überrascht seine Landsleute

30.09.2001

Naoko Takahashi hat beim real,- BERLIN-MARATHON Sportgeschichte geschrieben. Die 29-jährige Olympiasiegerin aus Japan ist als erste Frau die klassische Distanz von 42,195 km in unter 2:20 Stunden gelaufen. Nach 2:19:46 Stunden lief sie auf der Tauentzienstraße ins Ziel des mit insgesamt 37.815 Läufern, Inline-Skatern, Rollstuhlfahrern und Power-Walkern größten deutschen Marathonlaufes. Zählt man noch die 6326 Teilnehmer beim real,- MINI-MARATHON hinzu, beteiligten sich insgesamt sogar 44.141 Athleten an der Veranstaltung. Nie zuvor hatte es in Deutschland bisher einen größeren Lauf gegeben.

Im Gedenken an die Todesopfer der Terrorattacken in New York und Washington, hatten die Teilnehmer vor dem Start ein Transparent mit der Aufschrift „United we Run“ über ihre Köpfe hinweggezogen. Zuvor hatte der Cheforganisator des New-York-Marathons, Allan Steinfeld, den Startschuss gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit, gegeben. „Es war ein sehr emotionales Ereignis für mich“, sagte Allan Steinfeld, sichtlich berührt von der Anteilnahme der Teilnehmer in Berlin. Auch im Ziel wartete Prominenz beim Durchlauf der Sieger: Innenminister Otto Schily hielt gemeinsam mit dem Präsidenten der Association of International Marathons and Road Races, dem Japaner Hiroaki Chosa (Japan), das Zielband, als Naoko Takahashi ankam.

Eineinhalb Jahrzehnte hatten die besten Langstreckenläuferinnen der Welt vergeblich versucht, die 2:20-Stunden-Barriere zu unterbieten. Angefangen bei Ingrid Kristiansen (Norwegen) und Joan Benoit-Samuelson (USA) Mitte der 80er Jahre über Uta Pippig (Berlin) bis hin zu Tegla Loroupe (Kenia) – sie alle scheiterten an der Marathon-Mauer. Tegla Loroupe, die gestern als Zweite mit 2:28:03 Stunden über acht Minuten Rückstand auf die Olympiasiegerin hatte, verlor somit in Berlin nicht nur die geplante Revanche für Sydney sondern auch ihre Weltbestzeit. Vor zwei Jahren hatte sie in Berlin in 2:20:43 Stunden gewonnen.

Angesichts der Begeisterung um Naoko Takahashi, die von bis zu einer Million Zuschauern am Straßenrand nach vorne getrieben wurde und an unzähligen japanischen Fahnen vorbeilief, geriet das Männerrennen etwas in den Hintergrund. Wie schon vor einem Jahr gab es wiederum eine Überraschung durch einen Tempomacher: Der Kenianer Joseph Ngolepus folgte dem Beispiel seines Landsmannes und Freundes Simon Biwott. Der 26-jährige sollte eigentlich die Spitze bis zum Kilometer 25 führen, doch anstatt auszusteigen, lief er weiter und gewann in 2:08:47 Stunden. „Ich merkte, dass die anderen nicht ganz so gut in Form waren. Und bei 30 km wusste ich, dass ich gewinnen kann“, sagte Joseph Ngolepus, der mit seinem Erfolg auch Tegla Loroupe in gewisser Hinsicht etwas trösten konnte. Denn der Kenianer gehört zur Trainingsgruppe von Tegla Loroupe und lebt mit ihr und anderen Läufern zeitweise in Detmold bei Manager Volker Wagner.

Während Ngolepus für seinen Sieg 50.000 DM plus eine Zeitprämie von 15.000 DM kassierte, lohnte sich die Weltbestzeit für Naoko Takahashi auch finanziell: Alles zusammen wurde sie für diese historische Leistung mit 230.000 DM belohnt, wobei die Weltrekordprämie von den Veranstaltern versichert war. „Ich habe mir wirklich keinerlei Gedanken gemacht, was ich mit dem Geld machen werde“, sagte Naoko Takahashi. Für die Japanerin ist das Prestige, als erste unter 2:20 Stunden gelaufen zu sein, aber sicher noch weitaus mehr wert. Das dürfte sich in der Zukunft auszahlen.

Für die Versicherungen der Weltbestzeiten dürften die Berliner in Zukunft wohl mehr bezahlen müssen. Denn bereits zum dritten Mal binnen vier Jahren wurde auf der schnellen Strecke eine Bestzeit geknackt. 1998 lief Ronaldo da Costa (Brasilien) 2:06:05 Stunden, vor zwei Jahren hatte Loroupe ihre Bestzeit in Berlin aufgestellt.

Bei abgesehen von einem leichten Wind guten Wetterbedingungen, kam es zu keiner Zeit zu dem erwarteten Zweikampf zwischen Naoko Takahashi und Tegla Loroupe. Schon nach fünf Kilometern, hinter dem Brandenburger Tor, führte die Japanerin mit einer guten halben Minute Vorsprung vor Kathrin Weßel (SCC Berlin), die schließlich in persönlicher Bestzeit von 2:28:27 Stunden Dritte wurde. „Ich wusste, dass ich auf dem Weg war zu einer neuen Bestzeit und war sehr optimistisch während des gesamten Laufes“, sagte Kathrin Weßel, die nun gute Chancen haben dürfte, für die EM in München im nächsten Jahr nominiert zu werden. „Ich denke, ich kann mich in der Zukunft noch um einige Minuten verbessern, aber 2:20 das ist nicht möglich für mich.“

„Es war mein Ziel, hier unter 2:20 Stunden zu schaffen. Und als ich nach der ersten Hälfte der Strecke auf die Uhr schaute, wusste ich, dass ich es schaffen kann“, sagte Naoko Takahashi. „Erst auf den letzten zwei Kilometern wurde ich müde, doch ich wusste, dass ich die Zeit erreichen würde“, sagte die Siegerin, die in ihrer Heimat schon vor dem real,- BERLIN-MARATHON den Status einer Heldin hatte. Naoko Takahashi zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten Japans. Das gleiche gilt in Kenia auch für Tegla Loroupe. „Ich hatte ein leichtes Problem mit der Rückenmuskulatur, deswegen konnte ich nicht schneller laufen. Aber ich möchte Naoko Takahashi gratulieren. Sie ist eine große Athletin“, erklärte Tegla Loroupe.

Knapp zwei Stunden vor Naoko Takahashi hatten die schnellsten Inline-Skater das Ziel auf der Tauentzienstraße erreicht. Der Franzose Arnaud Giquel siegte nach einem Fotofinish in 1:04:17 Stunden vor seinem zeitgleichen Landsmann Baptiste Grandgirard. Mit nur einer Zehntelsekunde Rückstand folgte der Italiener Massimillano Presti. Angesichts des zeitweisen leichten Regens war die Zeit deutlich langsamer als im vergangenen Jahr. Und das Ziel, eine Zeit von unter einer Stunde zu erreichen, wurde einmal mehr verfehlt. Schnellste Frau unter den Inline-Skatern war Sheila Herrero (Spanien) in 1:12:56,8 Stunden. Rang zwei ging an Ang?le Vaudan, die als Vorjahressiegerin nur eine Zehntelsekunde langsamer war. Dritte wurde Jessica Smith (USA/1:12:57).

Auch das Rennen der Rollstuhlfahrer war nicht so schnell wie zuletzt. Der Sieger hieß währenddessen wiederum Heinz Frei. Der Schweizer gewann bereits zum 14. Mal in Berlin und zum elften Mal in Folge. Gestern fuhr er 1:30:24 Stunden und lag damit in einem Fotofinish nur haarscharf vor dem zeitgleichen Joel Jeannot (Frankreich). Dritter wurde Sergej Schilow (Russland) in 1:35:55 Stunden. Schnellste Frau war Edith Hunkeler. Die Landsfrau von Heinz Frei, die zum zweiten Mal nach 1998 in Berlin gewann, benötigte gestern 1:47:46 Stunden. Damit verpasste sie den Streckenrekord von 1:42:07 zwar deutlich, aber erzielte die zweitschnellste je in Berlin gefahrene Zeit.


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