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Catherine Ndereba - Ihre Weltbestzeit in Chicago

früher rannte sie um Bleistifte und Bücher

09.10.2001

Die 2:20-Stunden-Barriere war längst fällig – das wurde in Chicago klar. Und es wäre keine Überraschung, wenn schon im nächsten Jahr noch weitere Zeiten in diesen Regionen gelaufen werden. Denn das Potenzial in der Weltspitze des Marathons ist bei den Frauen in den letzten Jahren sehr groß geworden. Die Entwicklung der Weltbestzeit hielt sich dagegen bis vor zehn Tagen in Grenzen. Es mag im ersten Augenblick bitter für den real,- BERLIN-MARATHON sein, die Weltbestzeit nach nur einer Woche schon wieder verloren zu haben, doch eines kann Berlin niemand mehr nehmen: Die deutsche Hauptstadt geht als der Ort der ersten Zeit unter 2:20 Stunden in die Leichtathletik-Historie ein.

Das nächste Jahr könnte im Frauen-Marathon nicht minder interessant werden. Denn neben Naoko Takahashi (Japan) und Catherine Ndereba könnten auch Lornah Kiplagat und, wenn sie wieder vollkommen erholt ist, Tegla Loroupe (beide Kenia) Zeiten unter 2:20 Stunden anpeilen. Die junge Japanerin Yoko Shibui lief in diesem Jahr bereits 2:23:11 Stunden, und in London wird die Halbmarathon-Weltmeisterin Paula Radcliffe (Großbritannien) im April ihr Marathon-Debüt laufen.

„Ich war überrascht und habe Gott dafür gedankt. Denn ich hätte niemals gedacht, dass ich unter 2:19 laufen könnte. Und das, obwohl ich noch nie bei so kaltem Wetter gelaufen bin“, sagte Catherine Ndereba nach ihrer Weltbestzeit in 2:18:47 Stunden. Die Kenianerin, die 1997 eine Tochter zur Welt brachte, bezeichnete jetzt in Chicago ihren Ehemann Anthony Maina als ihren Trainer: „Er hat mich hervorragend vorbereitet.“ Seit ihrer Zeit in der Oberschule war sie zuvor von El-Mostafa Nechchadi trainiert worden. Mit zwölf Jahren hatte sie einst mit dem Training begonnen. Der Anreiz war, dass ihre Schule für die schnellsten Läuferinnen Preise ausgelobt hatte. Es ging für sie damals um Bleistifte oder Bücher. Ihr Vater, der ebenfalls Läufer war, hatte sie zusätzlich motiviert, den Sport zu betreiben, obwohl dies in Kenia für Mädchen nicht üblich war.

Während ihr Mann in Nairobi als Gefängniswärter angestellt ist, war Catherine Ndereba dort als Telefonistin tätig. Angeblich soll sie noch im vergangenen Jahr dort zur Arbeit gegangen sein, während sie sich in Nairobi aufhielt. Zeitweise trainiert und lebt sie allerdings in Philadelphia (USA). „Zu meiner Trainingsgruppe gehören auch Ben Kimondiu und Peter Githuka – sie haben heute auch tolle Leistungen gezeigt“, erklärte Catherine Ndereba, deren Tochter Jane ihr gesagt hatte: „Fahre zu diesem Marathon und gewinne das Rennen.“

Bereits 1996 war sie die Straßenläuferin des Jahres in den USA. Ein Jahr später machte Catherine Ndereba eine Babypause. Und 1998 war sie wiederum die Nummer eins in der Straßenlaufszene der USA. Ihr Marathondebüt lief die Kenianerin dann 1999 in Boston. Damals kam sie auf Platz sechs. Ein Jahr später feierte sie in Boston ihren ersten großen Triumph. Sie gewann in 2:26:11 Stunden und stoppte die Boston-Siegesserie der Olympiasiegerin Fatuma Roba (Äthiopien). In ihrer Heimat wurde sie damit zwar zu einer Heldin und fortan auch „Catherine die Große“ genannt. Aber dennoch wurde sie vom kenianischen Verband nicht für Olympia in Sydney nominiert. Stattdessen Lief die Halbmarathon-WM-Dritte von 1999 den Chicago-Marathon und gewann in 2:21:33. Sie war die erste Athletin, die die Marathonläufe von Boston und Chicago im selben Jahr gewann. „Nach meinem Sieg im vergangenen Jahr, wusste ich, dass ich auch unter 2:20 Stunden laufen kann.“ Auch in diesem Jahr hatte sie zuvor den Boston-Marathon gewonnen. Vieles spricht dafür, dass sie dort auch im nächsten Jahr an den Start geht. Vielleicht kommt es dort dann sogar schon zu einem Duell mit Naoko Takahashi.


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