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Die Wiedergeburt in New York

Am Sonntag findet das spektakuläre Rennen mit über 30.000 Läufern unter besonderen Vorzeichen statt

01.11.2001

Die großen Zeiten der Joan Benoit-Samuelson liegen knapp zwei Jahrzehnte zurück. Damals wurde die Amerikanerin Olympiasiegerin im Marathon, der 1984 für Frauen zum ersten Mal zum olympischen Programm zählte. Zuvor war sie mit 2:22:43 Stunden Weltbestzeit gelaufen, später steigerte sie sich noch auf 2:21:21 Stunden. Damit ist Joan Benoit-Samuelson heute noch die fünftschnellste Marathonläuferin aller Zeiten und natürlich noch US-Rekordhalterin. Am Sonntag wird die inzwischen 44-Jährige, die ihre leistungssportliche Karriere natürlich längst beendet hat, beim New-York-Marathon an den Start gehen.

Keine der Favoritinnen dieses Rennens weist eine annähernd so gute Bestzeit auf wie Joan Benoit-Samuelson, die in der amerikanischen Laufszene nach wie vor eine Persönlichkeit ist. Das ist kein Wunder, denn spitzensportlich hatte der renommierte New-York-Marathon im letzten Jahrzehnt deutlich an Boden verloren. Die amerikanischen Rennen in Boston oder Chicago aber auch internationale Marathonläufe wie der in Berlin standen mehr im Blickpunkt. New York lebte hauptsächlich vom Spektakel. Das wird am Sonntag nicht viel anders sein. Und doch ist es nach den Ereignissen vom 11. September eine Art Wiedergeburt des New-York-Marathons.

"Ich glaube, das wird aus sehr vielen unterschiedlichen Gründen ein sehr emotionales Rennen für viele unterschiedliche Menschen auf der Welt", erklärte Joan Benoit-Samuelson gegenüber der US-amerikanischen Fachzeitschrift "Runner’s World" und fügte hinzu: "Ich habe entschieden, dass ich hier dabei sein muss."

Rund eine Woche nach den Terroranschlägen vom 11. September hatten der New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani und der Marathon-Chef Allan Steinfeld bereits erklärt, dass der Marathon auf jeden Fall stattfinden wird. Eine Streckenänderung war nicht nötig, denn die 42,195 Kilometer führen von der Verrazano-Bridge bis zum Ziel im Central Park zwar durch fünf Bezirke der Metropole, jedoch nicht in den Bereich des Unglücksortes. "Nach den schrecklichen Vorfällen des 11. September wird dieser New-York-Marathon die Energie und die Zähigkeit der Stadt New York in den Blickpunkt rücken wie nie zuvor", sagte Allan Steinfeld, der unmittelbar nach den Anschlägen zunächst nicht daran geglaubt hatte, dass dieser New-York-Marathon stattfinden könnte. "Ich dachte, es wäre zwar schön, aber dieser Marathon fällt bestimmt aus." Am Sonntag dürfte der New-York-Marathon nun eine weltweite Aufmerksamkeit erlangen wie nie zuvor. In Deutschland wird das Rennen zum ersten Mal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen live gezeigt. Die ARD, die Ende September bereits beim real,- BERLIN-MARATHON mit bis zu zwei Millionen Zuschauern so hohe Einschaltquoten verzeichnete wie nie zuvor bei einer derartigen Übertragung, hat sich die Rechte gesichert.

Mit über 30.000 Teilnehmern wird der New-York-Marathon etwa so viele Starter haben wie in den letzten Jahren. Das gemeinsam mit London weltgrößte Marathonrennen verzeichnete nach den Ereignissen am 11. September offenbar nur eine geringe Zahl von Absagen. Wie Allan Steinfeld erklärte, haben nur sehr wenige Läufer ihre Startnummer zurückgegeben, weil sie Angst hatten nach New York zu reisen. Die Organisatoren tun in Zusammenarbeit mit der Polizei alles, um die Veranstaltung zu sichern. Ihre Umziehsachen dürfen die Läufer vor dem Start beispielsweise nur in offizielle, durchsichtige Plastiktüten packen. Um den Start des Massenrennens auf der Verrazano-Bridge, die die Bezirke Staten Island und Brooklyn verbindet, zu sichern, soll sogar der New Yorker Hafen teilweise gesperrt werden.

Von knapp zehn Läufern wissen die Organisatoren, dass sie zu den Opfern der Anschläge auf das World Trade Centre zählten. In einigen Fällen laufen nun Familienmitglieder mit der betreffenden Startnummer im Gedenken an ihre Verwandten. Ein Trauerflor mit dem Motto „United We Stand, United We Run“ wird an alle Teilnehmer verteilt, ebenso ein Anstecker mit dem Motto „I Love New York“. Rund eine Million Dollar an Spendengeldern hoffen die Veranstalter zu Gunsten der Opfer der Terroranschläge zu sammeln.

Auch aus Berlin gibt es am Sonntag ein Zeichen der Anteilnahme. Das 25 x 40 Meter große und 160 Kilogramm schwere Banner mit dem Motto „United we run“, das vor dem Start des real,- BERLIN-MARATHON über die Köpfe der Läufer hinweggezogen worden war, wurde nach New York transportiert und wird dort in gleicher Form zu sehen sein. Das Transparent war kurzfristig vom Berliner Sponsor Bewag finanziert worden. Der Berliner Cheforganisator Horst Milde wird in New York auch einen ersten Teil des Erlöses der nach wie vor laufenden Berliner Spendenaktion zugunsten der Familien der getöteten Feuerwehrleute übergeben. Bisher wurden gut 70.000 DM gesammelt.

Spenden können nach wie vor auf das Konto des real,- BERLIN-MARATHON überwiesen werden: Berliner Bank, Bankleitzahl: 100 200 00, Konto: 845 339 000, Stichwort: Feuerwehr / Polizei New York.


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