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Finale des GIC beim Euromarathon in Frankfurt/Main

oder wieviel Wasser paßt in Inline Skates?

06.11.2001

Frankfurt/Main – Euromarathon und Finale der deutschen Inline Skate Rennserie GERMAN IINLINE CUP (GIC) – 2000 Inline Skater am Start – Regen – Temperatur um 15 ° C – Sieg von Frank Cardin (Frankreich, Team Salomon) in 1:16:47 h bei den Herren und Anne Titze-Göhl (Groß-Gerau, Team K2) in 1:30:02 h.......

So würde die Kurzfassung eines Sportevents aussehen, wenn es nach den Medien in Deutschland gehen würde. Aber die vielen Skater, die sich an diesem verregneten Sonntag auf die Marathonstrecke begaben, werden sicherlich andere Erinnerungeen behalten, so wie ich. So ein Rennwochenende ja beginnt gewöhnlich schon am Vortag mit dem Besuch der Marathonmesse, dem Abholen der Startunterlagen, checken des Championchips – damit am Ende auch eine persönliche Bestzeit offiziellen Charakter erhält - (für viele Skater, die das ganze Jahr auf die Verbesserung ihrer Zeiten hin trainieren, bedeutet diese Zeit doch auch den Bonus, in den großen Starterfeldern der Städtemarathons in Hamburg, Berlin , Hannover, Bonn oder Köln einen Startplatz in den vorderen Startreihen zu ergattern.), das Abklappern der unzähligen Stände der Sportshops, immer auf der Suche nach dem ultimativen Schnäppchen, Smaltalk mit den befreundeten Skatern und immer der Blick nach den vermeintlichen Konkurrenten, die man ja zwangsläufig immer wieder trifft.

Hat man den Messemarathon dann hinter sich, heißt es die ganzen Faltblätter und Ausschreibungen für die kommende Rennen zu ordnen und alles zu verstauen. Dank der großen Skatergemeinde, bleibt mir wie vielen anderen Skatern der teure Gang in ein Hotel erspart und ich kann mich auf eine Unterkunft bei Freunden verlassen. Diesmal beehre ich Stephan, der vor den Toren von Frankfurt in Offenbach wohnt. Die Fahrt mit der S-Bahn wird dann zu einem Erlebnis der besonderen Art, verläuft die S-Bahnstrecke doch direkt entlang der Skyline Frankfurts. Überwältigt bestaune ich die Hochhäuser und muß unwillkürlich an die Ereignisse vom 11.Sept. in New York denken.

Der Blick am folgende Morgen aus dem Fenster, verspricht dann für das Rennen nicht gerade beste Bedingungen. Naß, leicht diesig und das Thermometer will einfach nicht über die 13 klettern. Nach der Fahrt mit der S-Bahn mit all den Gleichgesinnten und einem Erlebnis der besonderen Art, in diesem Falle einer nicht gerade gastfreundlichen Art, (2 Marathonteilnehmer müssen trotz ihrer Kleiderbeutel und Startnummern den Kontrolleuren der DB ein Bußgeld entrichten, da sie anscheinend das kostenlose Ticket, was jeder Teilnehmer in seinen Startunterlagen hatte, nicht vorzeigen können – sollte es Schwarzfahrer geben, die sich die Mühe machen, Marathonuntensilien zu kopieren, um einmal S-Bahn in Frankfurt fahren zu können ??) komme ich am Start an und sehe die ganze Schar der ganz HARTEN. Mittlerweile hat nämlich Nieselregen eingesetzt und erste Straßenunebenheiten mutieren zu Wasserlöchern. Aber einmal in Frankfurt, will ich die Strecke mit meinen Freunden auch bewältigen und mir ein Bild auch von diesem Stadtmarathon machen, wo ich doch Köln, Hamburg und natürlich Berlin schon erfolgreich gefinisht habe. Irgendwie finde ich mich dann in der fünften Startreihe wieder und male mir noch aus, wie lange es dauern wird, um sich aus dem Gewühl zu befreien, da ertönt ein Startschuß und es geht los......

Was sich als eine organisatorische Fehlleistung entpuppt, (wir starten gemeinsam mit dem Starterfeld der Herren - Elite) beschert mir das einmalige Gefühl , einmal miterleben zu dürfen, das Starterfeld der Frauen – Elite an mir vorbeidüsen zu sehen. Bei KM 6 prescht dann der Frauenexpress mit Melanie Bayrhof an der Spitze an mir vorbei und ich erkenne gerade noch, daß alle Favoritinnen dabei sind. Schnell noch eine Anfeuerung für Michi aus Gera, Steffi aus Berlin und Anne aus Groß Gerau und dann sind sie auch schon meinem Blickfeld entschwunden. Jetzt heißt es wieder volle Konzentration auf den Untergrund, denn Straßenunebenheiten, Baustellen und auf den Asphalt aufgebrachte Geschwindigkeitsbegrenzer erhalten ihren besonderen Reiz dank der zunehmenden Nässe. Neben uns taucht ein weiblicher Rolli auf und ich denke noch so bei mir, was macht denn der fahrradfahrende Begleiter die ganze Zeit neben ihr, da höre ich dann schon seine Kommandos: „mehr 12 Uhr, – Straßenbahnschienen 20m voraus....- Skater von rechts....“ Ich erlebe live, wie eine blinde Sportlerin die Herausforderung Marathon annimmt und hoffentlich auch erfolgreich beendet hat. Meine ganz persönliche Hochachtung hat sie in diesem Moment sicher und gehört wie all die anderen Marathonis an diesem Tag zu den SIEGERN.

Aber die 20m bis zu den Straßenbahnschienen gelten auch für mich. Kurz noch einmal alle Muskeln fest angespannt und das Hindernis überrollt und schon geht es weiter. Leider meistern nicht alle Skater die Tücken der Frankfurter Strecke bei diesen widrigen Bedingungen. Neben Stürzen auch im Spitzenfeld, unter ihnen auch Daniel und Toni vom FILA Team, trifft es gerade die weniger geübten Skater, für die skaten bei Nässe eine zu große Herausforderung darstellt.(Mein Tip : viel an der Gleichgewichtsschulung arbeiten - ist ja nicht nur bei Regen hilfreich) Am Ende sollte sich aber kein Sportler ernsthaft verletzt haben, wenn man dem Veranstalter Glauben schenken darf. Gott sei dank - denke ich bei mir.....was wäre das wieder für eine Negativwerbung für diesen wunderschönen Sport gewesen, gibt man uns Speedskatern doch auch so schon zu wenig Raum, uns in den Medien zu präsentieren.......ein langer Weg zur olympischen Sportart !!

Solche Gedanken kann sich während des Rennens nur jemand leisten, der nicht im Spitzenfeld um den Sieg kämpft. Diesmal dominiert das Salomon Team das Geschehen, geht es doch für Dirk Breder noch um den Sieg im German Inline Cup. Am Ende holt sich die wertvollen Punkte für Platz 1, 2 und 3 auch allesamt die Salomonarmada mit Frank Cardin (Frankreich), Michael Lanetzval (Frankreich) und Andreas Andruleit.

So verhindert das hervorragende taktische Verhalten dieses Teams den Doppelsieg der Zschätzsch Brüder Christoph und Benjamin in dieser deutschen Rennserie. Beide belegen hier in Frankfurt Platz 5 und 7. Aber mit den Plätzen 2 und 3 stehen am Ende die beiden FILA Fahrer doch noch auf dem Siegerpodest des GIC.

Bei den Damen gewinnt den Marathon die Grande Dame des deutschen Marathonsports, Anne Titze. Ich frage mich, wie oft eigentlich schon ?? Super Leistung Anne !! Aber ihre Erbinnen kratzen schon fleißig am Thron. So wird Melanie Bayrhof (Verducci) zweite vor Evelyn Kalbe (Rollerblade) und sichert sich damit auch den Gesamtsieg im GIC vor Evelyn Kalbe und Nina Spilger (Rollerblade). Während die Spitzenfahrer sicherlich schon unter der Dusche stehen, habe ich noch 30 min. vor mir. Jetzt merke ich auch meine kalte, übersäuerte Muskulatur. Aber noch schwerer wiegen die Inline Skates. Wieviel Wasser gluckst jetzt wohl in meinen Schuhen?

Am Straßenrand treffen wir, inzwischen fahre ich mit Alex aus Berlin dem Ziel entgegen, einen Skater, der auf jeden Fall das Ziel erreichen wird. Er trägt seine Skates unter dem Arm und macht sich im wahrsten Sinne des Wortes auf die Socken, um das Ziel zu erreichen. Ich bin mir sicher, daß er sich am Ende auch in der Ergebnisliste wiederfinden wird. Tolle Leistung !!

Auf der Rückfahrt, überlege ich mir schon, wie soll man all diese Eindrücke festhalten, um einem Außenstehenden Marathonskaten näher zu bringen....???? Der Versuch steht hier.

Mike Saft


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