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Drei Namen bestimmen die Disziplin

Alleine Irina Mikitenko auf Weltniveau – Hoffnungsträger Sabrina Mockenhaupt – Stagnation unverkennbar; Deutsche Saisonbilanz: 5000 m und 10 000 m der Frauen

27.11.2001

Drei Namen bestimmen die Disziplin Irina Mikitenko, Luminita Zaituc, Sabrina Mockenhaupt – drei Läuferinnen stehen für die Mehr-Runden-Distanzen 5000 m und 10 000 m. „Im Prinzip reduziert sich die Bilanz auf diese drei Namen. Leider sind keine weiteren Läuferinnen aufgerückt, von denen es eigentlich zu erwarten war!“ Nüchterner Rückblick der Ex-Bundestrainerin Isabelle Baumann, die inzwischen ihre hauptamtliche Verantwortung für den männlichen und weiblichen Laufbereich im DLV mit der Rolle als Referendarin im Schuldienst eingetauscht hat. Und fürderhin wieder als Stützpunkttrainerin im Württembergischen an der Basis arbeitet. „Hier sieht man alles aus einer anderen Perspektive, über die man sich viele Jahre keine Gedanken gemacht!“ Vielleicht ist aber gerade diese Basisarbeit eine unbedingte Notwendigkeit, um das offensichtliche Dilemma auf den längeren (Bahn-)Laufdistanzen besser in den Griff zu bekommen.

Irina Mikitenko: Mit Schmerzen durch die Saison Und dieses wird zunehmend dann deutlich, wenn die Haupt-Leistungsträgerin und (einzige) Vorzeigeläuferin Irina Mikitenko wegen einer schwer wiegenden Verletzung weite Phasen der Saison ausfällt. Hallen-Doppeltitel in Dortmund über 1500 m und 3000 m, Klassevorstellungen bei der European 10 000 m-Challenge in Barakaldo unweit Bilbao als Zweite hinter Paula Radcliffe mit 31:29,55 und im 5000 m-Rennen von Hengelo gegen die Afrikanerinnen Gete Wami, Ayalech Worku und Berhane Adere in 14:53,00 nährten die Hoffnung auf einen großes WM-Auftritt für die Frankfurterin. „Im Prinzip haben die Schmerzen im Knie schon früh im Jahr angefangen. Die Ursache liegt in den nach außen führenden Ausweichbewegungen im Unterschenkel“, erläutert Isabelle Baumann. „Das Problem war natürlich, dass Irina aus nahe liegenden Gründen nur sehr kurze Auszeiten genommen hatte!“ Die Folge waren die Absagen für den Europacup in Bremen und die DM in Stuttgart, um letztlich die WM-Teilnahme nicht zu gefährden. „Im Höhentrainingslager in St. Moritz hat Irina gut trainiert, sonst wäre es bei der WM nicht so gut gegangen!“ Auch wenn unter dem Strich„nur“ Rang fünf steht, angesichts der Ausfallzeiten im Training und der Verunsicherung ob der fehlenden Wettkämpfe ein fürwahr anständiges Resultat. Vor allem deshalb, weil es ein in erster Linie nach allen taktischen Regeln geführtes 5000 m-Finale war.

Titelsammlerin Luminita Zaituc Nutznießerin der verletzungsbedingten Abstinenz von Irina Mikitenko war eindeutig Luminita Zaituc, die mit fünf Einzeltiteln im Cross (Mittel- und Langstrecke), 10 000 m, 10 km und zudem im Marathonlauf ‚“ihr eindeutig erfolgreichstes Jahr“, wie es Betreuer Hans-Günter Stieglitz formulierte. Jedoch zugleich mit dem erforderlichen Aber: „Wäre da nicht die verletzungsbedingte WM-Absage gekommen!“ Allerdings steht für Stieglitz am Ende der erfolgreichen Saison die Kardinalfrage: „Was ist letztlich mehr wert, ein, sagen wir einmal, achter Platz in Edmonton oder ein Sieg beim Frankfurt-Marathon in 2:26:02 Stunden?“

Womit man zwangsläufig beim Hauptproblem der 10 000 m-Disziplin sind, die mehr und mehr zum gelegentlichen Tummelplatz für die Marathonläuferinnen wird. In Kandel jedenfalls mischten Petra Wassiluk und Melanie Kraus nach ihrem vollzogenen Wechsel zur langen Straßendistanz derart munter mit, dass sogar noch mit Silber und Bronze zwei Medaillen heraussprangen. „Die Fakten sind nicht gerade berauschend!“ bringt es der künftig auch für die lange Bahndistanz verantwortliche Marathon-Bundestrainer Wolfgang Heinig auf den Punkt. „Kurzfristig können wir hier nur auf gestandene Langstrecklerinnen zurückgreifen, solange die Marathon-EM-Teilnahme nicht gesichert ist!“

Mit Raketenstart wird eine 20jährige zur Hoffnungsträgerin auf der Frauen-Langstrecke: Sabrina Mockenhaupt Langfristig ruhen gewiss die Hoffnungen des Verbandes auf der erst 20jährigen Sabrina Mockenhaupt, die nach Einschätzung der Experten wie Isabelle Baumann und Wolfgang Heinig „ein großes Potenzial hat!“ Unter der behutsamen Führung von Heimtrainer Heinz Weber ist die Siegerländerin schon als Juniorin zu einer festen Größe in der Langstreckenszene geworden. „Für Sabrina war es aber eine schwierige Saison“, urteilt Isabelle Baumann, „die ins Kippen gekommen ist, weil unplanmäßig der Europacup noch vor der DM und der U 23-EM dazwischen gekommen ist!“ Es spricht aber für die ausgesprochene Willensstärke wie auch für die stabile Substanz der nur 1,55 m großen Sabrina Mockenhaupt, dass sie gerade mit dem Rücken zur Wand ihre bislang größten Erfolge einfahren konnte. In Stuttgart kämpfte sie in einem atemberaubenden Finale Luminita Zaituc mit einem Minimalvorsprung von sieben Hundertstelsekunden nieder, in Amsterdam stand sie auf dem Bronzeplatz hinter Olga Romanowa und Sonja Stolic.

„Insgesamt musste ich meine Erwartungshaltung für die Saison 2000 doch stark einschränken“, analysiert Isabelle Baumann im Rückblick, „schließlich ist die Stagnation offenkundig!“ Melanie Schulz hat mit der Hindernisstrecke „ihre“ Distanz offensichtlich gefunden, auch wenn sie als Nebenprodukte an der 16:00- wie auch 33:00-Minutenschwelle steht. Susanne Ritter hat nach einer starken Vorstellung im Cross ebenso wenig Fortschritte auf der Bahn vorzuweisen wie auch Sylvia Nußbeck. „Dennoch bin ich für die Zukunft optimistisch“, gesteht nun Bundestrainer Heinig, „dass wir gerade über die großen Laufgruppen in Leverkusen, Wattenscheid, Großengottern, Halle und Chemnitz zu einer langfristigen Entwicklung dieser Strecken kommen können. Aber nur dann, wenn unsere Talente nicht zu früh das Handtuch werfen. Wir müssen für die Zeit nach 2004 planen, schließlich können wir für die 10 000 m-Strecke auf Irina Mikitenko und auch auf Sabrina Mockenhaupt setzen, die das Potenzial hat, die entstandene Lücke zu schließen!“

Wilfried Raatz (aus LA48/01)


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