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Saisonbericht des Rolli-Athleten Heinz Frei

KOLUMNE ZUM MITTWOCH

05.12.2001

Heinz Frei: Vierzehnfacher Sieger beim real,- BERLIN-MARATHON

Eigentlich hätte ich mir vorstellen können meine Karriere auf Leistungsstufe, nach den famosen Paralympics in Sydney, zu beenden um auf einem Höhepunkt abtreten zu können!

Durch das Ansetzen der Rollstuhl-Leichtathletik-Europameisterschaft 2001 im Schweizer Paraplegiker Zentrum Nottwil, war ich aber schier genötigt bei diesem Heimspiel aktiv mit dabei zu sein. Heimspiel in doppeltem Sinn: seit zwei Jahren arbeite ich in diesem Paraplegiker Zentrum und versuche neue, frischverletzte Rollstuhlfahrer/-innen vom Wert einer sportlichen Betätigung zu überzeugen! Meine Erfahrung aus 23 Jahren „Leben im Rollstuhl“ hilft mir bei dieser Tätigkeit und ist wohl in dieser Phase für neu betroffene Patienten die effektivste Lebenshilfe auf dem Weg in eine hoffnungsvolle Zukunft - trotz allem! Meine Erfahrung war auch wichtig in der Vorbereitung auf das Europameisterschaftsjahr 2001 - meine Motivation war gross um vor heimischem Publikum gut abzuschneiden! Es kündigte sich im Frühling vielversprechend an, als ich die Halbmarathons in Lissabon (EM-Titel) und Varese jeweils in Rekordzeiten gewann.

Nach einem guten 3. Rang am Boston Marathon fuhr ich an den Marathons in Hamburg und Heidelberg als erster über die Ziellinie und eroberte anschliessend am Oensinger Rollstuhlmarathon überlegen den 2. EM Titel in diesem Jahr. Die Europameisterschaften auf den Bahndistanzen folgten im Juni und sollten zum Saisonhöhepunkt führen! Dabei machte ich die schmerzliche Erfahrung, dass Sport grausam sein kann: gleich im ersten Finalrennen über 10‘000m führte ich 2 Runden vor Schluss überlegen mit Rundenvorsprung das Feld an, als mich ein kapitaler Rahmenbruch um die Früchte meiner Anstrengungen brachte. Der Renner brach regelrecht entzwei - ich stürzte kopfüber auf die harte Tartanbahn - blieb aber wie durch ein Wunder vor grösseren Verletzungen verschont - Helm sei Dank, er hat schlimmeres verhindert! Schon am Abend sass ich in meinem alten Reserve-Rennstuhl erneut am Start um Vorläufe in anderen Distanzen zu überstehen! Eines zeigte der 10‘000m-Lauf aber deutlich: meine Form war erstklassig! Nur so ist zu erklären, dass ich an den folgenden Tagen die 5‘000m gewann und auch überraschend im 1500m-Rennen nicht zu schlagen war.

Die 5 nationalen Meistertitel im August, mit zum Teil hervorragenden Zeiten, alle in Weltrekordnähe, machte die Bahn-Saison zum absoluten Erfolg. Es macht auch etwas Appetit auf mehr: warum nicht am real,- BERLIN-MARATHON erstmals in einem Marathon die 80 Minuten Schallmauer durchbrechen! Noch fehlen 14 Sekunden dazu - die Weltbestzeit steht bei 1 Stunde 20 Minuten und 14 Sekunden. Viele Gelegenheiten bieten sich mir nicht mehr in meiner Karriere; mit 43 Jahren wird man nicht mehr alle Jahre schneller und die Zeit kann mir für dieses Vorhaben durchaus davon rinnen.

Aber es hat nicht sollen sein. Die Zeit blieb auf den ersten acht km liegen und so blieb es bei bescheidenen 1:30:24. Das war 10 Minuten über meiner Weltbestzeit. Aber elfmal in Folge zu gewinnen, da kann man sich auch darüber freuen, vor allen Dingen habe ich wieder die tolle Stimmung genossen und über meine treuen Fans in Berlin gefreut. Bis zum 29. real,- BERLIN-MARATHON am 29. September 2002 ist es eh’ nicht mehr lang!


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