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Nils Schumann kehrt zurück und hofft auf neue Erfolge

Berlins Leichtathletik verliert neben dem 800-m-Olympiasieger auch noch den 3000-m-Hindernis-Europameister Damian Kallabis

10.12.2001

Die Berliner Leichtathletik hat ihre beiden erfolgreichsten Langstreckenläufer verloren. Der 800-m-Olympiasieger Nils Schumann wird nach einem Jahr bei der LG Nike Berlin in der kommenden Saison wieder für seinen früheren Verein SV Creaton Grossengottern starten. Und der 3000-m-Hindernis-Europameister Damian Kallabis hat den SCC Berlin in Richtung VfB Stuttgart verlassen. Für die Berliner Leichtathletik ist das ein schwerer Schlag, denn die Abgänge könnten sich zukünftig sogar bei den Fördergeldern für den Verband negativ bemerkbar machen. Die Höhe der Gelder richten sich nach dem Erfolg.

„Für mich stellte sich die Frage: Wo finde ich das Umfeld, um wieder eine 100-prozentige Leistung bringen zu können und damit wieder in der Weltspitze mitlaufen zu können – das konnten mir die Berliner nicht bieten“, erklärte Nils Schumann. „Grundsätzlich bin ich nicht jemand, der dauernd den Verein wechselt. Ich möchte meine Verträge erfüllen. Aber ich glaube jetzt, vor einem Jahr habe ich mit dem Vereinswechsel eine falsche Entscheidung getroffen“, sagte Schumann, der damals zwar seinen Wohnsitz wie geplant in Erfurt behielt, seinen Erfolgstrainer Dieter Hermann jedoch verlor. Das hat ihn offenbar doch weitaus stärker belastet als bisher bekannt. „Nach dem Olympiasieg ist viel passiert, es gab ein enormes Medieninteresse und viele Ehrungen. Dann kam auch noch die Trennung vom Trainer – das war ein Einschnitt, mit dem ich zu kämpfen hatte.“ Sein Vater Peter übernahm die Betreuung, doch nach einem erfolgreichen Saisonauftakt gab es aufgrund einer Muskelverletzung Probleme im Vorfeld der WM. Hermann half in dieser Zeit bereits wieder aus, und Schumann wurde immerhin noch Fünfter im Finale von Edmonton. „Ich habe schon damals alles versucht, um Dieter Hermann auch wieder als Heimtrainer zurückzubekommen. Mein Vater hat das zwar recht gut gemacht, aber Hermann ist eine Persönlichkeit. Ich würde sagen, auf seinem Gebiet ist er ein Künstler – und es ist sehr schwer, einen neuen Trainer dieser Art zu finden.“

In den Wochen nach der WM hat der Olympiasieger sein Ziel erreicht, er wird wieder von Hermann trainiert. „Wir sind beide glücklich darüber“, sagt Nils Schumann. Die Rückkehr zum SV Creaton Grossengottern, so lässt der Olympiasieger durchblicken, ist auch ein Entgegenkommen gegenüber seinem Trainer. „Der SV Creaton, das ist sein Werk. Er hat den Sponsor besorgt und die Trainingsgruppe aufgebaut.“ Und mit Nils Schumann kehrt nun auch das Aushängeschild zurück. „Wenn ich in Grossengottern das Vorbild sein kann, dann bin ich das gerne.“

Nach der missglückten WM-Saison, ist Nils Schumann im kommenden Jahr Titelverteidiger: Die Europameisterschaften in München sind der Saisonhöhepunkt. Doch auch bei der Hallen-EM in Wien möchte er starten. Hier wurde er 2000 Zweiter. „Ich bin riesig motiviert und denke, dass ich wieder ein besseres Jahr haben werde. Es hat weh getan, zu merken, dass ich gegen André Bucher keine Chance hatte. Für mich ist das jetzt aber auch eine zusätzliche Motivation.“

Angesichts seiner Situation in der vergangenen Saison, ist Nils Schumann mit seinem fünften Platz im WM-Finale relativ zufrieden. Doch als Olympiasieger hatte er sich freilich mehr vorgenommen. „Es gibt eben mal Phasen, in denen funktioniert alles super, und dann gibt es welche, da geht gar nichts.“

In Karlsruhe Ende Januar plant Schumann seinen ersten Saisonstart. „Ich habe lange überlegt, mich dann aber gegen Starts bei Crossläufen entschieden. Wenn ich die Hallen-EM laufe, folgt gleich danach ein zweiwöchiges Skilager und Ende März bereits wieder ein Höhentraining in Kenia oder Südafrika. Da passen Cross-Termine nicht in den Plan.“

Vor vier Jahren war Nils Schumann ein sensationeller Durchbruch gelungen. Damals wurde er sowohl in der Halle als auch später in Budapest Europameister. „Es gab auch damals Topläufer über 800 Meter, und was ich erreicht habe, war eigentlich utopisch. Aber in Europa gab es inzwischen eine deutliche Leistungsentwicklung.“ Juri Borsakowski, André Bucher, den Polen Pawel Czapiewski aber auch Wilson Kipketer zählt Schumann zu seinen schärfsten Kontrahenten im nächsten Jahr. „Inzwischen stellt sich die Konkurrenz natürlich auf mich ein. Deswegen werde ich versuchen, mein taktisches Reservoir zu vergrößern“, erklärt der 23-Järhige, der zudem darauf vertraut, dass er ein Wettkampftyp ist. „Wenn im Vorfeld alles gut läuft, dann habe ich immer eine Chance.“

München ist für Nils Schumann „das Topziel“, vom deutschen Rekord von 1:43,65 Minuten will er nicht mehr so viel sprechen. „Davon rede ich schon seit zwei Jahren – jetzt will ich nicht mehr über den Rekord reden sondern ihn laufen.“ Nicht unbedingt gezielt wird er auf Rekordjagd gehen. Denn klar ist, dass ein derartiges Potenzial für Schumann sowieso nötig ist, will er sich seine Ziele im EM-Jahr erfüllen. „Wenn ich bei Meisterschaften gut bin, dann purzeln gute Zeiten sowieso.“ Nicht nur dahingehend könnte André Bucher das Vorbild sein. „Er war in Sydney Fünfter – und nun hat er es ein Jahr später auch geschafft, ganz vorne zu sein“, sagt der WM-Fünfte Nils Schumann.


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