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Finale im Deutschen Cross-Cup 2001

Deutsche Asse halten im internationalen Feld mit

17.12.2001

Sabrina Mockenhaupt und Michael Wolf gut aufgelegt – Trotz Handicap zum Sieg: Edith Masai – Ärger um Jungstar: Wolfram Müller verweigerte auf der Galoppbahn – Finale im Deutschen Cross-Cup – Jan Förster siegt in Maximalpunktzahl bei der Jugend

Bestbesetzung bei den Frauen, couragiertes Auftreten einiger der deutschen Spitzenläufer, mit 999 Teilnehmern Melderekord, bestes Crosswetter – und trotzdem wollte bei den Verantwortlichen der Veranstaltergemeinschaft bei der 8. ASICS-Cross-Challenge auf der Neusser Galopprennbahn keine rechte Freude aufkommen. Jungstar Wolfram Müller war der Stein des Anstoßes. Der 20jährige aus Pirna entschloss sich kurzerhand nach der Streckenbesichtigung nämlich zum Nichtstart. „Die Strecke würde mir schon Spaß machen, aber bei dem tief gefrorenen Boden ist mir das Risiko zu groß. Ich bin gut drauf, habe gute Trainingsergebnisse, bräuchte also vor niemand Angst haben. Doch vor Beginn der Hallensaison und des EM-Jahres habe ich keine Lust, eine Verletzung zu riskieren!“ Gesagt, getan – und die Veranstalter schoben Frust. Schließlich hatten die Challenge-Macher in erster Linie auf das deutsche Multitalent im Kampf gegen die afrikanische Läufergarde gesetzt. „Ich bin tief enttäuscht über das Verhalten von Wolfram Müller!“ wetterte Volker Koch, der sportliche Leiter der Cross-Challenge. „Wenn ich denke, im Cross nicht zurecht zu kommen, dann laufe ich auch keinen. Es ist kein Stil, sich anzumelden, sich als Zugpferd verkaufen zu lassen und dann wegen des gefrorenen Bodens, den zuvor schon Hunderte von Schülern gelaufen waren, den Start abzusagen!“

Zwangsläufig mussten dann vornehmlich die prominenten Läuferinnen aus Kenia für den Höhepunkt einer klasse Crossveranstaltung setzen, der nach Einschätzung vieler Experten einer „kleinen DM“ gleichkam. Letztlich Lob und Anerkennung für die ASICS-Cross-Challenge, die einmal mehr atmosphärischer Finallauf des Deutschen Cross-Cup war. Was wäre aber der Auftritt der Weltklasseathleten Edith Masai und Leah Malot gewesen, wenn nicht eine mit unbändigem Kampfgeist bis auf die lange Zielgeraden unvermindert gegenhaltende Sabrina Mockenhaupt über sich hinaus gewachsen wäre? „Ich wollte allen in Neuss zeigen, was ich tatsächlich drauf habe. Denn bei der EM in Thun lief es wirklich nicht gut bei mir!“ unbekümmert plauderte das nur 1,55 m große Energiebündel aus dem Siegerland über den Husarenstreich, der letztlich doch nur zu Rang drei ausreichte. „Ach, es ist schon ein tolles Gefühl, neben diesen beiden Klasseläuferinnen laufen zu können!“ Aber nicht nur Sabrina Mockenhaupt wusste im Konzert der Elite eine starke Rolle zu spielen, sondern auch Marathonfrau Sonja Oberem, die nach zwischenzeitlich geringem Rückstand in der Schlussrunde sogar wieder zum Führungstrio aufschließen konnte. Im furiosen Finale zwar mit Rang vier vorlieb nehmen musste, aber aufgedreht kommentierte: „Ich habe nicht gedacht, dass ich vier Wochen nach meinem Sieg beim Athen-Marathon meine Beine so schnell bewegen kann!“

Eine kaum messbare Leistung aber zeigte die letztlich im Spurt gegen ihre in drei Rennen ungeschlagene Landsfrau Leah Malot erfolgreiche Edith Masai, die gut und gerne eine (!) Minute nach dem Startschuss erst das Rennen aufgenommen hatte. „Edith hatte den Schlüssel zum Auto nicht gefunden, wo ihre Laufutensilien lagen“, gab Managerin Dorothee Paulmann eine überaus plausible Erklärung. Die Ruhe, die die Cross-WM-Dritte von Ostende allerdings in den Minuten bis zu ihrem eigenen Start bewahrte, das ist schon ein Phänomen für sich. Durch das komplette Frauenfeld arbeitete sich Edith Masai im Sauseschritt letztlich nach vorne und konnte sich in der Schlussrunde sich sogar mit spielerischer Eleganz für den Schlussspurt rüsten. „Ich habe gebetet, dass ich die Spitze noch erreichen würde“ erklärte sie den ungläubig Herumstehenden über ihre Gefühle nach dem verpassten Start.

So sehr sich auch ein glänzend aufgelegter Michael Wolf bemühte, das Husarenstück der Sabrina Mockenhaupt konnte er nicht wiederholen. Dazu „spielten“ die Afrikaner zu sehr mit der Konkurrenz im anspruchsvollen Galopprennbahn-Gelände, der Leverkusener landete aber gleichfalls auf Rang drei hinter dem erstmals im Cross gestarteten Überraschungssieger Sileshi Sihen aus Äthiopien und dem Kenianer Hosea Kipurgat Kogo. „Heute ging es noch einen Schlag besser als in der Vorwoche in Thun. Aber leider ist nun für mich als Marathonläufer die Cross-Saison schon wieder vorbei, denn mein Augenmerk gilt alleine der Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon!“ Michael Wolf legte vom Start weg ein hohes Tempo vor, dem alleine afrikanische Läufer folgen konnten. „Es ist erschreckend, dass ich mit drei Wochen crossähnlichem Training schon die Nummer eins bei uns bin. Das zeigt leider unser derzeitiges Langstreckenniveau“, urteilte gewohnt kritisch Michael Wolf.

Keine Überraschungen gab es im Finallauf des Deutschen Cross-Cup, da die hierzulande die Laufszene dominierenden Läuferinnen wie Irina Mikitenko und Luminita Zaituc wegen anderweitiger Planung bzw. Verletzung nicht oder kaum in Erscheinung traten, sodass in verstärktem Maße die „zweite Reihe“ in der Gesamtwertung zum Zuge kam. In Abwesenheit der stärksten deutschen Langstrecklerinnen holte sich die 20jährige Tina Tremmel aus Eckmannshausen den Deutschen Cross-Cup bei Frauen, zudem auch in der Klasse der Juniorinnen. Bei den Männern blieb der in Neuss nur auf Rang zwölf einlaufende Oliver Mintzlaff in der Punktewertung vor dem in Köln und Darmstadt siegreichen Mario Kröckert vorne, der wegen Erkrankung in Neuss fehlte. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ Jan Förster bei der männlichen A-Jugend, der nach dem deutschen Crosstitel im Frühjahr in Regensburg die im Herbst ausgetragenen Wettbewerbe in Köln, Darmstadt und nun auch in Neuss mit zum Teil erheblichen Vorsprung gewann und somit die Maximalpunktzahl erreichte. In Abwesenheit der U 20-EM-Dritten Antje Hoffmann (Halle) gewann Michaela Schedler die A-Jugendklasse, während die in Neuss als schnellste Jugendliche auftrumpfende 17jährige Claudia Kahl (Rostock) B-Jugend-Gewinnerin wurde.

Wilfried Raatz


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