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Die Läufe bei den Hallen-EM in Wien (1)

Ein Favorit stolpert, ein anderer gewinnt

03.03.2002

Im 3000-m-Rennen der Männer bei den Hallen-Europameisterschaften in Wien stolperte der Favorit, im 1500-m-Finale der Männer gewann der Favorit. Schon kurz nach dem Start fand sich ein Goldfavorit auf dem Boden der Tatsachen wieder: Cross-Weltmeister Mohammed Mourhit, der aus Marokko kommende Langstreckenstar, der seit Juli 1997 die belgische Staatsbürgerschaft besitzt, geriet im großen Pulk der 14 Läufer ins Stolpern und fiel. Der 31-Jährige rappelte sich zwar sofort wieder auf und lief weiter, doch am Ende dürfte genau diese Kraft gefehlt haben, um in den Medaillenkampf über 3000 m eingreifen zu können. So ging der Europarekordler über 3000 m leer aus und lief schließlich auf Rang sechs.

Als die ersten 1000 m in 2:38,96 Minuten gelaufen waren, hatte der Schwede Joakim Johansson sich als Zugpferd für die Favoriten zur Verfügung gestellt. Gleich hinter ihm lief der spätere Sieger Alberto Garcia. Bei 1200 m ging der Spanier zum ersten Mal in Führung, während der Schwede durchgereicht wurde. Inzwischen hatte Mourhit sich wieder in Position gebracht und lief hinter Garcia. Nachdem er eine Runde führte, übernahm der Spanier wieder die Initiative. 800 Meter vor dem Ziel begann sich Garcia von seinen Konkurrenten zu lösen, während Mourhit knapp vor dem Briten John Mayock lief. Die beiden tauschten dann die Plätze. Der Belgier fiel zurück, und von hinten kam Antonio Jimenez heran. Während Garcia nun einem sicheren Sieg entgegenlief, überholte Jimenez 250 Meter vor dem Ziel Mayock, der auch noch mit dem dritten Spanier kämpfen musste. Zeitgleich rettete der Brite schließlich eine Bronzemedaille, die auch Jesus Espana erhielt. „Dies ist ein historischer Triumph für Spanien, wir haben gezeigt, dass wir an der Spitze in Europa stehen“, sagte Alberto Garcia.

Über 1500 m setzet sich der Favorti durch: Der Jahresweltbeste Rui Silva hatte schließlich auch im EM-Finale die Nase vorne. In einem langen Spurt gewann der Portugiese das 1500-m-Finale von Wien und einen iberischen Zweikampf gegen Juan Higuero. Silva lief 3:49,93 Minuten, der Spanier kam in 3:50,08 ins Ziel. Überraschend sicherte sich der Brite Michael East in 3:50,52 die Bronzemedaille. „Ich hatte den Eindruck, dass ich nicht in Topform war, weil ich nicht genügend Schnelligkeitstraining gemacht habe. Aber am Ende sah ich nicht schlecht aus“, sagte der 24-jährige Portugiese, der vor einem Jahr in Lissabon auch den WM-Titel über die 1500 m gewonnen hatte.

Der Spanier hatte das Feld während des großen Teils des Rennens angeführt. Higuero leistete die Arbeit, während sich hinter ihm in Lauerstellung neben Silva auch der Ire James Nolan und Michal Sneberger positionierten. Über mehrere Runden hinweg änderte sich an dieser Reihenfolge nichts. Und am Ende konnte nur der Portugiese von der günstigen Ausgangsposition profitieren. 400 Meter vor Ende des langsamen Rennens zog Higuero das Tempo an. Doch sein Spurt war nicht stark genug, um Silva hinter sich zu halten. 250 Meter vor dem Ziel zog der Portugiese auf der Zielgeraden am Spanier vorbei, ging als erste in die Kurve und gab diese Führung nicht mehr ab. Auf der Zielgeraden schien es kurzzeitig, als ob der Spanier noch einmal eine Chance haben könnte. Doch Silva hielt gegen und gewann. „Ich kann natürlich mit der Silbermedaille zufrieden sein, aber eigentlich kam ich hierher, um zu gewinnen“, sagte Higuero. „In einem taktischen Rennen habe ich bewiesen, dass ich im Endspurt genauso schnell bin wie alle anderen auch“, sagte der Brite Michael East zu seine Bronzemedaille. Deutsche Teilnehmer waren weder über 1500 m noch über 3000 m der Männer am Start.


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