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Die Läufe bei den Hallen-EM von Wien (2)

Ceplak schlägt Graf in Weltrekordzeit und auch Bucher verliert

05.03.2002

Es war nicht der Tag der großen Favoriten. Unmittelbar vor beginn der Hallen-EM in Wien waren Österreichs Sportstar Steffi Graf und der Schweizer Weltmeister Andre Bucher noch als Europas Sportler des Jahres ausgezeichnet worden. Doch am Sonntag wurden beide zu den größten Verlierern der Titelkämpfe. In einem mitreißenden 800-m-Rennen vor einem tobenden österreichischen Publikum schien Steffi Graf schon auf dem Weg zum Sieg. Doch auf den letzten Metern schob sich überraschend noch Jolanda Ceplak an ihr vorbei. Die Slowenin, die noch im letzten Jahr bei den Weltmeisterschaften in Edmonton im Halbfinale ausgeschieden war, siegte in der Weltrekordzeit von 1:55,82 Minuten mit nur drei Hundertstelsekunden Vorsprung vor Steffi Graf. Und schon bald darauf gab es den zweiten großen Favoritensturz. Andre Bucher führte deutlich, als es in die letzte Runde ging, doch am Ende blieb auch ihm nur Rang zwei. Obwohl er mit 1:44,93 Minuten einen Schweizer Hallenrekord aufstellte. Überspurtet wurde Bucher vom Polen Pawel Czapiewski, der in 1:44,78 gewann. Der Pole hatte bereits bei der WM in Edmonton Bronze gewonnen.

Mit einer Überraschung endete das 1500-m-Finale der Frauen. Denn die Russin Jekaterina Puzanowa hatte wohl kaum jemand auf der Rechnung. Schließlich lag sie gerade einmal an elfter Stelle der europäischen Bestenliste. Doch am Ende war sie in Wien die Nummer eins und gewann in persönlicher Bestzeit von 4:06,30 Minuten. Verzichtet hatte die vermeintliche Favoritin Carla Sacramento. Doch wer weiß, ob die Portugiesin in dem langen Spurt gegen die Russin eine Chance gehabt hätte. Puzanowas Landsfrau Olga Komjagina bestimmte lange Zeit die Pace in diesem Finale. In 2:13,24 Minuten hatte sie die 800 m passiert, nach 1200 m und 3:20,31 führte sie immer noch. Und dann forcierte Komjagina das Tempo, so dass das Feld auseinander riss. Nun schob sich Puzanowa, die gemeinsam mit der dritten Russin Julia Kosenkowa hinter Komjagina gelaufen war, nach vorne und zog einen langen Spurt an. Dabei konnte nur die Rumänin Elena Iagar folgen, doch an der russischen Hallenmeisterin, die auch den nationalen 800-m-Titel gewonnen hatte, kam sie nicht mehr vorbei. 100 Meter vor dem Ziel versuchte sie es, aber die erst 23-jährige Russin hielt erstaunlich stark gegen. „Ich bin selbst von meinem Sieg überrascht. Ich wusste aber, dass ich nur mit einem langen Spurt eine Chance haben würde. An Gold habe ich aber erst auf den letzten 50 Metern gedacht“, sagte Jekaterina Puzanowa, die auch in München eine Rolle spielen dürfte. Elana Iagar, die 1999 in Sevilla schon einmal WM-Sechste über die 1500 m war, war zufrieden mit ihrer Silbermedaille in 4:06,90. „Ich mag diese Hallenrennen nicht sonderlich. Denn die engen Kurven liegen mir nicht“, erklärte die Rumänin. Sie sei vor allen Dingen zufrieden, weil sie dichter an die Goldmedaille herangekommen ist als vorher erwartet.

Dreimal hintereinander hatte sie bei den Hallen-Europameisterschaften über 3000 m eine Bronzemedaille gewonnen. Nun stand sie zum ersten Mal ganz oben auf dem Treppchen: Die Spanierin Marta Dominguez gewann die 3000 m in Wien in 8:53,87 Minuten. Im Schlussspurt gewann sie dabei das iberische Duell gegen die Portugiesin Carla Sacramento, die sich gegen einen Start über 1500 m entschieden hatte und sich stattdessen nur auf diesen einen Lauf über 3000 m konzentrierte. Ihre Favoritenposition konnte Carla Sacramento, die im vergangenen Jahr bei den Weltmeisterschaften in der Halle und in Edmonton jeweils den vierten Rang belegt hatte, jedoch nicht in eine Goldmedaille umwandeln. Neun Hundertstelsekunden hinter der Spanierin lief Sacramento durch das Ziel.

Die Spanierin hat sich diesen Titel allerdings während des Rennens redlich erarbeitet. Denn sie machte von Beginn an die Pace, auch wenn das Tempo mit Zwischenzeiten von 3:09,48 Minuten (1000 m) und 6:05,56 (2000 m) lange Zeit recht gemächlich war. Etwa nach der Hälfte des Rennens hatte Dominguez, die in Edmonton über 5000 m Silber gewonnen hatte, etwas beschleunigt. Und allmählich begann sich das Feld der 17 Läuferinnen auseinander zu ziehen. Mitten drin lief Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg), die nach der Tempoverschärfung ein Stück zu weit zurückgefallen war. Zwischenzeitlich an zehnter Stelle laufend, versuchte sie eine größere Lücke zu schließen, was aber nicht mehr gelingen konnte. Zwei Plätze machte sie noch gut, aber am Ende kam nur Rang acht in 9:03,82 Minuten heraus. An der Spitze machte Dominguez unverändert Druck, so dass ihr nur noch Sacramento folgen konnte. Doch vorbei kam die Portugiesin nicht mehr. „Dies ist ein wertvoller Sieg, denn ich habe gute Athletinnen geschlagen“, sagte die Spanierin, während Sacramento meinte: „Ich hätte nicht gedacht, dass Dominguez einen derart guten und langen Sprint hat.“


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