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Baumann: „Eine Liebeserklärung zum Laufen“

Deutsche Crosslaufmeisterschaft in Regensburg

10.03.2002

Eigentlich ist es wie immer. Wenn Dieter Baumann irgendwo auftritt, dann passiert etwas. Spektakuläres und/ oder schlichtweg eine Laufdemonstration par excellance. Die Medien reißen sich um Wortfetzen des deutschen Vorläufers. So war es jahrein, jahraus. Gestern wie heute. Doch die beiden Jahre zwangsverordneter Auszeit haben den Dieter Baumann von früher zwangsläufig nachdenklich gemacht, die Wortwahl deutlich akzentuiert, abwägend und differenzierend. Beobachter der deutschen Crossmeisterschaften in Regensburg haben den Tübinger primär als Läufer erlebt und weniger als kritischer Geist, als unermüdlichen Kämpfer wider das Doping und hartnäckigen Streiter in eigener Sache. Und das hat der inzwischen 37jährige deutsche Vorläufer unmissverständlich klar gemacht. Die Demonstration eigener Leistungsfähigkeit trotz zweijähriger Wettkampfabstinenz ist eindrucksvoll gelungen, die vermeintliche Konkurrenz hat die Hacken des geliebt-(vor)verurteilten Schwaben einmal mehr nur gesehen. Wo sind sie nur geblieben, die jungen Wilden? Es war ein laues Zucken, nicht mehr und nicht weniger. Über die Entwicklung des deutschen Langstreckenlaufens muss man sich freilich nicht erst seit der Wiederkehr von Dieter Baumann Gedanken machen. Es ist freilich das legitime Recht des Olympiasiegers, nach den schweren Monaten primär seine eigene Chancen auszuloten und diese auch mit aller Konzentration wahrzunehmen.

Auf dem idealen Crossparcours des Unigeländes hat Dieter Baumann seine Chance eindrucksvoll genutzt. Drei Wochen nach der Konfrontation mit einer Hundertschaft potenzieller Weltklasseläufer bei den Kenia-Trials und Rang fünfundachtzig (!) ist Dieter Baumann auf das nationale Terrain zurückgekehrt und hat alle vermeintlichen Höhenflügler Lügen gestraft, die sich schon im Aufbruch zu neuen Ufern gesehen haben. In Regensburg ist Baumann zum dritten Male nationaler Crossmeister geworden, wie immer waren die Abstände groß. Der Olympiasieger von Barcelona hat sich in Regensburg in einer guten Form präsentiert. „Ich kann es mir nicht mehr leisten, mich hier bei einem Rennen zu zeigen und schlecht zu laufen. Deshalb werde ich mich für jedes Rennen präpariert zeigen. Natürlich habe ich einen kleinen Spagat in meiner Vorbereitung auf den Hamburg-Marathon gemacht. Doch Cross ist in der Regel eine gute Vorbereitung. Nach dem vierwöchigen Trainingslager in Kenia kann ich aber sagen, ich bin gut erholt und mit meiner Leistung zufrieden!“

Freimütig gesteht er ein, dass der Kopf nicht völlig frei ist. Vor allem, wenn Gerichtstermine in doppelter Marathonlänge wie am letzten Donnerstag anstehen („Das war sehr anstrengend!“) – aber eines hat Dieter Baumann schon eh und je meisterhaft verstanden, die Konzentration auf einzelne Events. Und so möchte er es auch fürderhin halten.

Der Blick ist voraus gerichtet, auf das Marathondebüt. Und die Erwartungshaltung vor dem großen Frühjahrshit zwischen Messe, den Landungsbrücken und der Alster? „Ich bleibe dabei, es gibt keinen genauen Fahrplan. Ich möchte einfach keinen Druck erzeugen und lasse mir auch keinen Druck machen. Ich laufe für mich!“ Punkt aus und basta. Die European 10 000 m-Challenge im italienischen Camaiore will Baumann am 7. April nicht „auf Biegen und Brechen“ laufen, sondern nur als Zwischenetappe auf dem Weg nach Hamburg, zum Marathondebüt. Die 10 000 m-Strecke wird der Tübinger freilich nicht gänzlich aus dem Auge verlieren, sondern sie fester denn je ins Kalkül geziehen. Schließlich kann ein bestvorbereiteter Dieter Baumann im Münchener Olympiastadion nach der europäischen Langstreckenkrone greifen, die Chancen dazu stehen selten so gut. Mit Siebenunddreißig hat auch ein Schriftsteller Dieter Baumann noch (Läufer)Träume.

Wilfried Raatz (aus Leichtathletik 11/2002)


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