42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

Weitere Veranstaltungen

News

Der New York City Marathon 2001

Gedanken von Allan Steinfeld

30.03.2002

Allan Steinfeld ist Race Director vom New York City Marathon. Im folgenden Beitrag, exclusiv für den real,- BERLIN-MARATHON geschrieben, fasst er seine Gedanken zu der Durchführung seines Laufes nach den Ereignissen des 11. September 2001 zusammen. Allan Steinfeld war auch anlässlich des 28. real.- BERLIN-MARATHON und des Meetings der AIMS Board of Directors Vereinigung in Berlin. Er hielt vor dem Start des 28. real,- BERLIN-MARATHON am 30. September 2001 eine kurze Ansprache an die Teilnehmer des Laufes, die zum Gedenken an den 11. September ein grosses Banner (40 m x 25 m - gesponsert von der Bewag) mit den Logos der Läufe von New York City und Berlin und den Worten „UNITED WE RUN“ über ihren Köpfen trugen. Zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit gab er den Startschuss ab. Allan Steinfeld ist links auf dem Bild zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister und dem Race Director des real,- BERLIN-MARATHON Horst Milde zu erkennen. Das Banner wurde auch beim New York City Marathon am 4. November 2001 zunächst von über 50 Race Directors aus aller Welt am Start an der Verrazano Narrows Bridge gemeinsam gehalten und dann, dekorativ für das Fernsehen aus aller Welt, auf dem Boden geschützt zwischen den vielen Bussen ausgebreitet, die die Teilnehmer zum Start brachten.

Ein Tag, den wir nie vergessen
Der Morgen des 11. September war sonnig und warm, ganz so wie die Tage zuvor. Es war 8.50 Uhr, und ich saß im Taxi, das mich zur Arbeit brachte. Plötzlich kam im Radio die Meldung, dass ein Flugzeug am World Trade Center zerschellt sei.
Ich war zwar entsetzt, glaubte zunächst aber, es würde sich vielleicht um eine ein- oder zweimotorige Propellermaschine mit nur wenigen Passagieren handeln. Erst als ich im Büro ankam und dort alle um den Fernseher herum standen, wurde mir bewusst, dass wir Zeugen eines Ereignisses wurden, das uns alle für immer prägen und verändern würde. Ich erinnere mich noch, wie wir alle am Fernsehbildschirm klebten und Szenen wie aus einem Horror- oder Science-Fiction-Film verfolgten, jedoch im schrecklichen Bewusstsein, dass die Bilder Wirklichkeit waren.

New York City Allan Steinfeld, Klaus Wowereit, Horst Milde 2001

Später am Nachmittag machte ich einen Lauf um das Staubecken im Central Park, und immer wieder ging mein Blick Richtung Süden, wo ein brauner Schleier aus Rauch und Asche aus der Feuersbrunst aufstieg, und als der Wind drehte, spürte auch ich den beißenden Rauch in der Kehle. Die Tage, die folgten, waren voller Verzweiflung und Tränen. Die Zahl der Toten wuchs stündlich, und immer neue Geschichten von Familien, die im Ungewissen über das Schicksal ihnen nahe stehender Menschen waren, kamen uns zu Ohren.

Am Sonntag, dem 16. September, wollten wir im Central Park einen Benefizlauf für den Kampf gegen Brustkrebs veranstalten, für den bereits 30 000 Frauen gemeldet hatten. Aus Sicherheitsgründen musste der Lauf jetzt jedoch abgesagt werden. Erst in diesem Moment dachten wir in Sorge an unseren Marathon, denn plötzlich wurde uns klar, dass er ebenso den Sicherheitsbedenken zum Opfer fallen könnte. Sogleich rief ich bei der Stadtverwaltung an, um zu erfahren, ob es in dieser Hinsicht bereits Überlegungen gab. Ein paar Tage später erreichte uns die Antwort, dass der Marathon stattfinden kann, vorausgesetzt jedoch, es würde keine weiteren Anschläge geben. Zumindest konnten wir jetzt alle erst einmal durchatmen.

Allerdings erfuhren wir noch am gleichen Abend aus den Nachrichten, dass auf Pier 94 – dem Gelände für unsere Marathonmesse – die Notfallzentrale eingerichtet wird, die als Anlaufpunkt für all diejenigen dienen sollte, die seit dem 11. September Angehörige vermissten. Die Leute kamen mit Fotos, ließen DNA-Proben nehmen oder brachten Kleidung und Decken für Überlebende. Wir setzten uns wieder mit der Stadt in Verbindung, und da niemand wusste, ob der Pier für den Marathon wieder zur Verfügung stehen würde, suchten wir gemeinsam fieberhaft nach einer Alternative. Schließlich fanden wir ein Ausweichquartier im Javits Center, wo ganz früher einmal die Marathonmesse stattgefunden hatte. Damit hatten wir eine wichtige Hürde genommen, ohne uns die Knie aufzuschlagen.

Unsere Rennvorbereitung ging nun ihren Gang, mit einigen kleinen Änderungen hier und da. Ende September kam der Vorschlag, dass ich zum AIMS-Treffen nach Berlin fliegen sollte. Viele Leute rieten mir jedoch dringend davon ab, ein Flugzeug zu besteigen. Ich dachte kurz darüber nach und antwortete ihnen: „Wie sollen wir Läufer aus aller Welt zur Teilnahme an unserem Lauf und damit zur Unterstützung unserer Stadt und unseres Landes bewegen, wenn wir selbst Angst vorm Fliegen haben?" Die Entscheidung war also nicht schwer. Ich hatte große Hoffnung, dass mein Erscheinen in Berlin der Welt zeigen könnte, dass die Terroristen nicht gesiegt hatten und uns auch nie besiegen würden.

Die vom BERLIN-MARATHON ausgehende Unterstützung für New York war überwältigend. Ganz besondert bewegt war ich von dem riesigen Banner, dass neben den Logos der Marathonläufe von Berlin und New York die Aufschrift „UNITED WE RUN“ trug. Jener Tag in Berlin war eine Inspiration -– ein Tag, den ich nie vergessen werde. Voller Enthusiasmus kehrte ich anschließend nach New York zurück.

Der 4. November wurde zu einem Tag, der in die Geschichte der Leichtathletik eingeht. Zweieinhalb Millionen Menschen waren an diesem Tag in New York auf den Straßen, um die Läufer aus aller Welt anzufeuern, die mit ihrer Teilnahme an unserem Lauf demonstrieren wollten, dass sie sich vom Terrorismus weder aufhalten noch einschüchtern lassen. Zum ersten Mal seit den tragischen Ereignissen konnte die Stadt ihren aufgestauten Emotionen freien Lauf lassen und der zuschauenden Welt zeigen, wer wir wirklich sind: ein tapferes, unbeugsames Volk.

Das “United We Run”-Banner wurde von den Renndirektoren aus vielen Ländern entrollt, so dass es alle Welt sehen konnte. Als vor dem Start die amerikanische Nationalhymne erklang, war wohl jeder auf der Verrazano-Bridge tief bewegt. Im Anschluss daran ließen wir die Friedenstauben aufsteigen, bevor die Kanone abgefeuert wurde und der New York City Marathon begann.

Allan Steinfeld
Race Director
NYC-Marathon


Weitere News

25.10.2014 Hannes Liebach und Karsta Parsiegla siegten beim 51. Cross Country Lauf
23.10.2014 Videonews: Wie der Wilde Westen der Cross Days entsteht
21.10.2014 Vattenfall BERLINER HALBMARATHON 2015: Bereits 20.000 Startplätze belegt
16.10.2014 BMW BERLIN-MARATHON 2015: Die Registrierung zum Anmeldeverfahren dauert vom 18. Oktober bis 2. November 2014

Noch mehr News finden Sie in unserem Newsarchiv

Sponsoren des 42. BMW BERLIN-MARATHON Wobenzym plus BMW AOK Adidas Erdinger Alkoholfrei Holiday Inn Germanwings Here Maps

Anzeige

Anzeige