41. BMW BERLIN-MARATHON am 28. September 2014

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Drei große Debüts bei zwei großen Marathonläufen:

Haile Gebrselassie und Paula Radcliffe in London

09.04.2002

Der London-Marathon am kommenden Sonntag wird einmal mehr der bestbesetzte Lauf über die klassischen 42,195 km des Jahres sein. In London gibt es das Marathon-Debüt schlechthin: Dort läuft Äthiopiens Superstar Haile Gebrselassie zum ersten Mal die klassische Distanz. Es ist die letzte Distanz die dem 28-Jährigen noch fehlt, der aber natürlich schon jetzt zu den größten Langstreckenläufern der Leichtathletik-Geschichte zählt. Noch ein anderes hochinteressantes Debüt findet in London statt: Die Engländerin Paula Radcliffe, ebenso wie Haile Gebrselassie Halbmarathon-Weltmeisterin, wird ebenfalls zum ersten Mal einen Marathon rennen. Vor heimischem Publikum zählt sie ebenso wie Haile Gebrselassie zu den großen Favoriten.

Und auch der dritte große Marathon-Debütant in diesem Frühjahr dürfte ähnliche gute Chancen wie Gebrselassie und Radcliffe auf einen Sieg haben, auch wenn er davon wohl eher nichts wissen will: Dieter Baumann startet in Hamburg am 21. April bei seinem ersten Marathon.

Dass der erste Marathon durchaus ein voller Erfolg auf Anhieb werden kann, beweisen einige prominente Beispiele. Da ist eine Tegla Loroupe, die 1994 ihr Debüt auf der anspruchsvollen New Yorker Strecke gewann. Zwei Jahre später siegte beispielsweise Abel Antón beim BERLIN-MARATHON. Der Spanier wurde danach zweimal in Folge Marathon-Weltmeister. 1997, ebenfalls beim BERLIN-MARATHON, gewann die Irin Catherina McKiernan und lief dabei mit 2:23:44 Stunden das bis dahin schnellste Marathon-Debüt. Die Weltklasseläuferin steigerte sich später noch auf 2:22:23 Stunden, hatte aber in den letzten Jahren Verletzungspech. Und noch ein gutes Beispiel für ein erfolgreiches Debüt sei genannt: Yoko Shibui verbesserte vor einem Jahr als Siegerin in Osaka den „Debüt-Weltrekord“ von Catherina McKiernan auf 2:23:11. Später wurde die 23-jährige Japanerin, die in ihrer Heimat als große neue Marathon-Hoffnung gilt, Vierte bei der WM. Kein Grund also für Gebrselassie, Radcliffe und Baumann tief zu stapeln. Die drei haben eine vielversprechende Grundlage und dürften sicherlich entsprechend umfangreich und zielgerichtet für ihr Debüt trainiert haben.

Doch der Marathon-Monat April steht natürlich auch im Zeichen der breitensportlichen Läufer. Zu keiner anderen Jahreszeit laufen derartig viele Menschen die 42,195 km. Auch hier führt der London-Marathon die Liste an. Nur in der britischen Metropole erreichten im vergangenen Jahr wie schon im Jahr 2000 über 30.000 Läufer das Ziel. Beim zurzeit größten Marathonrennen der Welt haben sich dieses Mal 70.000 Athleten um eine Startnummer beworben. Die begehrten Nummern werden bereits rund ein halbes Jahr vor dem Rennen verlost - allerdings gilt dies nur für dieses Mal 45.000 Nummern. Der Rest geht leer aus und kann es in diesem Herbst für 2003 erneut versuchen. Dass von den 45.000 verlosten Nummern letztlich nur etwa 32.000 im Ziel erwartet werden, hängt damit zusammen, dass im Laufe der Monate etliche der Läufer aus verschiedenen Gründen (Verletzungen, schlechtes Training etc.) wieder ausfallen.

Knapp 30.000 Meldungen verzeichnete der zweitgrößte Frühjahrs-Marathon in Paris. Dort gab es am vergangenen Sonntag Jahresweltbestzeiten durch den Franzosen Benoit Zwierzchlewski in 2:08:18 Stunden sowie Marleen Renders. Die Belgierin meldete sich mit hervorragenden 2:23:05 Stunden, einem belgischen Rekord, in der Weltspitze zurück.

Die Veranstalter des Boston-Marathons, die traditionell wieder die beiden Vorjahressieger Bong-Ju Lee (Korea) und Catherine Ndereba (Kenia), die in Chicago zuletzt die Weltbestzeit auf 2:18:47 steigerte, eingeladen haben, sehen ihr Rennen eher als leistungssportlichere Veranstaltung. Aufgrund sehr anspruchsvoller Qualifikationszeiten in allen Altersklassen hält sich die Starterzahl dadurch automatisch in Grenzen, zudem gab es zuletzt bei 15.000 Startern ein Limit. Nur einmal gab es in Boston ein Ausnahme: Beim 100. Boston-Marathon 1996 gab es keine Limits und einen Rekord, der heute noch steht. Damals starteten 38.706 Läufer, von denen 35.868 das Ziel erreichten.

Eine enorme Entwicklung hat der Hamburg-Marathon in den letzten Jahren gemacht. Es ist erst vier Jahre her, da zählte der zweitgrößte deutsche Marathon rund 10.000 Meldungen, seit dem vergangenen Jahr sind es mit gut 18.000 Läufern und über 2000 Inline-Skatern rund doppelt so viele. Ohne Teilnehmerlimit wären die Meldezahlen sogar noch deutlich höher gewesen. „Das Limit von 18.000 Läufern war bereits Ende Januar erreicht, wir hätten aber auch 24- bis 25.000 Teilnehmer haben können. Inzwischen mussten wir einige tausend Läufer auf das nächste Jahr vertrösten“, erzählt der Hamburg-Marathonchef Wolfram Götz.

Im nächsten Jahr wird es allerdings voraussichtlich noch schwerer, in Hamburg eine Startnummer zu ergattern, denn Wolfram Götz kündigt Veränderungen an: „Wir werden ein neues Auswahlverfahren einführen und tendieren dazu, das Limit in Richtung 15.000 Läufer nach unten zu schrauben.“ Genaueres ist aber noch nicht entschieden. Offenbar sind die Hamburger jetzt an ihrem absoluten Limit und fürchten möglicherweise bei zu großen Feldern um die Qualität der Veranstaltung.

„Ich habe keine Erklärung dafür“, antwortet Wolfram Götz auf die Frage nach den Gründen des Lauf-Booms. „Vielleicht liegt es daran, dass das Laufen ein einfach zu betreibender Sport ist – man kann es zu jeder Zeit überall machen.“ Dass die mit dem Rekordetat von 1,8 Millionen Euro ausgestattete Veranstaltung wieder nicht live im Fernsehen sondern nur eine Stunde nachmittags ab 15 Uhr im NDR gezeigt wird, ist für Wolfram Götz nicht unbedingt ein Nachteil. „Die Nachmittagssendung hat zuletzt sehr gute Quoten gehabt. Und ich fürchte, dass uns die Zuschauer bei einer Live-Übertragung an der Strecke fehlen.“ Und mit Dieter Baumann gibt es ja in diesem Jahr einen außergewöhnlichen Höhepunkt zu sehen. Der 5000-m-Olympiasieger von 1992 könnte lachender Dritter sein, während es zwischen den Kenianern Joseph Ngolepus und William Cheruiyot um eine kleine Revanche geht: Im vergangenen September gewann Ngolepus nämlich vor Cheruiyot den real,- BERLIN-MARATHON. Völlig außer Reichweite sollten diese beiden für Dieter Baumann eigentlich nicht sein.

Bei den Frauen darf man dagegen schon fast von einem deutschen Sieg ausgehen, was in Hamburg eine gewisse Tradition hat. Dabei gibt es ein interessantes Duell, denn Vorjahressiegerin Sonja Oberem trifft auf die Frankfurt-Marathon-Siegerin Luminita Zaituc. Und im Rennen ist auch die real,- BERLIN-MARATHON-Dritte Kathrin Weßel vom SCC Berlin. „Ich hätte auch gerne starke deutsche Läufer im Bereich von 2:10 Stunden“, sagt Wolfram Götz und fügt hinzu: „Aber es gibt ja keinen.“ Doch vielleicht ändert sich das ja bald.

Der Lauf, der den vermeintlich übermächtigen Konkurrenten aus London und Boston in den letzten Jahren häufiger die Show gestohlen hat, ist der Rotterdam-Marathon. Auf den ersten Blick sieht die Starterliste des Laufes am 21. April nicht nach einem großen Knaller aus. Doch die schnelle Strecke und eine perfekte Koordination der Tempomacher haben auch im vergangenen Jahr die Jahresweltbestzeit durch Josephat Kiprono (Kenia/2:06:50) produziert. „Die erste Hälfte wird etwa in 63:30 Minuten gelaufen. Da sich die zweite Hälfte von der Strecke her etwas einfacher läuft, hoffen wir auf eine Zeit im Bereich zwischen 2:06:30 und 2:07:00“, sagt Edgar de Veer, der in Rotterdam für die Topathleten zuständig ist.

Während der Jahresweltbeste von 2001, Josephat Kiprono, am 14. April beim Jeong-Ju-Marathon in Südkorea ebenso an den Start geht wie Vorjahressieger Samson Kandie (Kenia), muss die Olympiasiegerin passen. Naoko Takahashi (Japan), die in Berlin als erste unter 2:20 gelaufen war, laboriert noch an einer Knöchelverletzung.

An Klasse nicht zu überbieten ist der London-Marathon. Nie zuvor gab es bei einem City-Marathon bei den Männern ein derartiges Starterfeld. Der Start des Olympiasiegers Gezahegne Abera (Äthiopien) ist zwar aufgrund eines Verletzungsproblems eher unwahrscheinlich. Doch im Rennen sind Khalid Khannouchi (USA), der die Weltbestzeit von 2:05:42 Stunden hält, der Vorjahressieger Abdelkader El Mouaziz (Marokko), der Streckenrekordhalter António Pinto (Portugal/2:06:36) und natürlich der Debütant Haile Gebrselassie. Und in einem Rennen mit dem äthiopischen 10.000-m-Olympiasieger darf natürlich auch Paul Tergat (Kenia) nicht fehlen, der vor einem Jahr in London bei seinem Debüt als Zweiter 2:08:15 Stunden gelaufen war. Auch das Frauenrennen ist erstklassig besetzt mit der Vorjahressiegerin und 10.000-m-Olympiasiegerin Derartu Tulu (Äthiopien) sowie den beiden Kenianerinnen Joyce Chepchumba (London-Siegerin 1997 und ’99) und Susan Chepkemei (Rotterdam-Siegerin 2001). Dazu kommt dann die große britische Hoffnung, Paula Radcliffe. Besser geht es nicht, möchte man meinen.

 

HIER LAUFEN DIE STARS:

London-Marathon (14. April)
Vorauss. Starterzahl: 33.000
Siegprämie: 55.000 Dollar
Weltrekordprämie: 180.000 Dollar
Streckenrekordler: António Pinto (Portugal/2:06:33/2000), Ingrid Kristiansen (Norwegen/2:21:06/1985)

Favoriten: Abdelkhader El Mouaziz (Marokko/2:07:11), Paul Tergat (Kenia/2:08:15), Khalid Khannouchi (USA/2:05:42), António Pinto (Portugal/2:06:36), Tesfaye Jifar (Äthiopien/2:06:49), Tesfaye Tola (Äthiopien/2:06:57), Japhet Kosgei (Kenia/2:07:09), Stefano Baldini (Italien/2:07:57), Philip Tarus (Kenia/2:08:30), Tsuyoshi Ogata (Japan/2:10:06), Gezahegne Abera (Äthiopien/2:07:54/Start fraglich), William Kiplagat (Kenia/2:06:50), Haile Gebrselassie (Äthiopien/Debüt).
Favoritinnen: Derartu Tulu (Äthiopien/2:26:09), Joyce Chepchumba (Kenia/2:23:22), Susan Chepkemei (Kenia/2:25:12), Malgorzata Sobanska (Polen/2:26:08), Reiko Tosa (Japan/2:24:36), Swetlana Zakharowa (Russland/2:24:04), Ludmila Petrowa (Russland/2:25:45), Shitaye Gemechi (Äthiopien/2:28:40), Paula Radcliffe (Großbritannien/Debüt).

Boston-Marathon (15. April)
Vorauss. Starterzahl: 14.000
Siegprämie: 80.000 Dollar
Weltrekordprämie: 50.000 Dollar
Streckenrekordler: Cosmas N’Deti (Kenia/2:07:15/1994), Uta Pippig (Deutschland/2:21:45/1994)
Favoriten: Bong-Ju Lee (Korea/2:07:20), Silvio Guerra (ECU), Joshua Chelanga (Kenia).
Favoritinnen: Catherine Ndereba (Kenia/2:18:47), Margaret Okayo (Kenia/2:24:21), Esther Wanjiru (Kenia/2:23:31).

Rotterdam-Marathon (21. April)
Vorauss. Starterzahl: 10.000
Siegprämie: abhängig von Siegzeit
Weltrekordprämie: 250.000 Euro
Streckenrekordler: Belayneh Dinsamo (Äthiopien/2:06:50/1988) und Josephat Kiprono (Kenia/2:06:50/2001), Tegla Loroupe (Kenia/2:20:47/1998)
Favoriten: Kenneth Cheruiyot (Kenia/2:07:18), Simon Biwott (Kenia/2:07:41), Elijah Lagat (Kenia/2:07:41), Sammy Korir (Kenia/2:08:02), José García (Spanien/2:08:40).
Favoritinnen: Takami Ominami (Japan/2:26:04), Junko Akari (Japan/2:28:49), Simona Staicu (Ungarn).

Hamburg-Marathon (21. April)
Vorauss. Starterzahl: 17.000
Siegprämie: 15.000 Euro
Weltrekordprämie: ----
Streckenrekordler: Julio Rey (Spanien/2:07:46/2001), Katrin Dörre-Heinig (Deutschland/2:24:35)
Favoriten: Joseph Ngolepus (Kenia/2:08:47), William Cheruiyot (Kenia/2:08:48), Henry Cherono (Kenia/2:10:37), Dieter Baumann (Deutschland/Debüt)
Favoritinnen: Sonja Oberem (Deutschland/2:26:13), Luminita Zaituc (Deutschland/2:26:01), Kathrin Weßel (Deutschland/2:28:27)


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