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Khalid Khannouchi: Zwei Idole geschlagen und Weltrekord gerannt

„Ich hatte nicht vor, hier einen Weltrekord zu rennen."

14.04.2002

„Heute hatte ich am Ende etwas mehr Kraft, das war entscheidend“, sagte der 30-jährige Khalid Khannouchi, nachdem er den London-Marathon in der Weltbestzeit von 2:05:38 Stunden gewonnen hatte. Der inzwischen für die USA startende, aus Marokko stammende Khannouchi, der vor seiner Läuferkarriere in New York unter anderem als Tellerwäscher arbeitete, machte sich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre als erfolgreicher Straßenläufer in den USA einen Namen. Auf Anhieb gewann er 1997 den Chicago-Marathon in 2:07:10 Stunden.

„Ich hatte nicht vor, hier einen Weltrekord zu rennen. In einem derartigen Rennen wie in London geht es nur um den Sieg, das ist wie bei den großen Meisterschaftsläufen“, sagte Khalid Khannouchi nach seinem Triumph in London. Zwei Tage vor dem Start hatte er sich skeptisch gezeigt bezugs Haile Gebrselassies Wunsch nach einer ersten Hälfte in 62:30 Minuten. „Dafür braucht man sehr viel Erfahrung“, sagte Khannouchi und fügte hinzu: „Wir werden sehen, was mit Haile passiert.“ Am Ende gewann mit dem Amerikaner tatsächlich der Läufer, der im Vergleich zu dem Äthiopier und zu Paul Tergat über die größte Erfahrung verfügt.

Für Khannouchi, der seit Mai 2000 die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, aber die Olympiaqualifikation verletzungsbedingt verpasst hatte, war es in London auch ein Sieg über zwei seiner Idole. „Als ich Haile 1993 laufen sah, war das eine Inspiration für mich – und das gleiche gilt für Paul, vor dem ich großen Respekt habe. Ich würde ihn gerne einmal schlagen“, hatte Khannouchi vor dem Rennen in London gesagt. Vier Monate lang hatte sich Khalid Khannouchi, der beim WM-Marathon 2001 nach Verletzungsproblemen im Vorfeld aufgab, auf den London-Marathon vorbereitet. Zeitweise trainierte er auch in Mexiko in 3000 Metern Höhe. „Ich habe noch nie so hart und in dieser Höhe trainiert. Es war mein bestes Wintertraining bisher“, sagte der 30-Jährige, dessen Frau Sandra Natal auch seine Trainerin und Managerin ist. „Ich weiß, dass für die Amerikaner nichts mehr zählt als eine olympische Medaille. Und das ist mein großes Ziel. Ich hoffe, dass ich in Athen 2004 fit bin.“

Khalid Khannouchi ist als eines von acht Kindern in Meknes in Zentralmarokko aufgewachsen. Sein Vater war Glaser und nebenbei Fußballtrainer. So kam Khalid Khannouchi frühzeitig zum Sport. Sein Vater fand ihn zu klein für einen Fußballer und überredete ihn zum Laufen. Mit 15 Jahren lief Kahlid Khannouchi sein erstes Rennen, einen Cross, und gewann. 1990 wurde er Junioren-Crossmeister seines Landes, doch der Verband nominierte ihn nicht für die Junioren-Cross-WM. Das demotivierte den Athleten, obwohl er vom früheren Weltrekordler Said Aouita als Trainer betreut wurde.

Als er 1993 bei der Universiade in Buffalo die 5000 m gewann, lernte er neue Freunde kennen. Zwei Monate später kam er zurück dorthin, doch als es ihm im November zu kalt wurde, zog er nach New York. Er lebte mit sechs anderen Marokkanern in einem Zwei-Zimmer-Appartment in Brooklyn, verdiente sich sein Geld unter anderem als Tellerwäscher und trainierte spät abends. "Dort in Brooklyn nachts um 23 oder 24 Uhr zu laufen, war verrückt, aber ich machte das", erzählt Khannouchi. Bei einem Straßenrennen in Connecticut lernte er 1994 seine heutige Frau kennen, die ihn fortan mit Erfolg trainierte.


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