42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

Weitere Veranstaltungen

News

Dieter Baumann stellt Hamburg auf den Kopf – und stößt an seine Leistungsgrenzen

Neue Erfahrungen – aber die Gewissheit: „Ich mache dies wieder!“

22.04.2002

Fast alles drehte sich beim Hansaplast-Marathon in Hamburg um Dieter Baumann und dessen Debüt. Wohl selten hat die deutsche Laufszene einem Rennen so entgegen gefiebert wie dem Auftritt des 5000 m-Olympiasiegers von Barcelona. Einschließlich der Medienlandschaft. „Marathonman“ Baumann hat am wenigsten zu Spekulationen beigetragen, die von einer Verbesserung des deutschen Rekordes von 2:08:43 bis zu einer 2:16/ 2:17er Endzeit reichten. Noch vor Ort wußte Dieter Baumann die Experten zu bremsen, als immer wieder von einem Experiment sprach. Schließlich war der Tübinger in seiner Vorbereitung nicht länger als vierunddreißig Kilometer gelaufen. Eine Parallelität zu Haile Gebrselassie oder Paul Tergat bot sich zudem nicht an, weil Dieter Baumann keine ausgesprochene Straßenerfahrung vorweisen konnte, allenfalls den einen oder anderen Auftritt auf einer Kurzdistanz. Von einer Halbmarathonzeit ganz zu schweigen....

Hamburgs Sportpublikum stand zwar nicht kopf, doch hunderttausendfach am Streckenrand. Lästerliche Zungen behaupteten zumindest, die eher unterkühlten Hanseaten haben den Marathon als Ersatz für die andernorts zelebrierten Karnevals- oder Faschingsumzüge angenommen – und ließen praktisch keine Ecke auf dem 42,195 km-Rundkurs zwischen St. Pauli, der Außenalster und Eppendorf aus. Hamburg im Marathon-Ausnahmezustand. Selbst ältere Damen mit wenig Sportbezug standen am Streckenrand und zeigten sich im Spannungszustand. „Wann kommt denn der Baumann?“ Und er kam flott vorbei, zumindest die halbe Strecke lang. Die durchweg aus Afrikanern bestehende Spitze im Fokus. Als es für die Marathonmänner ans Eingemachte gehen sollte, da war der Schwabe nicht mehr von der Partie. Zwangen eher muskuläre oder psychische Probleme den seit seinem furiosen Auftritt bei der European 10 000 m-Challenge vor gerade einmal zwei Wochen weltweit die aktuelle Nummer eins über 10 000 Meter zum Aufhören? „Bis zur Halbmarathonmarke lief es wunderbar, nur 30 Sekunden hinter der Spitze zurück. Ich hatte eigentlich den Eindruck, alles sei gesichert. Es hat vielleicht einmal im Oberschenkel gezogen. Das war’s aber auch schon. Bei 32 km mußte ich die Gruppe aber ziehen lassen und versuchte, meinen eigenen Rhythmus zu finden. Da war es plötzlich ein 3:30er Kilometerabschnitt. Ich habe mir dann gesagt: Laufe etwas engagierter – und schon waren es 3:45. Beim nächsten Abschnitt sogar 4:00 Minuten. Ich habe irgendwann realisiert, das es nicht einmal mehr eine 2:20er Zeit geben würden. Es hat nicht unbedingt weh getan. Ich hatte auch keinen Blackout, sondern war voll bei Sinnen! Die Energie war einfach nicht mehr da!“ gesteht Dieter Baumann offen ein. Wohl aber die Erkenntnis: „Ich werde dies wieder machen!“ Und meinte damit ein weiteres Experiment in Sachen Marathon.

Bewundernswert, wie der 37jährige Tübinger mit selbst dem größten Druck umzugehen versteht. Zumindest äußerlich gelassen. Konzentriert vor dem Start, hellwach im Rennen, geduldig selbst im größten Journalistenpulk zu fast allen Fragen bereit. Wie kaum ein anderer Athlet zieht Dieter Baumann die Medien an. Einer zum Anfassen. Trotz oder gerade wegen der Affäre.... Ehefrau Isabelle hingegen sichtlich angespannt, Ohne viel Aufhebens stieg sie schon zur Streckenhälfte aus dem Begleitfahrzeug aus und wollte sich einfach dem Rummel entziehen.

Baumann konnte keinen Mißgriff im Trainingsaufbau erkennen. Aber eine neue Erkenntnis weiss er aus Hamburg mit ins Schwäbische zu nehmen: Trotz hoher Trainingsumfänge ist der Olympiasieger physisch und psychisch (noch) kein Marathonmann. „Ich habe erkannt, Marathon ist eine andere Disziplin. Ich muss einfach akzeptieren, dass ich nicht die selbe Klasse über diese Strecke haben kann. Die 27:38 von Camaiore sagen überhaupt nichts aus über eine zu erwartende Marathonleistung!“ Für Dieter Baumann geht damit die Welt nicht unter, er habe ein Experiment wagen wollen. Dieses sei „zunächst einmal abgebrochen“, wie er es eindeutig formulierte. Es ging in die Hosen. Er ist „nur“ 32 Kilometer lang gelaufen, spüre aber schon jetzt die Schmerzen. Für die vielen Freizeit- und Hobbyläufer mehr als tröstlich, dass auch einem ausgewiesenem Meisterläufer nichts in den Schoß fällt. Diesmal hat er kapituliert, der weisse Kenianer.

Doch wie geht es weiter bei Dieter Baumann, der sich nach seiner zweijährigen Wettkampf-Zwangspause in atemberaubender Geschwindigkeit in der Halle, im Cross und auf der Kunststoffbahn zurückzumelden wußte? Den Kopf in den Sand stecken gewiss nicht. „Erst werde ich mich erholen und werde dann den Sommer vorbereiten. Ich muss aber jetzt sagen, ich bin froh, dass ich die 10 000 m-EM-Norm bereits habe!“

Wilfried Raatz


Weitere News

21.10.2014 Vattenfall BERLINER HALBMARATHON 2015: Bereits 20.000 Startplätze belegt
16.10.2014 BMW BERLIN-MARATHON 2015: Die Registrierung zum Anmeldeverfahren dauert vom 18. Oktober bis 2. November 2014
10.10.2014 Abbott wird Titelsponsor der World Marathon Majors
10.10.2014 Am Sonntag ist Anmeldeschluss für die Cross Days am 25./26. Oktober

Noch mehr News finden Sie in unserem Newsarchiv

Sponsoren des 42. BMW BERLIN-MARATHON Wobenzym plus BMW AOK Adidas Erdinger Alkoholfrei Holiday Inn Germanwings Here Maps

Anzeige

Anzeige