42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Sonja Oberem gewinnt deutsches Duell gegen Luminita Zaituc

WM-Fünfte dominiert in 2:26:21 – Männersieger Kandie steigert sich auf 2:10:17 – Aus für Baumann nach 35 km – Unglücksfall beim Marathonlauf

22.04.2002

Das mit großer Spannung erwartete Auftreten des 5000 m-Olympiasiegers Dieter Baumann beim 17. Hansaplast-Marathon endete unspektakulär - nach 35 km. „Die Energie war aufgebraucht“, bekannte Dieter Baumann in der ihm eigenen Offenheit vor einer großen Schar von Medienvertreter ohne Wenn und Aber. „Ich hatte eigentlich den Eindruck, für den Marathonlauf gewappnet zu sein. Doch ich muss sagen, der Eindruck war falsch. Das Experiment ist zunächst einmal gescheitert!“ Seine aufrichtige Anerkennung galt allen Finishern, vor allem aber den Schnellsten bei der siebzehnten Auflage des Hamburg-Marathon. Allen voran seiner früheren Clubkollegin beim TSV Bayer Leverkusen, Sonja Oberem, die als Frauensiegerin mit 2:26:21 Stunden nur neun Sekunden über ihrer beim Vorjahreserfolg erzielten Bestzeit blieb. Das gewiss interessante deutsche Duell mit Luminita Zaituc war bereits nach der Streckenhälfte für die Bayer-Läuferin entschieden, als die Braunschweigerin etwas zurückstecken musste. Sechs Tage nach dem Sieg von Rodgers Rop beim Boston-Marathon durfte der deutsche Manager Volker Wagner schon einen weiteren Sieg für seinen Detmolder Rennstall feiern: Der 33jährige Christopher Kandie übernahm nach 37 km erstmals die Spitze einer völlig auseinander gebrochenen Spitzengruppe und holte sich nach Rang sechs des Vorjahres völlig überraschend den Sieg in 2:10:17 Stunden, während die favorisierten Berlin-Marathonersten Joseph Ngolebus und Willy Cheruiyot abgeschlagen ins Ziel an der Messe einliefen .

Was kann erfolgsorientierte Kenianer noch überraschen? Selbst eine Steigerung um viereinhalb Minuten und einen Geldsegen an der Hamburger Alster nahm Christopher Kandie gelassen hin. „Nein, das ist für mich keine Überraschung!“ bekannte Kandie, der noch reisemüde seine Deutschland-Auftritte zunächst als Halbmarathon-Sechster in Paderborn mit 1:03:38 begann, aber schon in der Folgewoche beim Berliner Halbmarathon mit 1:01:24 Stunden sein Potenzial andeutete. Der 33jährige vom Stamm der Keiyo, übrigens unmittelbarer Nachbar in seiner Heimatstadt Iten von Christopher Koskei, dem 3000 m-Weltmeister von 1999, schafft nun jenseits der Dreißig den Durchbruch im Rennstall von Volker Wagner, nachdem er bislang auf seinen Tingeltouren nur bescheiden erfolgreich war. Kandie überließ seinen zumeist namhaften Laufkollegen wie Ngolebus, Cheruiyot, Chimusasa, Lagat und Co. die Initiative und hielt sich zumeist am Ende der rein afrikanischen Spitze auf. In der entscheiden Rennphase entlang der Außenalster wurde das Rennen merklich langsamer und auf den Kopf gestellt. So fiel der zeitweise wie ein sicherer Sieger wirkende Berlin-Marathonerste Ngolepus zurück. Sich selbst ein tolles Geburtstagsgeschenk machte sich der zweitplatzierte Äthiopier Hailu Neguse mit einer feinen 2:10:24-Bestzeit. Aus der verfolgenden „Baumann-Gruppe“ verabschiedete sich nicht nur der „Chef“ selbst, sondern zudem Regensburg-Sieger Dmitri Kapitonov an den Streckenrand. Dagegen lief der Pole Piotr Gladki, der Hamburg-Sieger von 2000, im zweiten Wind noch auf Rang fünf vor. Keine Offenbarung für Bundestrainer Wolfgang Heinig wenige Tage vor Ende des EM-Qualifikationszeitraumes, denn Michael Wolf musste vorzeitig seine Hoffnungen aufgeben und Martin Beckmann lief nach gutem Beginn mit lediglich 2:17:24 auf Rang siebzehn.

Auch ohne neuem Hausrekord zeigte sich Sonja Oberem mit ihrem Auftritt zufrieden, schließlich beendete die 29jährige ihren zwanzigsten Marathonstart mit einem überzeugenden Sieg . „Ich bin gut gelaufen, doch leider ist keine Bestzeit heraus gekommen. Ich weiss nicht, wo die Sekunden geblieben sind. Bei der Hälfte war ich noch zwanzig Sekunden schneller als im Vorjahr. Vielleicht war ich auch, nachdem die Tempomacher ausgeschieden waren, einen Tick zu schnell gelaufen! Durch die hohe Luftfeuchtigkeit hatte ich gerade auf dem ersten Streckenteil den Eindruck, zu wenig Sauerstoff zu bekommen!“ Zufrieden – und dennoch enttäuscht eine Luminita Zaituc, die sich nach ihrem Debüt vor Jahresfrist in Hamburg von 2:28:43 sechs Monate später in Frankfurt auf 2:26:01 steigern konnte – und nicht zuletzt nach ihrer glänzenden Generalprobe beim Paderborner Osterlauf das „große Ding“ in Hamburg starten wollte. Im deutschen Duell hatte die Herausforderin von Sonja Oberem jedoch schon nach wenigen Kilometern Probleme. „Ich bin froh, dass ich überhaupt durchgekommen bin“, bekannte die amtierende Marathonmeisterin, „weil ich schon nach fünf, sechs Kilometern Seitenstiche hatte!“ Bis zur Streckenhälfte lagen Zaituc und Oberem noch gleichauf neben einander bei einer Durchgangszeit von 1:12:50, dann musste die Braunschweigerin allerdings abreißen lassen. „Vielleicht laufe ich in Dessau die 10 000 m, aber mein Ziel ist der EM-Marathon in München“, wehrte sie Spekulationen über eine Rückkehr auf die Langdistanzen im Stadion ab.

Merklich mit der Fassung musste Veranstaltungsmanager Wolfram Götz bei der Pressekonferenz ringen, als ihm der Tod eines jungen Marathonläufers übermittelt wurde, der im Ziel zusammengebrochen war und trotz rascher Reanimation verstarb. Entsprechend verhalten seine Genugtuung über eine Veranstaltung, die mit einer Rekordbeteiligung von 17 500 Startern und 2 000 Inlinern eine maximale Größenordnung erreicht hat. „Ein weiterer Anstieg hat nur Qualitätseinbußen zur Folge. Wir werden uns über eine Teilnehmerbeschränkung Gedanken machen müssen, denn jeder Teilnehmer hat Anspruch auf bestimmte Serviceleistungen, die bei einem weiteren Zuwachs um fünf- oder sechstausend Läufer nicht mehr gewährleistet sind!“

Wilfried Raatz


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