42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Heinig: Eich muss nach München!

26. Stadtwerke Leipzig-Marathon: Eichs Comeback mit 2:13:47 Stunden – Widrige Umstände bremsten jedoch den Neu-Braunschweiger aus – Freigang abgeschlagen

28.04.2002

Carsten Eich rückt mit seinem Sieg beim 26. Stadtwerke-Leipzig-Marathon in 2:13:47 Stunden die Verhältnisse in der deutschen Marathonszene, Abteilung Männlich, zwar zurecht, doch am Ende des letzten Marathonlaufes im Qualifikationszeitraum für die Europameisterschaften in München stehen mehr Fragezeichen als Klarheit in dieser Disziplin. Fakt ist nämlich, dass der gebürtige Leipziger in seiner Heimatstadt bei böigem Wind praktisch im Alleingang keinen Zweifel daran liess, dass er gut ein dreiviertel Jahr nach einer Fersenoperation ein gelungenes Comeback feiern durfte, das allerdings deutlich über der vom DLV geforderten EM-Norm von 2:12:30 Stunden liegt. Dazu Bundestrainer Wolfgang Heinig: „Ich werde dem DLV nach den vorliegenden Ergebnissen nur Carsten Eich vorschlagen können. Er hat bewiesen, dass er unter diesen schwierigen Bedingungen durchaus eine 2:12:30 laufen kann. Ich denke, der DLV sollte bei Europameisterschaften im eigenen Land zumindest einen Athleten pro Disziplin nominieren. Und unser bester Marathonläufer ist nach dieser Vorstellung uneingeschränkt Carsten Eich!“

Voraussetzung ist natürlich, dass der Neu-Braunschweiger überhaupt in München starten möchte. Mit dieser Zielstellung ist sich Carsten Eich unmittelbar nach dem Zieleinlauf auf dem schmucken Marktplatz seiner Heimatstadt noch nicht schlüssig. „Ich möchte nur dann in München starten, wenn ich in einem internationalen Feld konkurrenzfähig sein kann. Natürlich muss mich der DLV auch erst einmal nominieren. Die Situation werde ich mit meinem Trainer Axel Krippschock mit dem nötigen Abstand analysieren und dann meine Position festlegen!“ Trotz nur kurzer Vorbereitungszeit („Da lief vieles nicht nach Wunsch!“) legte Eich nach 1:07:02 zur Halbzeit noch einen etwas schnelleren zweiten Streckenabschnitt hin. Bundestrainer Wolfgang Heinig, übrigens auch ein Leipziger, zog vor der Leistung Carsten Eichs zumindest symbolisch den Hut, denn aus dem Begleitfahrzeug wurde der DLV-Mann Zeuge, unter welch schwierigen Bedingungen diese Endzeit zu Stande gekommen war. Nachdem bereits nach sieben Kilometern Stephan Freigang wegen Magen-Darm-Problemen aus der Spitze herausgefallen war und mit mehr als sechs Minuten Rückstand Zweiter wurde, konnten alleine die beiden verpflichteten kenianischen Tempomacher Gabriel Mutai und Abraham Tandoi Wegbahner zur EM-Norm sein. Und dieses war nötig, denn neben dem böigen Wind musste sich der Spitzenmann im Zickzackkurs durch die überrundeten Läufer bzw. die langsamen Halbmarathonstarter schlängeln. „Das alles zusammen hat Carsten glatt eine Minute gekostet!“ rechnete der Bundestrainer später hoch.

Zwar hatte der Nachfolger des traditionsreichen KMU-Marathons mit dem seit 26 Jahren amtierenden Marathon-Chef Heinrich Hagenloch und Organisationsleiter Hermann Härtwig mit 2 416 Anmeldungen einen gewissen Aufwärtstrend zu verzeichnen, aber die Streckenwahl mit der großen Schleife im Süden Leipzigs und zwei 10 km-Abschnitten mit einigen Kultur-Highlights erwies sich einmal mehr für höhere Aufgaben und größerer Beteiligung als sehr problematisch. „Im Prinzip unterstütze ich als Leipziger die Marathon-Bestebungen“, bekannte Bundestrainer Heinig, „aber auf dieser Strecke ist eine Marathon-DM unmöglich!“

Wilfried Raatz

Leipzig (28.4.): 26. Stadtwerke Leipzig-Marathon: Männer: 1. Eich (LG Braunschweig) 2:13:47, 2. Freigang (LC Cottbus) 2:20:12, 3. Friedrich (Chemnitzer PSV) 2:32:27, 4. Emmerling (PSV Halle) 2:36:18, 5. Homagk (SV Neptun Finsterwalde) 2:40:22, 6. Müller (SC DHfK Leipzig) 2:40:59. Frauen: 1. Semjonowa (SC DHfK Leipzig) 2:57:02, 2. Hille (ESV Lok Potsdam) 3:13:16 (W 45).

Wo stehen die deutschen Marathonläufer? Bundestrainer Heinig zieht Bilanz nach dem Marathon-Frühling

Bis auf Kathrin Weßel und Michael Fietz, die aus Verletzungsgründen sich mit einer Sondererlaubnis noch in Regensburg am 12. Mai für die Europameisterschaften im Marathonlauf empfehlen können, liegen die Leistungen unserer EM-Kandidaten vor. Welches Fazit ziehen Sie?

Marathon-Bundestrainer Wolfgang Heinig: „Strenggenommen müssen wir bei den Männern das Thema EM abhaken. Arndt, Bürklein, Beckmann und Wolf brauchen scheinbar länger als sie selbst gedacht haben. Anders als über 10 000 m lässt sich die Situation bei den Männern wohl kurzfristig nicht verbessern. Angesichts der Umstände hat Eich heute eine Klasseleistung vollbracht. Schade, dass er sich für Leipzig entschieden und nicht in Hamburg seine Chance gesucht hatte. Ich werde ihn auf jeden Fall für München vorschlagen. Losgelöst von Team-Verpflichtungen sollte er als Einzelstarter gute Aussichten haben!“

Klammern wir einmal Dieter Baumann und nach der heutigen undiskutablen Leistung auch Stephan Freigang für die Marathonstrecke aus. Es sieht in dieser Disziplin bei den Männern fürwahr nicht rosig aus. Wie soll es weitergehen?

Heinig: „Wir müssen Geduld haben. Die Ansätze mit den gemeinsamen Trainingslagern in Portugal und Spanien müssen konsequent fortgesetzt werden. Wenn ich keine Hoffnung hätte, dann wäre ich hier nicht an der richtigen Stelle!“

Etwas mehr Freude bereitet Ihnen gewiss der Frauenbereich. Doch auch hier dürften Sie Sorgenfalten haben?

Heinig: Ich bleibe auch nach Hamburg dabei: Sonja Oberem und Luminita Zaituc werden in München gute Chancen haben. Kathrin Weßel muss jetzt in Regensburg nachziehen. Ob Melanie Kraus noch rechtzeitig zurückkommen wird, das ist fraglich. Bei Claudia Dreher verschleppt sich nach der Operation der Heilungsprozess, sodass Ulrike Maisch derzeit unsere vierte Frau für den Team-Wettbewerb in München sein wird. Da wir mit der Mannschaft auf’s Podest wollen, ist eine zuverlässige, vierte Läuferin sehr wichtig. Bis August sollte Uli noch auf einem besseren Niveau sein, als dies in Bonn der Fall war.

Wie sehen Sie die deutsche Position nach den internationalen Frühjahrsmarathonläufen in London, Boston, Rotterdam, Paris und Hamburg?

Heinig: „Wenn wir bei den Frauen Paula Radcliffe und die Afrikanerinnen ausklammern, dann muss ich sagen: Mit den besten Europäerinnen können Oberem und Zaituc mithalten. Radcliffe’s Leistung sollte aber einer Irina Mikitenko Mut machen, einen ähnlichen Weg zu gehen. Halbheiten führen nicht weiter. Während wir bei den Frauen am Ende des internationalen Zuges noch agekoppelt sind, haben wir bei den Männern längst den Anschluss verpasst. Da hilft kein Wenn und Aber!“

Das Interview führte Wilfried Raatz


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