42. BMW BERLIN-MARATHON am 27. September 2015

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Auf dem Berliner High-Speed-Kurs müsste noch eine Minute drin sein

Eine spitzensportliche Bilanz der außergewöhnlichen April-Marathonrennen mit dem Weltrekord von Khalid Khannouchi

30.04.2002

Die glänzenden Marathon-Zeiten im April sind in den Augen vieler Experten keine Überraschung. Mit einigen Jahren Verspätung hat die Serie der Weltrekorde und Spitzenzeiten auf den Bahn-Langstrecken den Marathon erreicht. Dass das so kommen würde, hatten viele vorhergesagt. Ein bezeichnender Zufall dieser Entwicklung ist, dass die letzten beiden Langstrecken-Weltrekorde auf der Bahn über 5.000 und 10.000 m 1998 gelaufen worden sind. Im selben Jahr brach Ende September beim BERLIN-MARATHON der Brasilianer Ronaldo da Costa überraschend die Marathon-Weltbestzeit. Er steigerte die zehn Jahre alte Bestzeit des Äthiopiers Belayneh Dinsamo von 2:06:50 Stunden auf 2:06:05. Es war damals eine Sensation, es war der erste Marathon mit einem Kilometerschnitt von unter 3:00 Minuten. Seitdem gab es fast schon serienweise Zeiten unter 2:07 Stunden, da Costas Weltbestzeit wurde inzwischen dreimal unterboten.

Und es ist damit zu rechnen, dass Athleten wie Haile Gebrselassie, der seit 1998 die beiden Bahn-Weltrekorde hält, Paul Tergat (Kenia), der weltbeste Halbmarathonläufer, oder auch Khalid Khannouchi (USA), der nun in London seine Marathon-Weltbestzeit um vier Sekunden auf 2:05:38 Stunden steigerte, die Zeiten noch weiter voran treiben werden. Unter 2:05 Stunden sind möglich – da sind sich die Langstreckenspezialisten und Manager Jos Hermens (Gebrselassie) und Dr. Gabriele Rosa (Tergat) einig.

Alleine schon aufgrund des nicht einfachen Londoner Streckenprofils mit etlichen Ecken und vielen kleinen Höhenunterschieden müsste auf den bekannten High-Speed-Kursen von Berlin, Chicago oder Rotterdam bei idealen Bedingungen noch eine Minute drin sein. Die Perspektiven für den real,- BERLIN-MARATHON sind glänzend – nicht zuletzt deshalb, weil es eine recht große Anzahl von Eliteathleten gibt, die in der Lage sind absolute Spitzenzeiten zu laufen.

Bei den Frauen ist die Entwicklung im Prinzip ähnlich wie bei den Männern. Auch hier ist die Breite in der Spitze im Marathon – mit etwas Verspätung, verglichen mit den Männern - zuletzt deutlich stärker geworden. Auf den Bahn-Langstrecken ging in den 90er Jahren keine Rekordflut voraus, was teilweise auch an den mitunter mysteriösen Leistungen der Chinesinnen lag. Über 3000 m und 10.000 m sind die Bestzeiten nach wie vor außer Reichweite. Im Marathon brach die Kenianerin Tegla Loroupe 1998 mit 2:20:47 Stunden die 14 Jahre alte Weltbestzeit der Norwegerin Ingrid Kristiansen. 1999 verbesserte sie diese Marke beim BERLIN-MARATHON um vier Sekunden. Doch erst seit dem Olympiajahr 2000 gibt es eine stärkere Konkurrenz im Bereich von Zeiten unter 2:23 Stunden. Was im vergangenen Jahr mit den ersten beiden Zeiten unter 2:20 Stunden binnen acht Tagen begann, setzt sich jetzt fort: Wenn einmal eine Schallmauer durchbrochen ist, kann durchaus ein großer qualitativer Sprung folgen. Die erste Läuferin, die unter 2:20 Stunden lief war Naoko Takahashi. Die Japanerin rannte beim real,- BERLIN-MARATHON 2:19:46 Stunden.

Für die interessanteste Entwicklung haben in diesem Marathon-Frühling die Frauen gesorgt. Nie zuvor gab es in einem derartigen Leistungsbereich eine so große Dichte. Je eine Läuferin blieb unter 2:19, 2:21 und 2:22 Stunden. Drei weitere Athletinnen rannten unter 2:23, weitere vier unter 2:24 Stunden. Es ist noch nicht so lange her, dass es Jahre gab, in denen keine einzige derartige Zeit gelaufen wurde. Mit Ergebnissen von 2:25 Stunden zählt man nicht mehr zur Weltspitze. Und so liegt die Hamburg-Siegerin Sonja Oberem trotz ihrer 2:26:21 Stunden nur auf dem 18. Rang der Jahresweltbestenliste. In Europa ist sie damit immerhin noch Nummer fünf, so dass bei der EM in München eine vordere Platzierung möglich sein kann.

Dass dieser Marathon-Frühling so außergewöhnlich war, lag in erster Linie an einem einzigen Rennen: dem London-Marathon. Vier Läuferinnen blieben unter 2:23 Stunden, Susan Chepkemei (Kenia) wurde trotz 2:23:19 nur Fünfte. Paula Radcliffe verpasste als Debütantin die Weltbestzeit von Catherine Ndereba (Kenia/2:18:47) lediglich um neun Sekunden und nur deshalb, weil sie zwischenzeitlich nicht wusste, dass sie so dicht an der Bestzeit war. Die Uhr auf dem Führungsfahrzeug war ausgefallen. Die Britin, der schon vor dem London-Marathon ein Angebot für den New-York-Marathon Anfang November vorgelegen hatte, wird sich nun zunächst wieder auf die Bahn konzentrieren. Bei den Commonwealth Games möchte sie über 5000 m laufen, bei der EM in München eine Woche später ist ein Doppelstart über 10.000 m und 5.000 m denkbar. Auch bei den Männern war London einmalig: Neben Khannouchi blieb auch Paul Tergat (Kenia/2:05:48) unter 2:06 Stunden, je zwei weitere Läufer rannten unter 2:07 beziehungsweise unter 2:08 Stunden.

Für die Londoner haben sich die Rekord-Investitionen in diesem Jahr wahrlich gelohnt. Die Veranstaltung hat einen Gesamtetat von rund 8,5 Millionen Euro. Davon hat der frühere Weltklasseläufer David Bedford knapp 3,5 Millionen zur Verfügung. Diese Summe, die den Gesamtetat des größten deutschen Marathons in Berlin noch um eine halbe Million übertrifft, gibt der Athletenmanager alleine für den Bereich der Topläufer aus. Und auch nach dem Rennen mussten die Engländer gewaltig zahlen: An Prämien waren insgesamt 1.050.750 Dollar fällig. Auch das ist ein Weltrekord. „Aber dieses Rennen war jeden Penny wert“, sagte David Bedford.

Unter der Londoner Dominanz scheinen die Konkurrenten ein wenig zu leiden, zumindest was das Männerfeld angeht. Rotterdam und Boston, in den 90er Jahren viel eher als London für spitzensportliche Schlagzeilen gut, bleiben angesichts dieser Konkurrenz fast ein wenig blass. Gut entwickelt hat sich der Paris-Marathon, während in Hamburg das spitzensportliche Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Die Streckenrekorde vergangener Jahre (2:07:46/2:24:35) zeigen, dass auf diesem Kurs mehr möglich ist.

Was schnelle Zeiten angeht, werden im Herbst wieder zwei Rennen besonders im Blickpunkt stehen: Der 25. Chicago-Marathon am 13. Oktober, bei dem bis zu 37.500 Meldungen entgegen genommen werden, und natürlich der real,- BERLIN-MARATHON. Wer in Berlin am 29. September laufen möchte, sollte sich bald anmelden. Denn von den 33.000 Läufer-Startplätzen sind über die Hälfte schon vergeben.


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