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Mutnadiro gewinnt Mainzer Marathon-Slalom

6418 Starter beim Gutenberg Marathon Mainz – Elena Fadeeva Frauenerste

21.05.2002

Was dem FSV Mainz 05 auf dem Fußballterrain nicht gelungen ist, das schafften die Organisatoren des Gutenberg Marathon-Mainz schon im dritten Jahr laufenderweise, den Aufstieg nämlich in das erweiterte Oberhaus der Marathonszene. Gewiss lassen sich die Resultate auf dem Zwei-Runden-Kurs durch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt nicht mit den Großen der Szene in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln vergleichen, doch bereits im dritten Jahr ihres Bestehens hat die Karnevalshochburg am Rhein eine erstaunliche Marathonkarriere gestartet. Eine stabile Beteiligung über fünftausend Marathonläufer (oder solche, die sich nach halber Distanz für den Zieldurchlauf entschieden) und eine leistungsstarke Atmosphäre an den zentralen Punkten sprechen für die Organisation, für die die Stadt Mainz die Verantwortung trägt. Das „Goldene Mainz“ entwickelt sich dank des unermüdlich ins Mikrophon textenden 05-Stadionsprechers Klaus Hafner aber auch zum „Event der Kalauer“. Das Schwergewicht vom Bruchweg bekennt sich gewiss auch zu seinen Pfunden: „Ich wiege vier Kilo mehr als Rainer Callmund“ und hat deftige Sprüche auf Lager, die gestandenen Marathonfans das Blut in Wallung bringen lassen. Sein „Auf geeeeeht’s“, das „Ihr seid Spitze“ und das „Auch du schaffst es!“ mag noch Aufmunterung sein, aber bei Kalauer wie „Lasst den Hunger nicht spüren, wir ziehen das auch durch“, „Richtig, dass du heute 5 Kilo abnimmst!“ oder „Ok Jungs, geht noch ein bisschen Mädels gucken und lauft noch eine Runde“ und „Richi, du bist ja auch schon im Ziel, und das nach den drei Litern Bier gestern Abend!“ scheiden sich gewiss die Geister.

Wer in Mainz allerdings mit hoch gesteckten Ambitionen startet, der muss starke Nerven haben. Es sei denn, er ist slalomerprobt und weiss sich durch die Masse der langsamen Halbmarathonläufer bzw. der Vier- und Fünf-Stunden-Läufer durchzuschlängeln. Oder man heißt Elijah Mutnadiro und hat das Privileg des Spitzenreiters, der sich hinter dem Führungsfahrzeug zwar in der abgasgeschwängerten Luft aber dafür relativ sorglos auf der Ideallinie trotz der Rekordkulisse von 6 418 Starter laufen kann. Der 26jährige aus Harare hat zusammen mit weiteren afrikanischen Läufern bei dem Manager-Ehepaar Clemens und Elizabeth Schröder auf der früheren Militärbase Hahn im Hunsrück ein zweites Zuhause gefunden und im sechsten Marathoneinsatz nun in Mainz den ersten Sieg eingefahren. Noch dazu in Streckenbestzeit von 2:16:22 Stunden. Der Läufer aus Simbabwe wusste sich zusammen mit seinem zunächst die Pace bestimmenden Landsmann Michael Ngaseke schon früh von den vermeintlichen Mitfavoriten um den kenianischen Vorjahressieger Francis Mbiu und dessen Teamkollegen Samwel Okemwa sowie dem Vorjahreszweiten Vitaly Melzaev zu lösen. Dieses einfache Rezept ging euroträchtig auf, auch wenn Elijah Mutnadiro in der Mittagshitze am Rhein fast vier Minuten mehr für den zweiten Abschnitt brauchte. Doch auch die Verfolger bauten merklich ab, allen voran der Vorjahressieger Mbiu, der heuer nur auf Rang fünf, direkt vor dem besten deutschen Läufer Frank Hahn, einkam.

Etlichen Ärger gab es einmal mehr um die Halbmarathon-Wertung, eine in dieser Version gewiss strittige „Mainzer Regelung“. Tempomacher Ngaseke, der nach achtundzwanzig Kilometer aus dem Rennen gehen sollte, wird nämlich als Gewinner des Halbmarathons geführt, gefolgt von den „deutschen Aussteigern“ Heiko Schinkitz und Dirk Schinkoreit, die sich einen Kilometer vor dem Ziel für ein Abbiegen ins Halbmarathonziel vereinbarten, während der Läufer aus Zimbabwe allerdings am Ziel vorbei in die zweite Runde gemeinsam mit dem späteren Marathonsieger ging. Glücklicherweise gibt es für diese „Mainzer Spezialität“ kein Preisgeld.

Auf die Streckenrekordprämie musste die Frauensiegerin Elena Fadeeva bei ihrem Zieldurchlauf in 2:39:26 Stunden zwar verzichten, doch die 36jährige Ukrainerin verzeichnete in Mainz schon ihren zweiten Marathonsieg im zweiten Rennen ihrer Karriere, nachdem sie bereits bei ihrem Debüt in Birmingham/ USA erfolgreich war. Die spät eingeschriebene Ukrainerin lief vom Start weg an der Rheingoldhalle ein kontrolliertes Rennen, das im zweiten Abschnitt sogar noch 35 Sekunden schneller als die erste Halbstrecke war. Das Nachsehen hatten dabei Elijahs Landsfrau Tabitha Tsatsa und die Kenianerin Ledysha Biwott, die nach ihrem Missgeschick in Hannover (Schuh verloren, Sturz) mit zwei dritten Marathon-Plätzen reichlich gefrustet den Weg in die kenianische Heimat antreten muss.

Großer Bahnhof für drei 05-Fussballprofis, die sich in den Dienst der guten Sache stellten. Mannschaftskapitän Dimo Wache, Christian Hock und Torsten Lieberknecht sammelten vor ihrem Halbmarathonstart, den die drei medienwirksam in 2:10 absolvierten, runde 4000 Euro für die „Interessengemeinschaft für Kinder der Intensivstation und Kinderkardiologie Mainz“ (KIKAM).

Wilfried Raatz

3. Gutenberg-Marathon Mainz (20.5.): Männer: 1. Mutnadiro (ZIM) 2:16:22, 2. Melzaev (UKR) 2:17:42, 3. S. Okemwa 2:19:08, 4. Beikong 2:23:01, 5. Mbiu (alle KEN) 2:24:12, 6. Han (LG Bonn-Troisdorf-Niederkassel) 2:27:26, 7. Tandoi (KEN) 2:27:34, 8. Van Ghemen (LSG Karlsruhe) 2:30:12, 9. Skopac (CRO) 2:32:38, 10. Mertes (TSV Bayer Leverkusen) 2:34:48, 11. Lipecki (LG Bad Soden-Neuenhain) 2:37:54, 12. Kiefer (Spiridon Frankfurt) 2:38:04, 13. Reinke (TV Großostheim) 2:39:28, 14. Schneider (LGV Marathon Gießen) 2:40:11, 15. Schedler (LTF Marpingen) 2:41:35.

Frauen: 1. Fadeeva (UKR) 2:39:26, 2. Tsatsa (ZIM) 2:45:09, 3. Biwott (KEN) 2:48:15, 4. Ruppert (LC Saucony Saar) 2:49:17, 5. Schedler (LTF Marpingen) 2:52:42, 6. Wagner (TV Rheinau) 2:53:27, 7. Sinnewe (LTF Marpingen) 3:07:39, 8. Sinning-Kane (USA) 3:08:01, 9. Olmedo-Bubbico (CHI) 3:13:09, 10. Defland (TV Braunfels) 3:15:28.

Rahmenwettbewerbe: Halbmarathon: Männer: 1. Ngaseke (ZIM) 1:06:10, 2. Schinkitz (SG Adelsberg) 1:09:48, 3. Schinkoreit (LC Cottbus) 1:09:48, 4. Musial (TV Meisenheim) 1:12:02, 5. Leoncioni (USA) 1:12:41, 6. Krempchen (PostSV Telekom Trier) 1:15:11, 7. Boch (TuS Horn) 1:15:49, 8. Munsch (VT Zweibrücken) 1:16:27.

Frauen: 1. Brengel (DJK St. Ingbert) 1:23:01, 2. Petersen (ASV Köln) 1:25:50, 3. McCarthy (GBR) 1:29:01.


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